Islam rechtlich zum Christentum gleichgestellt?!
15. April 2007
Großes hat der neue “Koordinierungssrat der Muslime” vor. Vier Prozent der Bevölkerung war 2005 muslimischen Glaubens in der Bundesrepublik Deutschland. Jetzt werden schwere Geschütze aufgefahren: Es soll zur nächsten Islamkonferenz mit Bundesinnenminister Dr. Wolfgang Schäuble ein “verbindlicher Fahrplan festgelegt” werden, um “möglichst schnell eine rechtliche Gleichstellung des Islam” mit den anderen Religionen (namentlich: Christentum) erreicht werden kann. Ziel sei es, “endlich flächendeckend Islamunterricht in Schulen anzubieten”. Das berichtet der SPIEGEL in seiner neuesten Ausgabe.
Die Frage ist: Wer will das? Mal abgesehen von den vier Prozent? Ich nicht… Dies würde meiner Meinung nach nur noch weiter zu einer Isolation der islamisch geprägten Bevölkerung führen, wenn sie mit der christlichen Mentalität der Deutschen nicht einmal in der Schule zu tun haben, sondern sogar muslimische Werte vermittelt bekommen.
Richtig hat entsprechend eine Sprecherin von Schäuble auf den seltsamen Vorschlag reagiert: “Mit Vorrang” solle eher auf der Konferenz diskutiert werden, weshalb immer mehr muslimische Mädchen dem Biologie- und Schwimmunterricht fern bleiben. Eine gute Frage!
Da zielt die Idee des “Koordinierungsrats” wohl doch nicht dazu, ein “zentraler Ansprechpartner für die Bundesregierung” zu sein. Viel mehr scheint sich dort eine Art Lobbyismus aufzubauen.
4. Mai 2008 um 02:59
“der christlichen Mentalität der Deutschen”? was soll das sein?
ganz prinzipiell: wer auf die westlichen werte stolz ist, der muss auch auf den gleichheitsgrundsatz und die religionsfreiheit stolz sein. und solangs religionsunterricht an staatlichen schulen gibt, haben auch muslime ein recht darauf. bei den buddhisten kann man sich noch drauf berufen, dass das wirtschaftlich sinnlos und unfinanzierbar ist. bei den muslimen kann ma das ja wohl kaum noch behaupten.
hier in österreich ist der islam übrigens rechtlich seit 95 jahren mit dem christentum gleichgestellt und an unserer schule gabs auch muslimischen religionsunterricht. und jetzt kommts: das land und die schule stehen immer noch.
am sinnvollsten wäre aber ohnehin die abschaffung konfessioneller religionsstunden zugunsten eines ethikunterrichts.
wer das also will? ich als atheist will das. weil es diese freiheiten und rechte sind, die für mich die westliche/deutsche/österreichische mentalität ausmachen. zumindest die, mit der ich mich identifizieren kann.
PS: dein einwurf bezüglich der konfrontation mit der “christlichen mentalität” geht abgesehen von der absurden überschätzung des christentums schon allein deshalb ins leere, weil muslime wohl kaum am christlichen religionsunterricht teilnehmen. die sitzen dann halt eine stunde am schulhof rum.
5. Mai 2008 um 16:24
Ich bin der Auffassung, dass ein islamisch-staatlicher Unterricht an den Schulen ins Leere läuft. Viele Eltern möchten ihre Kinder viel eher - und dafür habe ich Verständnis - Suren etc. pp. an den Moscheen lehren lassen. Von staatlicher Aufsicht halten diese wenig. Außerdem wertet ein staatlicher Islamunterricht die aktuellen Debatten lediglich zugunsten unserer muslimischen BürgerInnen auf.
Religionsfreiheit ist ein wichtiges Gut unserer Gesellschaft. Es hindert auch niemand Muslime an der Ausübung ihres Glaubens - wo kämen wir denn da auch hin?! Es geht jedoch in dieser Diskussion um die staatliche Förderung des Islams durch den Staat (= durch Steuergelder/sonstige Vorteile). Dem stehe ich kritisch gegenüber.
Außerdem sind lediglich vier Prozent der dt. Bevölkerung islamisch (Quelle: remid.de, mit vgl. der Einwohnerzahl lt. destatis.de), also ein geringer Teil. Im Übrigen bringt es nichts, einen staatlichen Islamunterricht einzuführen, wenn es nicht einmal eine eindeutige Instanz gibt, die für alle Muslime spricht. Zwar gab es den - richtigen - Versuch, einen “Zentralrat der Muslime” aufzubauen. Der repräsentiert jedoch auch nur einen Teil der Strömung - darunter leider auch eine Vereinigung namens “Islamische Gemeinschaft in Deutschland” (IGD), die lt. den dt. Verfassungsschützern (vgl. im.nrw.de/sch/580.htm) mit der Muslimbruderschaft (vgl. Wikipedia) kooperiert. Außerdem hat der Zentralrat die vordergründigen Ziele, einen staatlichen Islamunterricht einzuführen und Sondererlaubnisse für das Schächten zu erwirken. Aber, wie sagt man so schön: Integration ist keine Einbahnstraße.
In einem Land, in dem mehr als die Hälfte Mitglieder in Religionsgemeinschaften sind, sowie einige zwar an Religionen glauben, aber sich nicht organisieren, halte ich den grundsätzlichen staatlichen Religionsunterricht für sinnvoll und kulturell etabliert.
Natürlich dürfen Atheisten nicht gezwungen werden, am Religionsunterricht teilzunehmen. Ethik erfreut sich ja einer nicht gerade geringen Beliebtheit.
5. Mai 2008 um 16:31
Wenn du auf Steuergelder dich beziehst, Fredi, dann musst du auch mal gucken, wieviele unserer Steuerzahle Muslime sind. Wenn du dann immer noch meinst, so ein Unterricht wäre Fehl am Platz, hm… ich weiß nicht, könnte der Vorredner mit der Überschätzung des Christentums durchaus Recht gehabt haben.
5. Mai 2008 um 17:03
Ich stelle 96 Prozent Nicht-Muslime gegen 4 Prozent Muslime, die Zahl ist denke ich für sich selber sprechend. Und selbst wenn der Wert 90 / 10 beträge, könnte man noch streiten.
5. Mai 2008 um 17:25
Also, bei der Destatis sind die Muslima gar nicht ausgewiesen. Und mit Katholiken und Evangelen kommst du auf 50 Millionen in 2005 - aktuelle Zahlen fehlen. 50 Millionen von 82 sind nicht 96 Prozent. Und auch nicht 90. Sondern streng genommen nur 61 Prozent. Du musst dann aber die Gruppe trotzdem teilen, weil ja die Konfessionen je auf ihren eigenen Religionsunterricht pochen. Also spricht du von einer Gruppe von 30,5%, wegen derer es katholischen oder evangelischen Religionsunterricht gibt. 100 weniger 61 sind 39%. Diese 39% hätten, verglichen mit dem Rest, zumindest Anspruch auf einen Ethikunterricht. Wie groß die Gruppe der Muslima ist, kann ich mit den Zahlen nicht ermitteln, aber die Argumente deinerseits sind insgesamt nicht mehr so zwingend, wenn man die Zahlen ins Verhältnis setzt. Ab wieviel Prozent währst du denn bereit zu sagen, dass Muslima ihren Unterricht haben dürften? Spätestens ja wohl bei 30%… aber nicht vielleicht auch schon darunter?
5. Mai 2008 um 17:31
Ich nehme die Daten von “REMID” zur Berechnung, demnach lebten 2006 3,3 Millionen Muslime in Deutschland. Da die Zahl von Einwanderern seit kurzem erstmals rückläufig ist, dürfte sich an dieser Zahl nicht sehr viel geändert haben. Dies entspricht zirka vier Prozent der dt. Bevölkerung. 100 minus vier Prozent sind 96 Prozent Nicht-Muslime. Laut “Destatis” hatten wir 2005/2006 rund 51 Millionen Katholiken und Protestanten in Deutschland, ausgewiesen sind jedoch lediglich die organisierten.
30 Prozent ist ein guter Wert, hehe, aber für mich ist das jeweils eine Abwägungssache… sicherlich im Dreh von 20 bis 25 Prozent. Dann entsprechen sie meiner Auffassung nicht mehr einer Minderheit, sondern einem bevölkerungsrelevanten Teil.
5. Mai 2008 um 17:31
Viel sinnvoller währe dann allerdings noch, danach zu gucken, wie man die schulpflichtigen Kinder ins Verhältnis zu setzen hat. Nach dem Wirtschaftswunder sind eine Menge Leute zu geizig geworden, um Kirchensteuer zu zahlen. Bzw. in den neuen Bundesländern hast du eher weniger religiöse Bekundungen, die du antriffst.
In 2005 hatte man da nur knapp 17 Millionen, bis 25-Jährige. Willst du mir ernsthaft erzählen, dass du an Schulen mit einem hohen Anteil von Migrantenkindern, von denen durchaus etliche Muslima sind denen dann ihren Religionsunterricht verwehren willst, weil du im Altenheim und auf der Intensivstation deine ganzen Christen liegen hast? Natürlich gibt’s genug junge Christen, nur wenn du den Blick dann so auf das Problem richtest, musst du zugeben, dass da kaum noch Druck hinter deinem Argument steht.
5. Mai 2008 um 17:33
Sorry für die vielen Rechtschreibfehler, ich weiß auch nicht, was heute mit mir los ist. ;)
5. Mai 2008 um 17:38
Laut dem “Hessischen Statistischem Landesamt” waren 2006 86,6 Prozent der Schülerinnen und Schülern Deutsche, 13,4 dagegen ausländische Mitbürgerinnen und Mitbürgern. Die Zahl ist zudem davon geprägt, dass im Rhein-Main-Gebiet überproportional (im bundesdeutschen Vergleich) viele Ausländer leben. Also beziffern wir die Anzahl von SchülerInnen in Deutschland mit dem so genannten “Migrationshintergrund” mal bei +/- 15 Prozent - die Zahl ist nicht ganz seriös, aber dafür großzügig berechnet.