ProSieben zeigt heute Abend den Spielfilm “Die Passion Christi” mit Mel Gibson. Der Spielfilm kam 2004 in die Kinos und gilt seit jeher als umstritten. Ein Vorwurf ist, dass der Film Antisemitismus, also Judenfeindlichkeit zeigt. Außerdem sei er zu brutal. Heute Abend um 22:20 Uhr feiert “Die Passion Christi” seine Free TV-Premiere; in Österreich strahlt der ORF den Film aus.

Grund für die heutige Ausstrahlung ist der Karfreitag, der heute von den Christen in aller Welt gefeiert wird. Unter den Protestanten, denen ich angehöre, ist der Karfreitag der höchste religiöse Feiertag.

Ein Kommentar zu “TV-Tipp: Die Passion Christi”

  1. Michael sagt:

    Ich habe den Film bewusst nicht im Kino angesehen. Die vorab zu lesenden Kommentare und Reportagen hatten mir gereicht.
    Ich bin, um es vorweg zu sagen, sowieso der Meinung, dass vieles was vor ca. 2000 Jahren geschah, nicht mehr genau nachvollziehbar ist. Der größte Teil der Evangelien hat den Charakter von Erzählungen über Möglichkeiten und Wunschvorstellungen. Keiner kann wirklich genau sagen wie der Mensch Jesus lebte und was er, wenn es ihn wirklich gab, erleiden musste.
    Dieses von Mel Gibson inszenierte Ereignis kann nicht irgendeiner Wahrheit entsprechen, es gibt keinen Menschen der behaupten kann, dass er die Wahrheit über die Zeit von vor ca. 2000 Jahren kennt.
    Gibson versucht mit seinen bis ins Detail dargestellten Gewaltexzessen etwas zu verkaufen. Wir sollen an etwas glauben, das erst wirklich zum Erfolg wurde, weil ein Mensch auf bestialischste Art und Weise gefoltert, erniedrigt und schließlich ermordet wurde. Warum muss eine so großartige Idee (die Bergpredigt, soweit sie aufgeschrieben wurde, von wem auch immer erdacht) von Liebe und Menschlichkeit im dunkelsten Enden, was die Menschheit je hervorgebracht hat: Misshandlung/Folter, Erniedrigung und Mord!
    Ich habe den Film jetzt vor Ostern im Fernsehen gesehen und musste zwischendurch immer wieder abschalten oder kurz raus gehen. Ich finde es unerträglich, auch wenn man damals tatsächlich viele Menschen auf ähnliche Weise gefoltert und ermordet hatte, dies in einer solchen Gewaltverliebtheit darzustellen (einen Menschen über solch lange Zeit unentwegt zu peinigen und zu erniedrigen).
    Mal abgesehen davon, dass ich es nicht glauben kann, dass ein Mensch die Gibson’sche Folterdarstellung bei Bewusstsein, bis zum Ende ausgehalten hätte. Ich bin kein Mediziner, aber nach Stundenlanger Peinigung, tiefen Verwundungen am ganzen Körper (ein Großteil der Haut muss nach dieser Darstellung vollständig zerstört worden sein), Gefäßverletzungen (die Metallhaken müssen sehr viele Blutgefäße tiefgreifend verletzt haben) Entzug von Nahrung und Wasser und ständigen Schlägen (der Körper dieses Menschen war schließlich vollständig mit Wunden, Prellungen und Quetschungen übersäht) wäre kein Mensch mehr in der Lage barfuss über einen steinigen, steilen Weg, ein mindestens 50 bis 100 Kilogramm schweres Holzkreuz zu schleppen. Dieser Mensch wäre nach meiner Einschätzung schon längst zusammengebrochen und hätte einen Kreislaufzusammenbruch erlitten.
    Die nach all den unvorstellbaren, sadistischen Grausamkeiten schon fast als Erlösung herbei gesehnte eigentliche Kreuzigung stellt schließlich den finalen Höhepunkt des übermäßig pervertierten Sadismus dar. Der so vollständig geschundene muss sich selbst noch mit letzter Kraft auf „sein“ Kreuz schleppen und wird dabei wie im ganzen vorhergehenden Film weiter geschlagen und getreten bis zum Schluss. Die Genussvolle Darstellung der Kreuzigung habe ich mir nicht komplett anschauen können, Gibson baut, so als reiche es immer noch nicht, ständig neue Qualen und Misshandlungen ein: Die Hand des armen Jesus reicht nicht bis über das vorgesehene Loch zum Einschlagen des Nagels, also kommt einer der geübten Schlächter auf die Idee einfach den Arm brutal länger zu ziehen (wahrscheinlich wurden dem Gekreuzigten nebenbei dann noch die beiden Schultergelenke ausgerenkt). Es kommt einem der Verdacht, hier geht es nur noch um Gewaltdarstellung um ihrer Selbst willen.
    Aber davon abgesehen scheint Gibson einen Hang zu solchen Gewaltexzessen zu haben.
    Ich finde den Film nicht hilfreich in Punkto Auseinandersetzung mit dem christlichen Glauben. Angesichts der Gewaltdarstellungen finde ich ihn zudem sehr zweifelhaft, zum Teil unerträglich!
    Sicher ist der religiöse Glaube jedem selbst überlassen, doch sollte man aufhören, Ereignisse aus dem Altertum im Nahen Osten als “Wahrheiten” zu verkaufen die erst viel später aufgeschrieben wurden. Ernst zu nehmende Wissenschaftler haben schon längst die richtigen Fragen gestellt und nachgewiesen, dass wenig wirklich belegbar ist und das meiste in den Bereich der Mythen und Legenden gehört. Doch die Sehnsucht der Mensche nach einem “Übermenschen” also Gott, ist unstillbar. Dass Gott seinen einzigen, irdischen Sohn auf solch grausame Art und Weise opfert, wird bei den meisten Christen als Selbstverständlichkeit hingenommen. Das sich nach Christus (wie gesagt, nehmen wir mal an es gab ihn so wie er beschrieben wird) wirklich etwas Tiefgreifendes geändert hätte, kann wohl auch niemand wirklich behaupten. Die Menschen sind weiterhin brutal und grausam zueinander, sie führten weiterhin Kriege, folterten und mordeten weiter in unvorstellbarem Ausmaß. Sogar die heilige katholische Kirche selbst, als Nachfolgeorganisation von Jesus Lehren, hat in Punkto Grausamkeit und Machtgier einige Highlights zu verbuchen (Inquisition, Hexenverbrennungen, Kreuzzüge, Eroberung der neuen Welt …). Die christlichen Gesellschaften des europ. Abendlandes haben im 20sten Jahrhundert in zwei Weiltkriegen bewiesen, dass sie die Bergpredigt immer noch nicht verstanden haben. Wozu auch, der Erlöser hat ja schon alles für uns “erledigt”. Trotz dieses in den Evangelien beschiebenen Opfertodes von Jesus, haben die Menschen seine Botschaft nicht verstanden. Abgesehen von Ritualen, wird selten nach den Prinzipien gehandelt, die Jesus nach den Beschreibungen der Evangelisten gepredigt hat.

    Michael

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