Das ZDF-Wahlblog zur US-Wahl
5. Mai 2008
Ja, das ZDF existiert - auch online. heute.de erfreut sich einer immer größeren Beliebtheit und nicht erst seit der Farce um die Mount Everest-Berichterstattung wird für die Nachrichten-Seite des Zweiten Deutschen Fernsehens auch exklusiv produziert. Doch im Gegensatz zum Angebot der ARD - tagesschau.de - tut sich das ZDF, zumindest bei mir, online noch etwas schwer.
Erst zögerlich und eigentlich zuerst am heutigen Tage habe ich das ZDF-Weblog zur US-Wahl entdeckt. Dort schreiben Korrespondenten aus Washington D. C. von ihren Eindrücken beim Kampf um den Einzug in das Weiße Haus. Sogar das so genannte Video-Bloggen hat das Studio in der US-Hauptstadt entdeckt - Klaus Peter Siegloch höchstpersönlich kommentierte kürzlich die Vorwahl in Pennsylvania.
Ein Grund, in Zukunft öfters auf heute.de vorbeizuschauen.
Der Kampf ARD/ZDF versus Kommerz
1. Mai 2008
Die kommerziellen Medien möchten die Offensive der Öffentlich-Rechtlichen (ÖR) im Internet gerne verhindern und kämpfen seit Monaten energisch in ihren Publikationen und vor der Politik gegen einen Ausbau. Jetzt schlägt die ARD zurück - mit einem 45-minütigen Film, der heute Abend ausgestrahlt wurde. Zwar kamen auch die Privaten ausgiebig zu Wort, doch wurde vor allem dem Sender RTL Propaganda kontra ÖR vorgeworfen.
“Spiegel”-Chefredakteur Mathias Müller von Blumencron zeigte sich hingegen kompromissbereit und nannte etwa tagesschau.de einen “fairen Wettbewerber”, man beobachte sich gegenseitig. Allerdings verwäre er sich einer Erweiterung. Andere Gesprächspartner nannten die Finanzkraft der ÖR als eine Gefahr, die Privaten könnten nicht mithalten.
Der Film beschäftigte sich alleine zehn Minuten lang dann auch mit den Gefahren der Privatsender. Der Autor des Filmes, Thomas Leif (SWR), demonstrierte die Schattenseiten von RTL, Sat.1, ProSieben & Co. und kritisierte zugleich die laschen Kontrollen der Landesmedienanstalten. Eine Kernaussage des Filmes war, dass es bei den Privaten an Qualität fehle. Um dies zu untermauern, sprach ein “Insider” über die Rationalisierung bei Sat.1, die vom Unternehmen “McKinsey” gesteuert wurde, welche in der Konsequenz das Informationsprogramm verringte.
Sehenswert war der Film sicherlich, doch spannend wird die Reaktion der kommerziellen Sender. Möge der Bessere gewinnen …
Skandal: China behindert Journalisten am Himalaya
30. April 2008
Eigentlich sollte es so schön werden: Ariane Reimers bereitete sich ausgiebig für ihre Reise in den Himalaya vor. Da die Chinesen lediglich einen Journalisten pro Medium zulassen wollten, ist sie Korrespondentin, Kamerafrau und Technikerin in Personalunion, etwas ungewohnt für die öffentlich-rechtlichen Mitarbeiter.
Doch gleich nach der Ankunft in China wurden die elf internationalen Journalisten (ARD und ZDF für Deutschland, u. a. noch BBC und Reuters) vom Informationsfluss abgeschnitten. Die chinesischen Organisatoren haben für die Korrespondenten ein umfangreiches Programm zusammengestellt, mit ausgewählten Interview-Partnern und tollen tibetischen Klöstern, um die Berichterstatter davon abzuhalten, eigenständig zu recherchieren. Frau Reimers hat selbst diesen Eindruck, bloggte sie auf tagesschau.de. Außerdem wird sie und ihre Kollegen davon abgehalten, sich auf die ungewöhnliche Höhe von 5.200 Meter Höhe vorzubereiten (Akklimatisierung) und in das so genannte “Basis-Camp” auf dem Mount Everest zu reisen.
Stattdessen muss Frau Reimers weiterhin viele Kilometer davon entfernt haren und auf das Weiter warten. Informationen, wann es weiter geht, und wo die olympische Fakel, um die es ja ursprünglich geht, derzeit ist, wann sie am Himalaya ankommt - das wir den Journalisten vorenthalten. Doch die westlichen Medien machen keine Anstalt, öffentlich zu protestieren. Frau Reimers berichtete zwar gestern wieder kritisch über ihre Umstände, doch der eigentliche Skandal wird unzureichend publik gemacht. Das muss sich unbedingt ändern, denn eine vorgebetete Berichterstattung ist nicht das, was ich mir vorstelle.
Chinesen beeinflussen Webumfragen
14. April 2008
Noch ist tagesschau.de, das Nachrichtenportal der ARD, von der chinesischen Zensur nicht blockiert. Doch Druck auf das Flagschiff seriösen deutschen Journalismus wird von der Führung in Peking indirekt ausgeübt. Nachdem die “tagesschau.de”-Redaktion eine Umfrage schaltete, ob der Fackellauf der Olympischen Spiele abgesagt werden solle (Optionen: Ja oder Nein, Ist mir egal), gab es ein übermäßiger Ansturm auf die Umfrage. Selbst, als die Redaktion, die das große Interesse bemerkte, die Abstimmung offline nahm, wurde die Adresse weiterhin deutlich häufiger aufgerufen als die Startseite von “tagesschau.de”. Eine ARD-Reporterin aus China lüftete heute Morgen das Rätsel, woher genau die Anfragen kommen: Mehrere tausend Websiten aus China haben dazu aufgerufen, sich an der Umfrage zu beteiligen - und setzten gleich Direktlinks, um für das “Nein” abzustimmen.
Wie entsteht ein ARD-Beitrag?
24. September 2007
Im Weblog der Tagesschau zeigt der Videojournalist Ulrich Bentele, wie ein Beitrag in der ARD entsteht. Thema der Premiere ist ein Film von Christian Thiels über die Bundeswehr, der gestern in “Bericht aus Berlin” gezeigt wurde.
Gerade solche Beiträge wünsche ich mir in einem Redaktionsblog. Applaus!
Viele Reaktionen auf Wills Debüt
17. September 2007
Gestern war es endlich soweit: Anne Wills Debüt als Polit-Talkerin. Über den Erfolg kann man streiten, ich war zumindest mit einigen Abzügen zufrieden. Das Thema war zwar leitlos, ich will nicht sagen langweilig, aber ich hätte mir zur Premiere ein “besseres” gewünscht. Beck und Rüttgers sorgten für die Wortgefechte.
Nichtsdestotrotz: Die Reaktionen sind enorm. Alleine 286 Kommentare zählt der “Premiere”-Beitrag im offiziellen Weblog zur Sendung. Die Reaktionen gehen erwartungsgemäß von sehr schlecht bis sehr gut. Die Redaktion zeigt sich überrascht von den vielen Beiträgen im Blog - vor allem, da jeder Beitrag, mitunter sehr lang, moderiert werden muss.
Reinhard Mohr von Spiegel Online sah “Schwester Anne” zwar gestern Abend einen “Volkstrauertag” zelebrieren, zeigte sich insgesamt jedoch zufrieden. In einer Umfrage auf spiegel.de bekam die Premierensendung immerhin einen Durchschnittswert von 3,21 (Schulnoten). Auch Michael Hanfeld von der FAZ freut sich auf weitere Sendungen und bemerkt, “am Rest kann man ja noch arbeiten, vielleicht ohne Beck und Rüttgers”. Hans-Jürgen Jakobs von sueddeutsche.de sieht hingegen noch Potential nach oben und meint, Will muss noch in die Rolle hineinwachsen. Seine Kritik fällt schlechter aus als das Votum seiner Leser, die der Umfrage zu urteilen zufrieden waren.
Mit einer guten Quote von insgesamt 5,03 Millionen Zuschauer ab drei Jahren dürfte sich die ARD aber zumindest derzeit keine großen Sorgen machen.
Köhler (selber) wählen - wieso denn nicht?
26. Juni 2007
Bundespräsident Horst Köhler schlug am Sonntag bei der letzten Sendung von Sabine Christiansen in der ARD vor, sein Amt in Zukunft direkt vom Volk wählen zu lassen. Mehr Demokratie also. Warum auch nicht? Klar: Es würde einen Wahlkampf geben. Andererseits: Warum muss das höchste Amt im Lande vom Parlament vergeben werden, sollte nicht das Volk in einer Demokratie das Recht dazu haben? Meiner Meinung nach wäre es nicht einmal notwendig, dem Bundespräsidenten mehr Möglichkeiten einzuräumen. Durch das Recht, Gesetze zu kassieren, kann er sich genügend beteiligen. Nur mehr in die Tagespolitik einschalten, so wie Köhler es letztens öfters gemacht hat, das wäre gut - quasi als die bessere Stimme der Politik, die überlegendere.
tagesschau.de freut sich, Niggemeier weniger
19. Juni 2007
Gratulation! Das Weblog von tagesschau.de und der ARD aktuell-Redaktion wurden mit dem “Grimme Online Award” ausgezeichnet. Damit wird erstmal ein GI-Onlinemedium dafür prämiert, mit dem Trend zu gehen und redaktionelles und nicht nur thematisches zu bloggen. Derzeit macht so etwas lediglich noch ZEIT online, wenn in der Vergangenheit auch eher schlecht als recht. Ein weiterer Preisträger ist Stefan Niggemeier, der allerdings mit dem Gedanken spielt, den populären Preis abzulehnen. Der Grund ist, dass die Gewinner durch “eine peinliche Panne und die rasche Verbreitung in verschiedenen Weblogs” bereits vor der Verleihung morgen bekannt geworden sind. Peinlich.
Bekannt und gefragt für einen Tag
8. Juni 2007

Die 16-jährige Schülerin neben ihrer Bundeskanzlerin Merkel
Foto: Bundesregierung/Plambeck
Lisa Marie Ullrich ist bekannt und gefragt. Zumindest war sie das gestern, urplötzlich - und das Ganze nur, weil sie als eine von acht Deutschen in Heiligendamm vorbeischauen durfte. Sie traf Bush, Merkel, Blair, Putin, Sarkozy und Co., kritisierte und forderte; lief gemütlich links neben Bush, hinter Merkel, umrungen von lauter Presse aus der ganzen Welt. Und dann noch vorhin im Live-Interview mit Anne Will in den ARD-Tagesthemen. Was ein Tag!
Das macht die 16-jährige Schülerin vom Internatsschloss Hansenberg sexy, irgendwie. Nicht anders lässt sich erklären, dass in ihrem Profil auf dem SchülerVZ bislang lediglich Jungs gratuliert haben. Wohlgemerkt: Es ist gut, ihr zu gratulieren. Den Tag wird das Mädchen womöglich nicht mehr vergessen. Doch ist es seltsam, dass sich alleine Jungs an den Glückwünschen beteiligen, wie Alexander erkannt hat. Frauen, wo seid ihr?

Mitglieder von der “Gruppe der Acht” mit den J8-Teilnehmern auf dem Familienfoto
Foto: Bundesregierung/Kühler
Lisa Marie hat mit 74 Mädchen und Jungen aus der ganzen Welt im Rahmen des so genannten “J8-Gipfels” getagt und durfte am Donnerstag stellvertretend für die deutschen Teilnehmer in die “verbotene Zone” reisen.
ARD & Niggemeier versus 9Live & Max Schradin
15. Mai 2007
Stefan Niggemeier hat unlängst nicht nur den Kampf als BILDblog-Gründer gegen die BILD-Zeitung aufgenommen. In seinem für den Grimme Online Award nominierten Blog versucht er nun, die dunklen Seiten von Gewinnspielsendern auf zu decken. Niggemeier, 1969 in Harderberg geboren, lernte einst auf der Deutschen Journalistenschule und arbeitete für die Süddeutsche.
Heute verbringt er die Hälfte seiner Arbeitszeit mit dem BILDblog, die andere als Medienjournalist für die renommierte “Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung” (FAS). Kürzlich schrieb er eine lustige, pointenreiche Kolumne über 9Live und dessen Moderator Max Schradin.
Die Diskussion über die Schummelvorwürfe an 9Live, wegen denen ich mich schon bei der Landesmedienanstalt Bayern beschwert habe, scheint nun in eine heiße Phase zu gehen: Kürzlich berichtete die ARD-Sendung “Panorama” kritisch über 9Live, nun der Artikel von Stefan Niggemeier.
Der betroffene Max Schradin nimmt die Schelte von “Panorama” und Herrn Niggemeier jedoch - noch - sportlich und versuchte stattdessen, seine Zuschauer vom Gegenteil zu überzeugen, oder ihnen Niggemeiers Text in der FAS vor zu lesen. Lustig ist der Kerl auf alle Fälle.