Die Jugend hat Schulden
30. April 2007
Die Jugend in der Schuldenfalle: Kein Einzelfall mehr, sondern Normalität, wie ein Besuch eines Schuldnerberaters in einer Klasse zeigte.
Zu dritt ist Herr Jüstel in seinem Büro im Landratsamt des Hochtaunuskreis. Die Telefonleitungen sind oft besetzt. Man muss Geduld haben. Vom Schuldenberg kommt man nur langsam weg, den Berater an die Strippe - das dauert auch seine Zeit.
Kürzlich, so erzählt der kräftige Mann, habe er einen Jungen getroffen. 18 Jahre alt ist er geworden, befreundet mit drei anderen, als einziger war er volljährig. Bislang durfte niemand einen Vertrag für ein Mobilfunktelefon (Handy) abschließen. In seiner ganzen Gutmütigkeit kaufte er ein Telefon nicht nur für sich, sondern schloss gleich vier Verträge ab - mit fatalen Folgen: Am Ende des Monates flatterten die Rechnungen in das Haus. Je rund 600 Euro. Der 18-Jährige war pleite, seine Freunde hatten kein Geld. Es endete im Strafverfahren.
Das ist nur ein Beispiel, wie Jugendliche in der Schuldenfalle landen. Aber auch Schwarzfahrer können derartig enden, erzählt Herr Jüstel. Gefährlich sind auch Bestellungen via Internet, oder Gewinnspiele, die den Teilnehmer abzocken. Kein Einzelfall, sondern anscheinend Regel: Mehr als eine Person der Klasse konnte von derartigem berichten.
Der Profi rät, auf Rechnungen und Mahnungen per E-Mail nicht zu reagieren, sofern sie nach Meinung des Empfängers unberechtigt sind. Wenn ein Brief in das Haus flattert, sollte jedoch reagiert werden. Die Verbraucherschutzzentrale, Schuldnerberatung und Rechtsanwälte stehen den überraschten Menschen gerne zur Verfügung. Herr Jüstel rät ab, via Telefon zu reagieren. Vor Gericht sind Telefongespräche nicht verwertbar, sofern nicht ein Dritter zugehört hat, oder das Gespräch - in Absprache mit dem Gesprächspartner - aufgenommen wird.
Sicher ist: Stets einen Widerspruch per Fax vorab und danach als Brief mit Rückschein an das Unternehmen schicken. Die meisten Menschen lassen sich jedoch verunsichern: “Viele zahlen, weil sie Angst haben”, erzählt Herr Jüstel.
Ganz rät er davon ab, gewerbliche Schuldnerberatungen zu kontaktieren. Öffentliche seien seriöser, und kostenfrei zugleich. Rechtsanwälte, die kosten, helfen in der Regel punktuell, Schuldnerberatungen gehen Probleme kompakter an: Wie kann man den Schuldner aus der Falle rausholen? Es geht ans Ganze: Analysiert werden nicht nur die Rechnungen, sondern auch Beruf und Familie. Wichtig sei die Antwort auf die Frage: “Wo will man in fünf Jahren sein?”
Im Zweifel, wenn alles nicht hilft, geht es in die Privat-Insolvenz. Das jedoch, erzählt der Mann, bedeutet, sechs Jahre in Einschränkungen zu leben.
Steingart wechselt nach Washington
30. April 2007
Mein “Lieblings”-Hauptstadtchef Gabor Steingart vom SPIEGEL wechselt nach Washington D.C., wo er zuerst eine Teilzeitstelle übernimmt. Ab 2009 löst er dann Georg Mascolo (ein brillianter Journalist) ab; wohin Mascolo in anderthalb Jahren geht, ist offen. Das berichtet die Netzeitung. Was mit der freigewordenen Stelle im Berliner Hauptstadtbüro des SPIEGEL wird, ist unklar. Möglicherweise wird der Platz als Büroleiter intern besetzt.
Nur noch zwei Mal schlafen …
29. April 2007
Am Dienstag (1. Mai) findet (quasi) vor meiner Haustüre das Radrennen “Rund um den Henninger-Turm” statt. Bereits seit gestern stehen bei allen Straßen, die auf die Strecke führen, Absperrungen, die kurz vor dem Rennen nur noch auf die richtige Stelle verschoben werden müssen. Laut Marschtabelle (PDF) sind die Radprofis insgesamt sieben Minuten in Eschborn, von 15:17 bis 15:24 Uhr. Beim Rathaus findet die letzte Sprintwertung des Tages statt.
Alle Fahrer und Mannschaften sind hier aufgelistet. 53 deutsche Fahrer sind dabei, unter anderem Patrik Sinkewitz und Fabian Wegmann.
Der Hessische Rundfunk (hr-fernsehen) überträgt das Rennen komplett live, ab 10:30 Uhr, die ARD klinkt sich gegen 13:15 Uhr ein.
Geld, statt Superstar
29. April 2007
Das Format hatte über zehn Millionen Zuschauer. Kämpfte gegen Quotengirant “Wetten, dass..?”. Am Ende bleibt ein Durchgeknallter und ein Blauäugiger übrig. “Deutschland sucht den Superstar” macht viel Geld, aber keinen Superstar, meint Frederic Schneider.
“Ich hab’ die Haare schön”, trällerte eine kräftige Frau einst in ein Mikrofon des Kölner Senders RTL. Es ist nur wenige Monate her, als diese Szene, gedreht auf Mallorca, im freien Fernsehen gezeigt wurde. Seit dem sind aus tausenden Kandidaten zwei Favoriten geworden. In der Kouriösität hat sich jedoch nichts verändert: DSDS ist und bleibt ein medial hervorragend inszeniertes Konzept. Monoton und frech wie eh und je.
Dass es bei Deutschlands Suche nach seinem Superstar weniger um Talent, als vielmehr um Vermarktbarkeit geht, bewies in gewohnter Manier der gestrige Abend. Lisa Bund, die in einem kleinem Geschäft in Hattersheim (bei Frankfurt am Main) arbeitet, und sich dort in das Goldene Buch der Stadt eintragen durfte - was bei den älteren MitbürgerInnen zu viel Unmut führte -, unterlag, trotz besserer Stimme, einem 16-jährigen Bub. Klar, der Junge sieht doch irgendwie smart aus, blaue Augen hat er; stets brav und der ideale Freund für pubertierende Mädchen, im DSDS-Jagon auch “Zahnspangenfraktion” genannt. Übrigens heißen “Tokio Hotel”-Fans genauso.
Dabei war Martin Stosch, wohnhaft in Bayern, letzte Woche noch rausgeflogen. Bis Max Buskohl erkannte, dass DSDS nichts für ihn ist. Lieber wolle er mit seiner Band “Empty Trash” auf Tour gehen, statt ein von Dieter “Poptitan” Bohlen komponiertes Lied auf Platz 1 der deutschen Charts zu singen. Also ging er - freiwillig. Nachgerückt ist Stosch, der zusammen mit dem verrückten Mark Medlock aus Offenbach um den Sieg kämpft - um einen Plattenvertrag und einen Nummer 1-Hit. Lisa Bund kehrt zurück an ihre Arbeitsstelle, außer jemand hat mit dem jungen Mädchen Erbahmen und lässt sie einen Song aufnehmen.

Die Finalisten Martin Stosch und Mark Medlock mit der unterlegenen Lisa Bund. / Bild: RTL & Gregorowius
Freilich muss sie sich dafür in Geduld üben: Acht Wochen nach dem Finale (kommenden Samstagabend) darf sie ohne RTLs Erlaubnis nirgends auftreten, so steht es im Vertrag (oftmals “Knebelvertrag” genannt). Mit diesem Problem hatte diese Woche erst Stefan Raab zu tun, der Max Buskohl gerne in seiner Sendung “TV total” (ProSieben) auftreten lassen wollte; bis Buskohls Band auf Platz 1 der Charts sei. RTL sagte nein, und Raab wehrte sich mit “Freiheit für Max Buskohl”-Rufen im Studio, zusammen mit seinem Publikum, das bewaffnet mit Schildern (”RTL ist kriminell”, “1, 2, 3, gibt den Buskohl frei”) den Auftstand probte. Kündigte er Mittwoch und Donnerstag in seiner Sendung noch eine Demonstration im DSDS-Studio (”Wir haben rund 120 Karten”) an, blieb es in der Realität gestern bei - nichts. Kein Wort von den Superstars-Moderatoren über die Forderung des TV-Entertainers, kein Raab-Anhänger, der Buskohls Freiheit forderte.
Nun steht der schrille Bohlen-Liebling Medlock im Finale, zusammen mit dem 16-jährigen Mädchenschwarm Martin Stosch. Wer am Ende siegt, ist eigentlich auch egal. Es gibt traditionell nur einen wahren Sieger und der kommt vom Rhein: RTL.
Abschied vom DSDS-Schauen
29. April 2007
“Deutschland sucht den Superstar” (DSDS) ist für mich gestorben. Zumindest für diese Staffel. Dabei schien es Mitte der Woche noch spannend zu werden: Zwischen Stefan Raab (”TV total”) und der RTL-Presseabteilung gab es einige Wortgefechte, hervorragend medial insziniert (ich berichtete). Nach dem freiwilligen Aus von Max Buskohl, wollte Raab den Sänger mit seiner Band “Empty Trash” zu sich einladen; RTL sagte nein, Raab griff - wie oft - zu satirischen Mitteln und kreierte ein Bild mit der Aufschrift: “Seit 196 Tagen Gefangener von R.T.L.” Geschafft hat es Stefan Raab immerhin auf den Titel der BILD-Zeitung. Das hatte sowohl etwas für ProSieben, als auch für RTL: Die zuletzt immer schwacher gewordenen Einschaltquoten (”TV total”) verbesserten sich von einem Tag zum anderen, und es gab wieder einen Grund, DSDS zu schauen.
Spannend wurde die angekündigte Demonstration von Raab (”Wir haben 120 Karten für die Sendung”) für die Freiheit Buskohls gestern Abend (ab 20:15 Uhr) erwartet. Aber sie kam nicht. Schade, eigentlich. DSDS wird immer monotoner, etwas Abwechslung hätte gut getan. Seit gestern gibt es keinen Grund mehr, weiter zuzuschauen. Denn: Verarschen, so sagt ein bürgerlicher Spruch, kann ich mich selber.
Martin Stosch, der 16-jährige Mädchenschwarm mit blauen Augen, kehrte auf die Bühne zurück, obwohl die Zuschauer ihn letzten Samstag noch rausgewählt hatten. Er trat als Ersatz für Buskohl auf. Vor einer Woche unterlag er sowohl Buskohl, Frau Bund, sowie Herrn Medlock. Nunmehr kämpft der Blauäugige gegen Bohlens Liebling um den Sieg - um einen Plattenvertrag und mindestens einem Nummer 1-Hit.
Ich hatte mich so auf ein rein hessisches Finale gefreut, zwischen Lisa Bund (Hattersheim) und Mark Medlock (Offenbach). Jetzt kämpft der “Schwule” (Spiegel Online) gegen den Schwarm. Ohne mich.
Was ein Tag!
28. April 2007
Mein Zimmer ist komplett aufgeräumt (plötzlich ist hier gaaanz viel Platz), das Wetter ist prima und ich habe eine CD wiedergefunden, auf der einige Lieder sind, die mich anno 2004 oftmals bewegt haben. Was ein Tag!
RTL: Keine Hilfe für TV total
26. April 2007
Eigentlich doch eine nette Idee: Max Buskohl bei “TV total” solange auftreten lassen, bis er mit seiner Gruppe “Empty Trash” auf dem ersten Platz der Hitparade ist. Leider, leider macht RTL dem einen Strich durch die Rechnung. Laut den DSDS-Reglements darf ein Teilnehmer des Castings bis acht Wochen nach dem Finale (im Mai) ohne der Erlaubnis von RTL keine anderen Verpflichtungen wahrnehmen.
Dabei appellierte Stefan Raab doch gestern Abend so schön an RTL, er sagte vor laufender Kamera: “Ein junger Mann, 18-jährig, fast noch ein Kind, der nur das tun will, was sein Herz ihm sagt, für den Musik die Luft zum Atmen ist - und ihr wollt ihm einfach den Sauerstoffhahn abdrehen?”
Keine Chance, sagte RTL-Pressesprecherin Anke Eickmeyer auf meine Anfrage. “Warum sollten wir den schwachen Quoten von TV total auf die Sprünge helfen?”, fragt sie. “Wir verstehen ja das Interesse von ProSieben, von der Öffentlichkeit, die wir mit DSDS haben, profitieren zu wollen. Allerdings sind wir bei der Suche nach Hilfsmaßnahmen für TV total die falsche Adresse.” Und einen Seitenhieb gibt es obendrein: “Vielleicht ärgert Stefan Raab ja auch, dass er erst kürzlich mit Schlag den Raab gegen DSDS so deutlich verloren hat.”
Ja, da scheint es so, als spielt gerade RTL gegen ProSieben, DSDS-Presseabteilung versus Stefan Raab. Wer am Ende der Sieger ist, steht offen. Übrigens bot Raab dem Max ja an, die Kosten zu übernehmen, falls Buskohl dem Vertrag mit RTL zuwiderhandelt und eine Vertragsstrafe aufgebruhmt bekommt. Auch das stößt bei Frau Eickmeyer auf Unmut: “Wir finden es bedenklich, dass unser Wettbewerber ProSieben Teilnehmer an RTL-Sendungen wie Max öffentlich zum Vertragsbruch aufruft.”
Zu guter letzt: Raab kündigte an, am Samstag (20:15 Uhr, live RTL) während der Sendung für die “Freiheit” von Max zu demonstrieren. Er habe über 100 Karten für das Studio, kündigte er gestern auf ProSieben an. Ob das hohle Pharsen sind, oder ein lustiger Plan ist, erfahren wir spätestens am Samstagabend.
Weblogzählung
26. April 2007
… bei Alexander, da mache ich doch gleich mal mit!
Unnötig, ix! Unnötig? ix!
26. April 2007
“Alpha-Blogger” Stefan Niggemeier (vgl. heutiges Interview auf Spiegel Online) macht für eine Woche Urlaub - und überlässt das Feld zwei relativ bekannten Bloggern. Finde ich den Sascha von riesenmaschine.de noch amüsant, missfällt mir der Eintrag von ix (wirres.net): Belanglos, mit einer “ironischen” Aussage. Er mag Kommentare - und deaktiviert im Beitrag dieselben. Was hat das bitteschön mit Bloggen zu tun? Soll das witzig sein?

“Ich finde Kommentare wichtig und gut. Wirklich.” - Screenshot von stefan-niggemeier.de
Bitte, da hätte “ix” gleich sagen können: “Stefan, ich bedanke mich für dein Angebot, aber - nein, ich wüsste nicht, was ich schreiben soll; es käme nur Scheiße heraus.” Jetzt haben wir den Salat.
Singt Max Buskohl bei Raab? Ja, nein?
25. April 2007
Ich mag sueddeutsche.de ja eigentlich und schaue immer wieder vorbei, aber - nein, so läuft das nicht … In einem Bericht über Max Buskohl, der freiwillig bei DSDS ausschied, kommt es zu einem fatalten Widerspruch. In der Überschrift heißt es, Max dürfe nicht bei Stefan Raab auftreten, im Bild, direkt links daneben, heißt es: “‘Superstar’ Max singt jetzt bei Stefan Raab.” Ja, was denn nun?

Darf er, oder darf er nicht? Was denn nun? - Screenshot von sueddeutsche.de
Laut einer dpa-Meldung, auf die sich die Online-SZ bezieht, hat Sender RTL Buskohl einen Auftritt in TV total zumindest verboten. Laut Vertrag dürfe Max bis acht Wochen nach dem Finale von DSDS nicht wo anders ohne RTLs Erlaubnis auftreten.