Auf und ab: TVBlogger - das Ende, oder ein Neuanfang?
5. August 2007
Eigentlich war TVBlogger nur eine Idee. Ein interessantes Medium, und eine neue Möglichkeit, im Netz zu publizieren - aus viel mehr bestand der Antrieb Daniel Richters nicht, als er mit seiner Seite anno 2004 online ging. Aus einer witzigen Idee, wurde eines der meistbesuchten Online-Magazine zum Thema Medien. Doch ob des quantiativen Erfolges: Qualitativ hält “TVB” harten Kontrollen selten Bestand.
Nun, vielleicht muss TVBlogger kein redaktionelles Wunder darstellen, eventuell ist das für den Charme der Seite gar besser. Ein Weblog ist weiterhin etwas persönliches, in den allermeisten Fällen subjektiv. Eine objektive Berichterstattung läuft dem zuwider; ein SPIEGEL als Weblog - unvorstellbar!
Der Erfolg für die Seite kam eher plötzlich: Gute Platzierungen bei Google sorgten dafür, dass TVBlogger schnell als eine der ersten Anlaufstelle bei einigen Themen besucht wurde. Zum ersten Mal sichtbar war dies bei der ProSieben-Eigenproduktion “Mein Vater, seine Neue und ich”: Einige Hundert Kommentare pupertierender Jugendlicher erfreuten sich an der jungen Schauspielerin Sydney Gersina - und brachten dem Weblog hohe Besucherzahlen; die Kommentarfunktion, alsbald geschlossen.
Netzeitung, n-tv.de: “Alle nannten die Seite”
Doch der Durchbruch kam für die Seite bei “Deutschland sucht den Superstar”. Analysen, Kommentare, Quotenmeldungen und Live-Ticker zur RTL-Sendung brachte TVBlogger nicht nur die Kritik ein, sie sei von RTL bezahlt. Gleichzeitig sorgte die Casting-Sendung für Abstürze des Servers und hohe Besucherzahlen. Der Hype zahlte sich am Ende aus: TVBlogger brachte eine skurille Geschichte, die renommierten Nachrichtenagenturen ddp und dpa nahmen die Geschichte auf - netzeitung.de, n-tv.de, das Weblog von TV Spielfilm, alle nannten die Seite.
Bei einer anderen Geschichte machte die “Bild”-Zeitung mit der Geschichte auf, das Ausscheiden von Didi Knoblauch sei bereits im RTL-Videotext aufgetaucht, bevor die Ergebnisse bekannt wurden. TVBlogger berichtete als erste Seite überhaupt. Doch leider, Ernüchterung: Keine Nennung der Quelle in der “Bild”; Enttäuschung auch wegen den geschätzten Kollegen: DWDL.de nannte ebenfalls sich selbst als Quelle statt den jungen Medien-Publizisten den Erfolg zu gönnen.
Der Triumph durch DSDS, ausgebaut später bei “Germanys Next Topmodel” & Co., wurde zur erst im Frühjahr zu Ende gegangenen Staffel IV jedoch brav verschwiegen. Kommentare wurden gesperrt, die Berichterstattung gedrosselt. Ein neuer Führungsstil: Statt Bänker Richter übernahm federführend Verkäufer Michael Pliet.
Ein-Mann-Chefredaktion: “Informativ, doch öfters fehlerbelastet”
Pliet, ein junger, engagierter Hesse, ist der Chefredakteur neben Daniel Richter und in diesem Jahr der mit Abstand aktivste Redakteur. Seine Artikel: Informativ, doch öfters fehlerbelastet - mit bezeichnend für das neue TVBlogger. Einige Leser kehrten der Seite den Rücken, Kritik wurde immer lauter. Doch statt sich selbst zu hinterfragen, versucht die vermeindliche Ein-Mann-Chefredaktion zu erklären, wie man mit Kritik umgeht - ein typisches Instrument bekannt aus Foren, wo eine Gemeinschaft kurz davor ist, sich selbst aufzulösen.
Doch trotz der vielen Kritik, bleibt bei TVBlogger der Charme eines Blogs, einer übersichtlichen Seite, abseits als Alternative zu DWDL, zu Quotenmeter und wie sie alle heißen. Gerne wird von diesen Seiten geleugnet, TVBlogger sei gar kein Medienmagazin. Dabei gelingt den TVBloggern, trotz vieler Macken, zu unterhalten.
Es wäre schade, wenn das Projekt untergehen würde. Redaktionelle Änderungen und eine Besinnung auf die Kernkompetenzen wären etwas, das man in Erwägung ziehen sollte. Vor allem, um an alte Erfolge anzuknüpfen - und nicht nur damit zu werben, quantitativ weiterhin interessant zu sein, hohen vierstelligen Besucherzahlen sei Dank.
Hinweis: Ich war selber lange Zeit bei TVBlogger und vor allem bei der Berichterstattung über DSDS intensiv einbezogen. Dieser Beitrag soll nicht als Abbrechnung, sondern vielmehr als Weckruf für die Verantwortlichen verstanden werden.
einestages: Spiegel Online startet neues Projekt
21. Juli 2007
Nun kann auch “Spiegel Online” nicht mehr auf ein eigenes Bürgerjoruanlismus-Projekt verzichten, nachdem Netzeitung (”Readers Edition”) und zuletzt stern.de mehr oder weniger erfolgreich gewesen sind. “einestages” soll jedoch im Gegensatz zu den Genannten von einer vollwertigen, derzeit dreiköpfigen Redaktion betreut werden.
Thema ist laut den Planungen ein Zeitgeschichten-Projekt: In Kooperation mit diversen Institutionen und den Lesern erzählt der Online-SPIEGEL Geschichten, aufbereitet durch journalistische Texte, Bilder und Videos.
Geplanter Start ist September. “einestages” ist der vorläufige Projektname. Mit dabei ist auch Solveig Grothe, ehemalige Projektleiterin der “Readers Edition”, die zuvor Politik-Redakteurin der Netzeitung gewesen ist.
Achtung, ein Insekt ist neuer NZ-Inhaber!
8. Juni 2007
Wieder einmal gab es bei der Netzeitung einen Besitzerwechsel. Die Gerüchte haben sich bestätigt: Das Unternehmen von David Montgomery, die Medien-Heuschrecke, ist neuer Besitzer der Online-Zeitung, zu der auch Golem.de gehört. An Geld dürfte es der NZ insofern zukünftig nicht mehr fehlen, davon hat Montgomery mehr als genug. Die Frage ist: Rückt er damit raus, oder macht er jetzt erst einmal auf Sparflamme? Die Netzeitung lebt derzeit nur mit wenig Kapital, da kann man trotzdem noch etwas rausholen, gel? Oder erleben wir etwa eine Überraschung? Den Radiosender “100,6 Motor FM” hat man erst einmal veräußert, er soll allerdings angeblich mit der NZ weiterhin kooperieren.
Eine Meldung, drei Online-Medien
18. Mai 2007
Der Chef der Weltbank, Paul Wolfowitz, tritt zurück. Das meldeten als Eilmeldungen AP um 00:15 Uhr, AFP etwa genauso, die dpa war ein Tick schneller - laut focus.de gab es bereits um 00:10 Uhr eine entsprechende Kurzmeldung.
Nur kurze Zeit später machte eine “Nachtschwester” (mit dem Kürzel “van”, wer das ist - niemand weiß es) bei Spiegel Online eine Eilmeldung daraus. Welt Online aktualisierte seine Meldung von heute Nachmittag. tagesschau.de (mit 24 Std., sieben Tage/Woche Redaktion) ist ebenfalls mit einer Eilmeldung dabei. So gehört sich das.
Nichts steht hingegen bei der Netzeitung (okay, das Budget für Schichtdienst fehlt), bei stern.de (wollten das dt. Leitmedium im Internet werden), n-tv.de, bei faz.net, sueddeutsche.de und bei zeit.de. Focus Online hat immerhin einen 24-Stunden-Ticker prominent auf der Startseite implementiert - dpa-Meldungen werden unredigiert veröffentlicht. Einen redaktionellen Text gibt es jedoch nicht.
Da müssen die deutschsprachigen Online-Medien wohl noch nach ziehen. Besser informiert ist man nämlich im Fernsehen: Sowohl der ARD-Teletext als auch N24 und n-tv im Nachrichten-Laufband berichten über den Rücktritt.
Im Übrigen berichtet im Moment auch die Tagesschau darüber. Live.
Nachtrag, 01:01 Uhr: Inzwischen gibt es bei Focus Online einen redaktionellen Artikel. Da scheint wohl doch jemand zu arbeiten. Nur larm ist er. Die Tagesschau bringt in dieser Minute eine Live-Schalte nach Washington.
Nachtrag, 01:19 Uhr: Beim ZDF (sowohl TV als auch online) fehlt immer noch eine Meldung. Bei Spiegel Online steht inzwischen ein langer Text mit Foto; neben “van” hat nun auch “plö” (Textchef) am Artikel mitgearbeitet. So soll das sein: Noch nachts bestens informiert. tagesschau.de macht das ebenfalls gut. Allerdings ist die Bildunterschrift unverändert aus früheren Artikel kopiert worden.
Nachtrag, 01:26 Uhr: Marc Pitzke kommentiert auf Spiegel Online den Rücktritt. Respekt. Liest sich allerdings wie vorbereitet.
Nachtrag, 01:29 Uhr: Focus Online bringt ein Porträt über Wolfowitz, formuliert von Reuters.
Druckindustrie legt die Arbeit nieder
12. Mai 2007
Unsere regionale Zeitung “Frankfurter Neue Presse” (FNP; bzw. lokal “Höchster Kreisblatt”) erschien heute nur in eingeschränkter Fassung: Der überregionale Bereich ist weitesgehend wie immer; der lokale Zeitungsteil wurde jedoch sehr stark gekürzt. Das heißt: Normalerweise gibt es für jeden Ort eine eigene Seite (manchmal auch nur eine halbe Seite, für Hofheim zum Beispiel auch zwei), heute teilten sich geschätzte 50 Orte fünf Seiten.
Der Grund: Mitarbeiter der Druckindustrie streiken, wie unter anderem die Netzeitung meldet. Inszinierende Vereinigung ist Verdi. Gefordert werden 6,5 Prozent mehr Lohn in den kommenden zwölf Monaten. Die Arbeitgebervertretung bietet deutlich weniger.
Betroffen vom Streik ist unter anderem das Druckhaus in Neu-Isenburg, wo auch ein Teil der Frankfurter Allgemeine Zeitung und die FNP gedruckt wird.
Adrian R. - Abiturient und Justizminister
5. Mai 2007
Schon gibt es den ersten toten Bürger in einer «Micronation» zu beklagen. Frederic Schneider über den Trend zur Staatenbildung im Internet.

Kleiner Fehler in der Überschrift: Korrekt wäre “Justizminister” gewesen. / Screenshot von netzeitung.de
Steingart wechselt nach Washington
30. April 2007
Mein “Lieblings”-Hauptstadtchef Gabor Steingart vom SPIEGEL wechselt nach Washington D.C., wo er zuerst eine Teilzeitstelle übernimmt. Ab 2009 löst er dann Georg Mascolo (ein brillianter Journalist) ab; wohin Mascolo in anderthalb Jahren geht, ist offen. Das berichtet die Netzeitung. Was mit der freigewordenen Stelle im Berliner Hauptstadtbüro des SPIEGEL wird, ist unklar. Möglicherweise wird der Platz als Büroleiter intern besetzt.
Jürgen Kuttners Videoblog für die Netzeitung
12. April 2007
Langsam aber sicher wird die Netzeitung (NZ) moderner und nutzt die Möglichkeiten des Web 2.0. Erst Anfang März ist mir aufgefallen, dass sie YouTube-Videos in die Seite integriert. Nun gibt es auch einen Videoblog über YouTube bei Deutschlands erster Zeitung, die ausschließlich im Internet erscheint. Autor und Sprecher ist Jürgen Kuttner, seines Zeichens Radiomoderator und Vater der schnuckeligen Sarah Kuttner, die viele sowohl von MTV als auch von VIVA kennen. In der ersten Folge ihres Vaters geht es um “Superstars”, DSDS wird auf die Schippe genommen, stolze 17 Minuten und eine Sekunde laaaang. Man muss etwas Humor haben, um diese “Kuttner-Show” (Klasse Name!!! Von der Tochter geklaut) zu mögen, insgesamt ist sie aber ganz durchschnittlich, die zweite Folge werde ich mir anschauen.
Interview mit Michael Angele
17. März 2007
Auf onlinejournalismus.de gibt es ein Interview mit einem der beiden neuen Netzeitung-Chefredakteure, Michael Angele. Der Ton des per E-Mail geführten Gesprächs hört sich auf Seiten des Herrn Angele etwas traurig an - Grund: der Online-Zeitung fehlt weiterhin das Kapital. Das könnte sich demnächst jedoch ändern: “Wir werden möglicherweise bald an einen größeren Verlag verkauft”, so Michael Angele.
SPD-Sprecher Arnold fordert: Raus aus der Bundeswehr!
16. März 2007
Oberstleutnant Jürgen Rose stellte in dieser Woche einen Antrag auf Befreierung von allen Aufgaben, die mit dem geplanten Bundeswehr-Einsatz in Afghanistan zu tun haben. Nachdem das Verteidigungsministerium den Antrag Roses als eilig markierte, gab es heute die Entscheidung: Der Soldat wird wie gewünscht versetzt. Damit verweigerte ein erster Angehöriger der Bundeswehr den Dienst mit den Tornados in Afghanistan. “Der Einsatz ist völkerrechtswidrig, weil mit den Tornados der Kreuzzug von US-Präsident George W. Bush gegen den Terrorismus unterstützt wird”, sagte der Leutnant zur Begründung seiner Weigerung.
Der verteidigungspolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Rainer Arnold, forderte in der Netzeitung nun, Rose müsse aus der deutschen Armee austreten. “Ein bisschen Soldat sein, das geht nicht”, meint er. Traurig, derartiges aus dem Mund eines Politikers zu hören, der im Bundestag unser Grundgesetz verteidigen soll, in dem unmissverständlich der Passus steht, Angehörige des deutschen Staates könnten den Dienst an der Waffe verweigern. Es muss auch die Möglichkeit geben, einen einzelnen Einsatz abzulehnen, wenn ein Soldat dies nicht mit seinem Gewissen vereinbaren kann, wie Rose.
Ich bin zwar nicht grundsätzlich gegen den Einsatz von Abfangjägern der Luftwaffe eingestellt, habe jedoch Verständnis für den Oberstleutnant. Wie auch die Grünen: “Tatsache ist, dass die Tornados zur Unterstützung der Stabilisierungs-Operation in Afghanistan dienen, aber aller Voraussicht nach vor allem auch der Unterstützung des Kampfes im Süden des Landes”, so der zuständige Politiker Winfried Nachtwei zur Netzeitung. Die Linkspartei klagte übrigens gegen den vom Bundestag beschlossenen Einsatz der Tornados im Süden Afghanistans, nachdem das Bundesverfassungsgericht die Klage zweier Bundestagsabgeordnete der CDU/CSU-Fraktion ablehnte.