“Rettet dem Deutsch!”
4. Oktober 2006
Die aktuelle Ausgabe des SPIEGELs widmet sich im Titel einem Thema, dessen Idee von mir hätte sein können: Die Deutsche Sprache. Unter dem Titel “Rettet dem Deutsch! - Die Verlotterung der Sprache” beschreibt Kultur-Autor Mathias Schreiber brillant, wie SMS-Abkürzungen und die englische Sprache dem Deutschen zum Garaus werden. Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU), der spricht, wie man schreibt, fordert in einem Interview, die EU müsse alle Texte in deutscher Sprache vorlegen. Außerdem soll Deutsch in unserer Verfassung, in das Grundgesetz fest verankert werden. Immerhin leitet sich der Name unseres Landes (Deutschland) von der Sprache ab, die unser Volk spricht. Eine Forderung, die ich unterstütze - übrigens, laut Lammert, auch alle Fraktionen. Ich bin gespannt und werde als Mitglied des Verein Deutsche Sprache den Herrn Präsidenten beim Wort nehmen.
11. November 2006 um 16:07
Erstaunlich ist, dass zwei zentrale Ursachen für die massiven Veränderungen des gesprochenen Deutschen im Beitrag gar nicht diskutiert werden – dies sind der Interkulturalismus außerhalb des Englischen und eine rasante Medienentwicklung: Der bereits Jahrzehnte währende intensive Kontakt des Deutschen mit vielen Fremdsprachen (Türkisch, Arabisch, Russisch, Serbokroatisch etc.) hat im Einwanderungsland Deutschland zu Sprachvermischung und einem weit verbreiteten Multilingualismus v.a. der jüngeren Generationen geführt: dabei wird die defizitäre Zweisprachigkeit von Ausländern durch einen gemäßigten foreigner talk der Deutschen selbst unterstützt. Auch in den Medien herrschen orale Kommunikationsformen vor mit dem Zwang zu Schnelligkeit, situativen Effekten und einer möglichst ökonomischen Sprachverarbeitung. Als Resultat aus Interkultureller Kommunikation und dem Diktat der Medien entsteht so allmählich eine simplifizierte Sprech-Grammatik, die zwar neue kommunikative Bedürfnisse befriedigen mag, aber anspruchsvollere Funktionen wie das kritische Lesen oder auch das kreative Schreiben von Texten etc. immer mehr aus den Augen verliert.
15. November 2006 um 14:55
Die hier so gelobte Spiegel-Story ist amüsant geschrieben, aber leider - linguistisch betrachtet - barer Unsinn. Dass es schwer fällt, sich an Neuerungen im Sprachgebrauch zu gewöhnen, ist ja einsichtig. Man sollte nur die eigene intellektuelle Beharrlichkeit nicht verwechseln mit einer vermeintlichen ‘Verdummung’ z.B. der jüngeren Generation. Die Tatsache, dass sie z.B. andere sprachliche Formen verwendet, bedeutet ja nun nicht, dass sie weniger differenziert kommunizieren kann. Und genau dies will uns der Artikel suggerieren. Es gibt in der Sprachgeschichte sicher Tendenzen zur Reduktion von sprachlicher Komplexität; diese werden aber ganz natürlich kompensiert durch das Bedürfnis nach kommunikativer Funktionalität. Es gibt gar keine neuen kommunikative Bedürfnisse, sondern die alten Funktionen werden durch andere Formen übernommen. Wer im Wandel eine Verschlimmerung erkennt, darf das ja für sich persönlich so empfinden. Aus der Perspektive des sprachlichen Zeichensystems hat er jedoch Unrecht.
24. Mai 2007 um 09:17
Da kann ich Herrn Prof. Dr. Uwe Hinrichs nur voll und ganz zustimmen !