Eigentlich war TVBlogger nur eine Idee. Ein interessantes Medium, und eine neue Möglichkeit, im Netz zu publizieren - aus viel mehr bestand der Antrieb Daniel Richters nicht, als er mit seiner Seite anno 2004 online ging. Aus einer witzigen Idee, wurde eines der meistbesuchten Online-Magazine zum Thema Medien. Doch ob des quantiativen Erfolges: Qualitativ hält “TVB” harten Kontrollen selten Bestand.

Nun, vielleicht muss TVBlogger kein redaktionelles Wunder darstellen, eventuell ist das für den Charme der Seite gar besser. Ein Weblog ist weiterhin etwas persönliches, in den allermeisten Fällen subjektiv. Eine objektive Berichterstattung läuft dem zuwider; ein SPIEGEL als Weblog - unvorstellbar!

Der Erfolg für die Seite kam eher plötzlich: Gute Platzierungen bei Google sorgten dafür, dass TVBlogger schnell als eine der ersten Anlaufstelle bei einigen Themen besucht wurde. Zum ersten Mal sichtbar war dies bei der ProSieben-Eigenproduktion “Mein Vater, seine Neue und ich”: Einige Hundert Kommentare pupertierender Jugendlicher erfreuten sich an der jungen Schauspielerin Sydney Gersina - und brachten dem Weblog hohe Besucherzahlen; die Kommentarfunktion, alsbald geschlossen.

Netzeitung, n-tv.de: “Alle nannten die Seite”

Doch der Durchbruch kam für die Seite bei “Deutschland sucht den Superstar”. Analysen, Kommentare, Quotenmeldungen und Live-Ticker zur RTL-Sendung brachte TVBlogger nicht nur die Kritik ein, sie sei von RTL bezahlt. Gleichzeitig sorgte die Casting-Sendung für Abstürze des Servers und hohe Besucherzahlen. Der Hype zahlte sich am Ende aus: TVBlogger brachte eine skurille Geschichte, die renommierten Nachrichtenagenturen ddp und dpa nahmen die Geschichte auf - netzeitung.de, n-tv.de, das Weblog von TV Spielfilm, alle nannten die Seite.

Bei einer anderen Geschichte machte die “Bild”-Zeitung mit der Geschichte auf, das Ausscheiden von Didi Knoblauch sei bereits im RTL-Videotext aufgetaucht, bevor die Ergebnisse bekannt wurden. TVBlogger berichtete als erste Seite überhaupt. Doch leider, Ernüchterung: Keine Nennung der Quelle in der “Bild”; Enttäuschung auch wegen den geschätzten Kollegen: DWDL.de nannte ebenfalls sich selbst als Quelle statt den jungen Medien-Publizisten den Erfolg zu gönnen.

Der Triumph durch DSDS, ausgebaut später bei “Germanys Next Topmodel” & Co., wurde zur erst im Frühjahr zu Ende gegangenen Staffel IV jedoch brav verschwiegen. Kommentare wurden gesperrt, die Berichterstattung gedrosselt. Ein neuer Führungsstil: Statt Bänker Richter übernahm federführend Verkäufer Michael Pliet.

Ein-Mann-Chefredaktion: “Informativ, doch öfters fehlerbelastet”

Pliet, ein junger, engagierter Hesse, ist der Chefredakteur neben Daniel Richter und in diesem Jahr der mit Abstand aktivste Redakteur. Seine Artikel: Informativ, doch öfters fehlerbelastet - mit bezeichnend für das neue TVBlogger. Einige Leser kehrten der Seite den Rücken, Kritik wurde immer lauter. Doch statt sich selbst zu hinterfragen, versucht die vermeindliche Ein-Mann-Chefredaktion zu erklären, wie man mit Kritik umgeht - ein typisches Instrument bekannt aus Foren, wo eine Gemeinschaft kurz davor ist, sich selbst aufzulösen.

Doch trotz der vielen Kritik, bleibt bei TVBlogger der Charme eines Blogs, einer übersichtlichen Seite, abseits als Alternative zu DWDL, zu Quotenmeter und wie sie alle heißen. Gerne wird von diesen Seiten geleugnet, TVBlogger sei gar kein Medienmagazin. Dabei gelingt den TVBloggern, trotz vieler Macken, zu unterhalten.

Es wäre schade, wenn das Projekt untergehen würde. Redaktionelle Änderungen und eine Besinnung auf die Kernkompetenzen wären etwas, das man in Erwägung ziehen sollte. Vor allem, um an alte Erfolge anzuknüpfen - und nicht nur damit zu werben, quantitativ weiterhin interessant zu sein, hohen vierstelligen Besucherzahlen sei Dank.

Hinweis: Ich war selber lange Zeit bei TVBlogger und vor allem bei der Berichterstattung über DSDS intensiv einbezogen. Dieser Beitrag soll nicht als Abbrechnung, sondern vielmehr als Weckruf für die Verantwortlichen verstanden werden.

Was sind überhaupt “A-Blogs”? Sind damit Weblogs gemeint, die richtig arschig sind, täglich provozieren und nichts Sinnvolles rüberbringen? Oder hat das “A” einen Stellenwert, möchte es etwas nummerieren? Ist das “A” also wichtiger als das “B”?

Viele Menschen haben in der Vergangenheit das Wort “A-Blog” in den Mund genommen, obwohl von Seiten der Blogosphäre nicht einmal klar und deutlich festgelegt wurde, wann sich ein Weblog denn überhaupt so bezeichnen darf.

Die Frankfurter Neue Presse (FNP) widmete sich am 28. Oktober vergangenen Jahres dem Thema: Im überregionalen Teil der Zeitung gabs ein einseitiges Spezial. Unter dem Begriff “A-Blog” versteht die Redaktion folgendes - und nennt zugleich vier Blogs, die dem Namen würdig sind: “Was sie schreiben, ist in der Blogosphäre die Nachricht des Tages. A-Blogs sind die am meisten gelesenen in Deutschland, darunter Spreeblick.de, Bildblog.de, TV-Blogger und die Riesenmaschine.”

Ich finde die Beschreibung in Ordnung. Und wenn auch das BILDblog von manchen Bloggern nicht als Weblog anerkannt wird, zählt es für mich doch als das bekannteste Weblog überhaupt. Dass TVBlogger ebenfalls genannt wurde, finde ich eine nette Geste, immerhin schreibe ich dort auch; und es wurde bereits von ddp und dpa zitiert. Rund 10.000 Besucher hat das TV-Blog täglich.

Es ist auch eine Sache der Sichtweise, was ein “A-Blog” ist. Gehen wir nach den Deutschen Blogcharts, liegt die FNP-Redaktion etwas daneben. Gehen wir nach dieser Rangliste, so bewerten wir, wie oft die Blogs von anderen Bloggern zitiert werden.

Viele aktive Teilnehmer der Blogosphäre denken, wichtige Blogs sind diejenigen, die von anderen Bloggern am meisten gelesen werden. In diesem Fall darf man Seiten wie sixtus.net dazu zählen. Und auch netzpolitik.org und Don Alphonso würden ganz vorne mitspielen.

Fakt ist, dass es die Menschheit eigentlich überhaupt nicht interessiert, was Blogger “Hans” meint. Wichtig ist, was die gesamte Gesellschaft denkt. Und da ist nunmal BILDblog unumstritten die Nummer eins, gefolgt vom Rechtsanwalt Udo Vetter; Spreeblick und TVBlogger würde ich dazu zählen.

Diese Kategorisierung ist subjektiv. Deshalb meine Frage an die Blogosphäre: Was ist für euch ein “A-Blog”, welche Blogs sind diesem Begriff würdig?

Zurück bei TVBlogger

7. Januar 2007

Seit heute bin ich wieder bei TVBlogger dabei. Allerdings beschränkt auf die Berichterstattung über “Deutschland sucht den Superstar” (DSDS). Von mir wird es ab den Mottoshowshows die so genannten “Mottoshowkolumnen” geben; Live-Ticker, wie bei der dritten Staffel, werden diesesmal nicht produziert. Meine Wiederkehr habe ich mit dem Eintrag “DSDS: Viele Grüße aus dem 17. Bundesland” gefeiert.

Das Weblog zählt zu den führenden Weblogs im deutschsprachigen Raum (”A-Blog”) und wird täglich von rund 10.000 Menschen besucht. Mit einem DSDS-Artikel kam TVBlogger auch bereits auf n-tv.de und in die Netzeitung, da die Nachrichtenagenturen ddp und dpa über den Text berichteten.