Niggemeier: Das Alphatierchen in der Blogosphäre
26. Mai 2007
Wer auf die “Deutsche Journalistenschule” darf, hat es geschafft. Er gehört mit zur Elite des journalistischen Nachwuchses. Die Schule ist zusammen mit der Henri-Nannen-Schule in Hamburg die populärste Lehrstätte für Schreiberlinge. Günther Jauch lernte einst sein Handwerk in München, Sandra Maischberger auch, oder Ulrich Wilhelm, der derzeitige Chef des Bundespresseamtes.
Stefan Niggemeier, Jahrgang 1969, in Harderberg (Landkreis Osnabrück) geboren, darf sich mit zu den “renommierten Journalisten” zählen, die Wikipedia auflistet. Er ist vor allem ein Mensch, der lieber über Menschen schreibt, die selbst schreiben. Quasi der Kontrolleur der Kontrolleure. Medienjournalisten haben wenig zu befürchten, sie können frei schreiben, was sie von ihren Kollegen halten - und das ist meist etwas Schlechtes, Lob kommt selten. Niggemeier durfte das einst bei der Süddeutschen Zeitung praktizieren. Heute gehört ihm mit einem Kollegen das BILDblog, sein eines Standbein. Das andere: Freier Mitarbeiter für die “Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung” (FAS).
Mehr als 40.000 Menschen lesen täglich das BILDblog, lesen, welche Fehler die BILD-Zeitung während ihrer Arbeit macht. 2004 wurde die Seite dafür von der Deutschen Welle ausgezeichnet, 2005 folgte der Leuchtturm-Preis des Netzwerk Recherche, vor wenigen Woche haben Stefan Niggemeier und Konsorten den dritten Platz des “LeadAwards” belegt, für das “beste Weblog des Jahres”. Und, nicht zu vergessen: 2005 der Grimme Online Award.
Apropos Grimme: Im letzten Jahr muss es gewesen sein, als plötzlich Niggemeiers privates Blog in der Öffentlichkeitswirkung ähnlichen Zuspruch genoss wie das BILDblog. Für den diesjährigen Online Award wurde Niggemeier privat vorgeschlagen.
Sein Erfolgsrezept: Medien kritisieren, stets dran bleiben, auch mal Themen herausnehmen, die skandalträchtig sind. “Kurz korrigiert” heißt das in der Niggemeier-Sprache, der “Nachtrag, UHRZEIT” ist ebenfalls ein Markenzeichen des Medienjournalisten. Kurz: Stefan Niggemeier hat die Zeichen der Zeit erkannt, sahnt einen Preis nach dem anderen ab, sitzt plötzlich in jeder Jury - kürzlich bewertete er Brickfilme, von denen er zuvor nie etwas gehört hatte.
Nachdem er die BILD-Zeitung bearbeitet hat, folgt nun ein neues Ziel: 9Live und das gesamte System von “HotButton”-Abzockern. Erst kürzlich gab es einen Schlagabtausch via der FOP-Achse: Fernsehen-Online-Print. Niggemeier legte sich mit Max Schradin an, der live in 9Live eine Kolumne aus der FAS vorgelesen hatte. Derartige Aktionen machen Niggemeier kult - und zum ersten, wahren Gewinner der Blogosphäre in Deutschland.