LG Hamburg fordert Kontrolle von Kommentaren in Blogs
6. Dezember 2007
In einem Urteil entschied das Landgericht Hamburg, dass der Journalist Stefan Niggemeier auf seinem Weblog alle Kommentare bei “brisanten” Themen vorab kontrollieren müsse, damit keine verleumderischen oder sonst beleidigenden Beiträge öffentlich werden. Damit bestätigten die Richter eine entsprechende einstweilige Verfügung der Firma Callactive, ein umstrittener Betreiber von Quiz-Sendungen im Fernsehn.
Dadurch folgte das Landgericht seinem Ruf, die offene Konversation im Internet zugunsten von Unternehmen zu opfern. Die Richter schlugen Herrn Niggemeier z. B. vor, er könne sich ja zwei, drei Stunden am Stück hinsetzen, um zeitnah die geschriebene Kommentare zu veröffentlichen. Dass unter stefan-niggemeier.de zuweilen intensiv und i. d. R. über den ganzen Tag kommentiert wird, blieb von den Juristen unbeachtet. Im Übrigen zeigt der - soweit die von Niggemeier zitierten Passagen - konsequente Einsatz des Wortes “Forum” statt korrekterweise “Blogs”, dass die Richter mit dem Medium noch nicht ganz vertraut sind.
Letztendlich haben solche Urteile Einfluss auf die Zukunft des Internets, auf die Zukunft von Foren und Weblogs. Herr Niggemeier wird Berufung einlegen - ich wünsche ihm dabei viel Erfolg.
Erstes Blog bei hr-online
23. Juni 2007
Die Blogosphäre ist um ein Weblog reicher: Wie Michael Timm berichtet, ist das erste Blog auf hr-online.de kürzlich gestartet, basierend auf Wordpress. Es handelt sich um ein Projekt für das Format “Nightline” beim hessischen Jugendsender youfm. Analog zum prämierten Blog von tagesschau.de wäre der nächste, logische Schritt bei hr-online.de doch ein Redaktionsweblog - oder?
Der Blogkiller: “Ich musste meinen Dampf ablassen!”
5. Juni 2007
Eigentlich sieht Tayger ganz süß aus, wie eben Babys stets niedlich daher kommen. Auch Ali Iscitürk, ein junger und glücklicher Vater aus Nürnberg, ist stolz auf den Nachwuchs im eigenen Hause. So veröffentlichte er vor einigen Wochen eine Website. Er stellte Fotos vom kleinen Tayger ins Netz, ganz normal, wie so viele Eltern. Doch, einen Fehler machte er: Ein Foto wurde manipuliert, von geschmacklosen Anblicken wird da berichtet. Empörung bei den Bloggern, Unverständnis über die Aufregung bei Ali.
Blogger griffen den jungen Vater an, der wehrte sich in diversen Blogs. Vorläufiger Höhepunkt: In diesen Tagen ist die Plattform blogkiller.de gestartet, eine hässlisch überladene Website, auf der Fehlleistungen von Bloggern öffentlich angeprangert werden. Mit was die Leser es zu tun haben, sieht man schnell: “Achtung, diese Seite ist im Aufbau! Gestartet am 30. Mai 2007″, steht da. “Das heißt, Ihre Kritik können Sie sich in Arsch stecken.”
Ali kritisiert vor allem gestandene Blogger, Mitglieder der Top 100-Blogcharts. Autoren, die gerne auch mal polarisieren. “Als ich merkte, dass ich auf die Kritik der Blogger antworten musste”, habe er die Website gegründet. Dann “durfte ich nicht mehr auf die Kritik auf meine Babyseite antworten, wurde gesperrt. Irgendwie musste ich meinen Dampf ablassen - und habe kurzer Hand blogkiller.de gegründet.”
Einer der kritisierten Schreiberlinge, Thomas Hoelzl aka StoiBär, hat dafür wenig Verständnis. “Die komplette Blogszene hätte das Thema schon lange wieder vergessen, wenn er sich nicht so aufgeregt hätte.” Man nehme Ali nicht sehr ernst, ist sich Thomas sicher: “Er wird jetzt noch ‘ne Weile von allen auf den Arm genommen und dann wieder vergessen werden.”
Für Ali geht es eher um Grundsätzliches. Blogs seien langweilig. “Aber ich füge immer dazu, dass sie mich langweilen, aber vielleicht nicht meine 78-jährige Nachbarin Frau Ingrid Berzl.” Er wolle nur unterhalten werden, er sei doch ein glücklicher Mensch - und inzwischen eine Größe in der Bloggerszene: “Mein Bekanntenkreis spricht mich darauf an, dass ich ein Star geworden bin.”
Außerdem wirft Ali Iscitürk der Blogosphäre vor, ihn verarscht zu haben. Diese Anschuldigungen weist Alexander Trust von sajonara.de zurück: “Ich habe Kritik geäußert, beiläufig an der Aufmachung der Seite, vor allem jedoch an der Vorgehensweise von Ali, die Privatsphäre seines Kindes ohne Nachdenken in die Online-Öffentlichkeit zu zerren.” Sein Weblog soll bewusst zu Diskussionen anregen, “ich polarisiere, um Diskurse anzuregen”, so Alexander.
Ein Ende ist derweil nicht wirklich in Sicht, zumindest von Seiten Ali Iscitürks. “Blogger sind Lebewesen und ich will zu jeden Lebewesen ein gutes Verhältnis haben, so lange es mich nicht beißt”, so der junge Vater. Doch echte Möglichkeiten zur Verbesserung des Verhältnisses räumt er seinen neuen Freunden nicht ein. “Chancen??? Ich sag’ meine Meinung, so wie die ihre Meinung sagen.”
Der Abstieg eines einstigen Erfolgsprojektes
3. Juni 2007
Monrose sei auf dem absteigenden Ast, hat Michael Pliet auf TVBlogger festgestellt. Gut, da hat er nicht ganz unrecht. Allerdings: Sagt der eine Esel zum anderen Esel “Langohr”. TVBlogger befindet sich seit dieser Woche nicht mehr in den Deutschen Blogcharts, zum ersten Mal seit Bestehen der Rangliste. Allerdings sei eine Position in den Blogcharts für das TV-Blog nicht von großer Bedeutung, schrieb Daniel Richter erst am 9. Mai in einem Kommentar auf diesem Blog. Und ergänzt: “Unsere Besucherzahlen haben in der Vergangenheit stagniert und beginnen seit wenigen Monaten wieder zu steigen.” Wohl aber nicht wegen der Qualität der Beiträge, die zuletzt immer weiter abnahm? (Tendenz: Boulevardesque Themen)
Niggemeier: Das Alphatierchen in der Blogosphäre
26. Mai 2007
Wer auf die “Deutsche Journalistenschule” darf, hat es geschafft. Er gehört mit zur Elite des journalistischen Nachwuchses. Die Schule ist zusammen mit der Henri-Nannen-Schule in Hamburg die populärste Lehrstätte für Schreiberlinge. Günther Jauch lernte einst sein Handwerk in München, Sandra Maischberger auch, oder Ulrich Wilhelm, der derzeitige Chef des Bundespresseamtes.
Stefan Niggemeier, Jahrgang 1969, in Harderberg (Landkreis Osnabrück) geboren, darf sich mit zu den “renommierten Journalisten” zählen, die Wikipedia auflistet. Er ist vor allem ein Mensch, der lieber über Menschen schreibt, die selbst schreiben. Quasi der Kontrolleur der Kontrolleure. Medienjournalisten haben wenig zu befürchten, sie können frei schreiben, was sie von ihren Kollegen halten - und das ist meist etwas Schlechtes, Lob kommt selten. Niggemeier durfte das einst bei der Süddeutschen Zeitung praktizieren. Heute gehört ihm mit einem Kollegen das BILDblog, sein eines Standbein. Das andere: Freier Mitarbeiter für die “Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung” (FAS).
Mehr als 40.000 Menschen lesen täglich das BILDblog, lesen, welche Fehler die BILD-Zeitung während ihrer Arbeit macht. 2004 wurde die Seite dafür von der Deutschen Welle ausgezeichnet, 2005 folgte der Leuchtturm-Preis des Netzwerk Recherche, vor wenigen Woche haben Stefan Niggemeier und Konsorten den dritten Platz des “LeadAwards” belegt, für das “beste Weblog des Jahres”. Und, nicht zu vergessen: 2005 der Grimme Online Award.
Apropos Grimme: Im letzten Jahr muss es gewesen sein, als plötzlich Niggemeiers privates Blog in der Öffentlichkeitswirkung ähnlichen Zuspruch genoss wie das BILDblog. Für den diesjährigen Online Award wurde Niggemeier privat vorgeschlagen.
Sein Erfolgsrezept: Medien kritisieren, stets dran bleiben, auch mal Themen herausnehmen, die skandalträchtig sind. “Kurz korrigiert” heißt das in der Niggemeier-Sprache, der “Nachtrag, UHRZEIT” ist ebenfalls ein Markenzeichen des Medienjournalisten. Kurz: Stefan Niggemeier hat die Zeichen der Zeit erkannt, sahnt einen Preis nach dem anderen ab, sitzt plötzlich in jeder Jury - kürzlich bewertete er Brickfilme, von denen er zuvor nie etwas gehört hatte.
Nachdem er die BILD-Zeitung bearbeitet hat, folgt nun ein neues Ziel: 9Live und das gesamte System von “HotButton”-Abzockern. Erst kürzlich gab es einen Schlagabtausch via der FOP-Achse: Fernsehen-Online-Print. Niggemeier legte sich mit Max Schradin an, der live in 9Live eine Kolumne aus der FAS vorgelesen hatte. Derartige Aktionen machen Niggemeier kult - und zum ersten, wahren Gewinner der Blogosphäre in Deutschland.
Politischer Blog-Karneval
24. Mai 2007
Das “onezblog” hat heute den ersten politischen Blog-Karneval angekündigt. Es geht darum, dass in den nächsten Wochen Blogger über ein bestimmtes Thema aus der Politik schreiben, das noch bekannt gegeben wird. Ich beteilige mich zusammen mit einigen anderen netten Menschen daran. Weitere Informationen lesen Sie hier - dort finden Sie auch einen Ansprechpartner, sofern Sie sich beteiligen möchten.
Blogger können Journalisten sein
22. Mai 2007
Der Blogger Helge Fahrnberger schrieb kürzlich einen Beitrag, der den Tenor “Blogger sind keine Journalisten” hat. Widerspruch! Blogger können Journalisten sein - und zwar gute. Anders formuliert: Sie sind die Journalisten der Zukunft!
Schon seit längerem haben hauptberufliche Journalisten das Potential von Blogger entdeckt. Sie sind manchmal informativer als jede Zeitung, weil sie Geschichten entdecken (können), an die ein normaler Redakteur nicht kommt - trotz guten Kontakten. Sie sind meist näher am Geschehen dran oder selbst die Beteiligten einer Szene. Sie sind an mehr Orten als berufliche Schreiberlinge und manchmal versuchen sie auch, richtig journalistisch zu sein. Zugegeben: Oftmals wird der Blogeintrag vermischt mit einem Kommentar, sodass “Kommentar” oder - meinetwegen - “Kolumne”, allenfalls eine “Reportage” als Beitragsform eher passen würde. Leider - oder “Gott sei Dank”? - steht “Blog” drüber.
Trotzdem: Auch Journalisten schreiben Kommentare, Kolumnen und Reportagen. Weblogs sind genauso Journale wie die Tageszeitung.
Natürlich fehlt meist die gute Schreibe oder das Gegenchecken von Informationen. Daran kann man noch arbeiten. Bürgerjournalismus wird hingegen salonfähig, zum Beispiel auf der “Readers Edition”, die nichts anderes ist als ein Weblog, geformt als Magazin. Allerdings basiert sie auf Wordpress und somit auf der populärsten Blogsoftware überhaupt.
Näher dran sein am Geschehen, bürgernahe Geschichten - das ist das Potential von Blogger, die auch Journalisten sein können. Bestimmt.
TVBlogger wird unwichtig
2. Mai 2007

214 verlinkende Blogs auf tvblogger.de - Platz 100. / Screenshot von deutscheblogcharts.de
Na, na, da verliert doch nicht ein populäres Blog seine Position in der Blogosphäre? Meines Wissens nach war TVBlogger schon einmal in den Top 30 bei den deutschen Blogcharts.
Weblogzählung
26. April 2007
… bei Alexander, da mache ich doch gleich mal mit!
Unnötig, ix! Unnötig? ix!
26. April 2007
“Alpha-Blogger” Stefan Niggemeier (vgl. heutiges Interview auf Spiegel Online) macht für eine Woche Urlaub - und überlässt das Feld zwei relativ bekannten Bloggern. Finde ich den Sascha von riesenmaschine.de noch amüsant, missfällt mir der Eintrag von ix (wirres.net): Belanglos, mit einer “ironischen” Aussage. Er mag Kommentare - und deaktiviert im Beitrag dieselben. Was hat das bitteschön mit Bloggen zu tun? Soll das witzig sein?

“Ich finde Kommentare wichtig und gut. Wirklich.” - Screenshot von stefan-niggemeier.de
Bitte, da hätte “ix” gleich sagen können: “Stefan, ich bedanke mich für dein Angebot, aber - nein, ich wüsste nicht, was ich schreiben soll; es käme nur Scheiße heraus.” Jetzt haben wir den Salat.