Endlich. Es war überfällig. Die Gesellschaft ist beim Handball angekommen und feiert den Sieg der deutschen Nationalmannschaft. Lauter Hupkonzerte, wenn auch noch deutlich unter dem Niveau nach Spielen bei der Fußball-WM. Und feiernde Fans vor dem Alten Rathaus in Köln. Werdet Handballer!, fordert uns Achim Achilles auf. “Es ist eine Mafia”, beklagt sich der französische Trainer Claude Onesta über uns. Derjenige Trainer, der schon sagte, Deutschland würde bevorzugt werden; derjenige, der nach der Niederlage Frankreichs gegen die Deutschen nicht zur Pressekonferenz kam. “Es gibt einen Weltmeister, viele Verlierer, auch schlechte”, kommentiert Spiegel Online, und meint den Onesta.

Bis zu 20 Millionen Menschen sahen das gestrige Finale gegen Polen. Einschaltquoten, wie man sie sich bei der ARD vor der Handball-WM nicht hätte erträumen lassen. Und die Handballer konnten auch nie davon träumen. Die Meisterschaft im eigenen Land schrieb TV-Rekorde.

Die Weltmeisterschaft endet so, wie ich es mir zu Beginn gewünscht habe: Mit einem Wintermärchen.

Gewiss: Dieser Blog kannte in den letzten Tagen viel Handball. Vielleicht auch zu viel. Die Zugriffsstatistiken hingegen sprechen eine andere Sprache: 224 waren es gestern, 156 vorgestern, heute schon 131 - im Januar lag der Durchschnitt bei 47.

Die Handball-WM war ein voller Erfolg. Für die Deutschen, aber auch für mich.

Nach der WM ist vor der WM, nach dem Sommermärchen folgt das Wintermärchen: Vom 19. Januar bis zum 4. Februar richtet Deutschland die Handball-Weltmeisterschaft aus. Austragungsorte sind u.a. Berlin, Köln und Wetzlar.

Vom letzten Jahr sind wir bereits das Feiern gewohnt - noch nie sind mir täglich so viele Menschen in Deutschland mit freundlichen Gesichtern entgegen gelaufen, wie während des Sommers 2006. Haben wir Deutschen das Zeug, auch für den Handball derartige Euphorie zu entfachen? Ich bin dazu bereit und hänge in den nächsten Tagen wieder meine Deutschland-Fahne heraus. Leider wird es keine Fanmeile geben.

Im Gegensatz zu den Fußballern ist die deutsche Handball-Nationalmannschaft allerdings recht schwach; einstige Stars wie Stefan Kretzschmar haben die Mannschaft verlassen. Dafür haben wir Jungs wie den EHF-Cup-Sieger 2006, Florian Kehrmann. Bei der letzten Handball-WM wurden wir neunter. Italien ist übrigens nicht dabei (jaa!).

Alle erinnern sich noch an die Fanmeilen, welche während der WM in diesem Sommer genauso dazu gehörten, wie der eigentliche Fußball. Die Gesellschaft für deutsche Sprache e. V. wählte den Begriff “Fanmeile” nun zum Wort des Jahres 2006.

Platz zwei belegt der Begriff “Generation Praktikum“. Der Begriff wurde zuerst von der Wochenzeitung “Die Zeit” geprägt. Den dritten Platz sicherte sich der umstrittene “Karikaturenstreit“. Weitere Begriffe, die es weit nach vorne geschafft haben, gibt es auf Spiegel Online. Darunter zwei weitere Begriffe, die mit der WM, vor allem aber mit den Deutschen zusammenhängen.

Zypern ohne Chance?

12. November 2006

Am Mittwoch tritt Deutschland in Nikosia gegen Zypern an. Seit der WM ist die Mannschaft von Joachim Löw unbesiegt. Da bleibt nur zu sagen: Klar, wir schiessen die Zyprioten an die Wand!

Italien sackt ab

2. September 2006

Unser Weltmeister Italien spielte heute gegen Litauen (!) nur 1:1-Unentschieden. Das erste Spiel nach dem (glücklichen) Sieg in Berlin verloren sie … Öhm, war es wirklich Italien, die die derzeit weltbeste Mannschaft sein soll?

Da soll mal jemand sagen, die Euphorie sei weg: Die Sportfreunde Stiller dominieren weiterhin die Charts. Bei Freenet sind die Sportfreunde weiterhin auf Platz 1 - vor Grönemeier (”Zeit, dass sich was dreht”). In den offiziellen Charts, ermittelt von media control, ist “‘54, ‘74, ‘90, 2006″ immerhin auf Platz 2. Nur geschlagen von Xaiver Naidoo. Zwar gibt es die 2010er Version nicht mehr kostenlos im Internet, aber sie wird wohl gerne gekauft.

Nach der WM musste ich mir von manchen Menschen anhören, die Euphorie sei nicht mehr existent. Ich habe einen anderen Eindruck - besonders bei solchen Meldungen. Am Frankfurter Flughafen wurde ich gestern Nacht auch noch im WM 2006-Deutschland begrüßt; KIA wirbt weiterhin als offizieller Sponsor. Ob die Euphorie bis zur EM 2008 anhält? Bald spielen wir unser erstes EM-Qualifikationsspiel. Na, gegen wen? Gegen die Schweden, die wir im Achtelfinale vor wenigen Wochen mit 2:0 besiegten.

Spiegel Online möchte wissen: “Sollte die Fifa, falls Materazzis Beleidigung bewiesen werden kann, Italien den Weltmeister-Titel aberkennen?” Die Antwort lautet: Ja!

Nach der WM, ist vor der WM. Die WM 2006 ist zu Ende und kann als durchaus erfolgreich bezeichnet werden. “Die Welt zu Gast bei Freunden” - der Spruch hat sich bewahrheitet. Deutschland feiert mit der Welt und sich als WM-Dritter.

Einen Tag nach dem Finale fangen schon die Diskussionen um die WM 2010 in Südafrika statt. Eine aktuelle Meldung von der Sportnachrichtenagentur sid hat es jedoch in sich: “FIFA diskutiert WM-Entzug für Südafrika“. Grund für diese Meldung sind die Befürchtungen, dass die Organisatoren in Südafrika nicht rechtzeitig fertig werden. Die Infrastruktur ist mies, die Stadien sind alt. Und ansonsten haben unlängst deutsche Organisatoren begonnen, unseren Freunden aus dem fernen Afrika zu helfen. Das deutsche WM-Organisationskomitee hilft der Präsidialrepublik, schrieb das Nachrichtenmagazin DER SPIEGEL in seiner Ausgabe 27/2006. Sodass die WM 2010 - rein organisatorisch gesehen - eine weitere WM mit großem deutschen Anteil sein wird. Deutsche Ingenieurbüros konzipieren derzeit drei neue WM-Stadien für 2010.

Alles umsonst? Noch heißt es von offizieller Seite, alles sei in Butter. Wohl nur reine PR. Ein Entzug wird vor Mai 2007 allerdings nicht erwartet: Blatter braucht für seine Wiederwahl als FIFA-Präsident die Stimmen der Afrikaner. Erst danach könnte der Coup sich bewahrheiten.

Hier könnte abermals die Stunde der Deutschen schlagen. Nach einem überschwinglichen Lob für uns aus aller Welt, wäre es möglich, dass wir als Südafrika-Ersatz auch die WM 2010 ausrichten. Alternativ stehen England und die USA zur Debatte.

Schade wäre es um Südafrika. Ich würde mich mit einer weiteren Weltmeisterschaft im Land jedoch gut anfreunden, FIFA.

Gerade spielen sie im Stadion das Lied “Carneval de Paris”… Sehr passend, wenn die Italiener Weltmeister geworden und die Franzosen unterlegen sind. Oder, wie sagte einst ein Deutscher: “Mailand oder Madrid, Hauptsache Italien.”

Deutschland-Bezwinger Italien ist Weltmeister 2006. Es war unverdient, sieht man das heutige Spiel. Frankreich war über weite Strecken besser. Aber die Rote Karte für Zidane war das Aus für unsere Nachbarn. Kein “Allez les bleus”. Heute Nacht heißt es “Forza Italia”.

Rom jubelt, Paris weint. Und Berlin feiert zwei Sieger: Die Deutschen, als Weltmeister der Herzen und Italien, als den sportlichen Weltmeister. Gratulation. Italien: 2010 holen wir uns den Pokal wieder. Passt solange darauf auf!