Die vierte DSDS-Staffel ist vorrüber; trotzdem ist die Interesse daran weiterhin unbeschreiblich. Die User interessiert vor allem die Frage mit dem “Knebelvertrag”. Sowohl generell als auch auf Max Buskohl bezogen. Außerdem betont die BILD-Zeitung ja stets, dass Sieger Mark Medlock schwul sei. Dauerbrenner ist die Band Silvashado (wann kommt eine CD?), bei der DSDS-Kandidatin Francisca Urio singen soll. Achja: Wo kommt überhaupt Lisa Bund her?

Themawechsel. Sagen Sie mir bitte, wie oft Stefan Kretzschmar in der ARD gewesen ist. Interessant ist auch der Aspekt, was die Al-Qaida mit einer “sozialen Bewegung” zu tun haben soll. Apropos Al-Qaida: Es gab schon seit längerem kein Anschlag mehr auf die USA (Gott sei Dank). Aber Gabor Steingart wäre möglicherweise demnächst mitten drinnen: Wechselt er doch im Sommer seinen Arbeitsplatz nach Washington D.C.

Orientierung ist nicht jedermanns Sache, oder warum fragen sich einige, wie man zum HSV-Handball kommt? Was ist überhaupt mit Lukas Podolski los? Einst erzielte er gegen San Marino vier Tore. Und heute? Kein Super-Poldi mehr.

Top-Thema von heute: Wer wird neuer französischer Präsident. Die Franzosen entscheiden am heutigen Sonntag in der Stichwahl: Gewinnt Royal oder Sarkozy? Einige beschäftigen sich noch mit dem Fernsehduell am Mittwoch, zu dem es auch einen Stream gab.

Zu guter Letzt wollte jemand vom WDR wissen, wie Lanzarote im Juli ist. Na, hat da etwa jemand statt gearbeitet seinen Sommerurlaub geplant?

Was das hier alles soll? Mehr bei Timo Heuer.

Wie die (neue) Al-Qaida tickt

27. September 2006

Es ist sicherlich nicht verborgen geblieben, welches Thema mich derzeitig am häufigsten beschäftigt: Der Islam, vor allem aber die Al-Qaida und alles, was dadurch mit uns Westeuropäern zusammenhängt. Soeben habe ich auch das sehr informationsreiche Buch von Yassin Musharbash fertiggelesen, das “Die neue Al-Qaida” heißt; der Untertitel lautet: “Innenansichten eines lernenden Terrornetzwerks”.

Musharbarsh ist Redakteur im Berliner Büro von Spiegel Online. 1975 als Sohn einer deutschen Mutter und eines jordanischen Vaters geboren, studierte er Arabistik und Politikwissenschaften in Göttingen und in den Palästinensischen Gebieten. Sein Buch skizziert die Struktur der islamistischen Organisation respektive Bewegung Al-Qaida, die er als offen für alle Sympathisanten des Dschihads bezeichnet. Vor allem Dank des Internets haben sich, so Musharbash, für die radikalen Muslime neue Möglichkeiten eröffnet, untereinander zu korrespondieren. So gebe es bekannte Foren, auf denen täglich über tagesaktuelle Themen, über Gesinnungen gesprochen wird; aber auch Bekennerschreiben werden über das Internet veröffentlicht und haben so die Geheimdienste bewogen, mitzulesen. Gleichzeitig sei es heute in der dritten Qaida-Generation so, dass Anschläge, bis auf sehr wenige Ausnahmen, nicht von der Führung geplant und/oder genehmigt werden, sondern unscheinbare Sympathisanten des radikalen Islams solche in Eigenregie organisieren und ausführen.

Interessant ist auch die Einschätzung Musharbashs und seiner Gesprächspartner (u.a. auch bekennende Dschihadisten), wie die Al-Qaida sich weiterentwickeln könnte. Besonders aber, was ihre eigentliche Ziele sind. Es geht Bin Laden primär darum, die (angeblich) vom Glauben abgefallenen Herrscher orientalischer Staaten zu bekämpfen. Die gleichzeitige Vernichtung der Ungläubigen (ergo: der Juden und des Westens) spielt dabei eine zwar insgesamt wichtige Rolle, ist für die ursprünglichen Ziele der Al-Qaida jedoch nur zweitrangig. Die “Kreuzritter” unter Federführung der USA nehmen Einfluss auf die islamisch geprägten Staaten, sodass sie sich selbst zum Ziel der fanatischen Muslime machen.

Yassin Musharbash spricht auch die so genannte “Agenda 2020″ an. Darin geht es um sieben Phasen, die im Jahre 2020 zum Sieg des Islams gegen die Ungläubigen führen sollen. Von anderthalb Milliarden Muslimen ist da die Rede, die den Westen zur Kapitulation zwingen. Zuvor wird schrittweise versucht, ein Kalifat zu errichten, und die vom Glauben abgefallenen Herrscher zu stürzen. Wir befinden uns nach diesem “Masterplan” derzeit am Ende der zweiten Phase, welche als “das Augenöffnen” bezeichnet wird. Von 2007 bis 2010 soll demnach “das Aufstehen und Auf-zwei-Beine-Stellen” folgen. Vor allem wird sich ein Fokus auf Syrien ergeben. Autor dieser Agenda ist der jordanische Autor und Journalist Fuad Hussein. Der Text ist, so Musharbash, kein offizielles Dokument der Al-Qaida, sondern das Ergebnis von den Korrespondenzen Husseins mit Kadern der Terrorismusorganisation.

Sein Buch beendet Yassin Musharbash mit dem Fazit, dass die Al-Qaida möglicherweise noch stärker werden, aber den Westen und große Teile der islamisch geprägten Staaten nicht übernehmen wird. Er schließt jedoch nicht die Ausrufung kleinerer Länder unter der Kontrolle von Dschihadisten aus.

Insgesamt ist “Die neue Al-Qaida” ein sehr lesenswertes Buch, das ich jedem ans Herz lege, der sich für die Struktur, also die Arbeitsweise und die Ziele der weltweit bekanntesten Terrororganisation interessiert.

Die neue Al-Qaida, Yassin Musharbash, Kiepenheuer & Witsch, 8,95 Euro