Zeit Online: Wie geht’s weiter?
7. November 2007
Umbruch bei “Zeit Online”: Gero von Randow ist nunmehr nur noch kommissarischer Chefredakteur des Online-Ablegers der renommierten Wochenzeitung “Die Zeit”. Spätestens bis Februar soll er gänzlich abtreten und durch eine neue Person ersetzt werden. In Zukunft soll von Randow nur noch über Sicherheitspolitik schreiben - sowohl für Print als auch Online. Warum das Ganze? Gründe sind nicht bekannt, es gibt nur Spekulationen: Sieht von Randow seine Arbeit als gescheitert? Zuletzt gingen die Besucherzahlen zurück und die Leser sind alles andere als mit dem Layout zufrieden - nur der Inhalt stimmt. Wollte man ihn womöglich intern nicht mehr, weil man, vor allem in Person von Giovanni di Lorenzo, eh nicht an das Internet als journalistisches Medium glaubt?
Über dieses Thema hat sich Stefan Niggemeier ausführlich Gedanken gemacht und sieht derzeit wenig Chancen, dass sich “Zeit Online” groß verbessern wird. Die Widerstände von Seiten der Print-Mutter sind zu groß, das Projekt letztendlich zu teuer und mit di Lorenzo ist ein mächtiger Internet-Feind als “Zeit”-Chefredakteur beschäftigt.
Der einzige Lichtblick, der das - so oder so - inhaltlich gute “Zeit Online” weiter aufwerten wird: Der ehemalige Bundesaußenminister, Joschka Fischer, wird zukünftig (ausschließlich) für “Zeit Online” wöchentlich Kolumnen schreiben.
Wir dürfen gespannt sein.
Holtzbrinck: StudiVZ an erfahrenen Verlag verkauft
4. Januar 2007
Das stark in die Kritik geratene Studentenportal StudiVZ hat den Besitzer gewechselt. Der Verlag Holtzbrinck (Die Zeit, Handelsblatt) hat das Web 2.0-StartUp-Unternehmen für “deutlich unter 100 Millionen Euro” erworben; Spiegel Online meldete gestern, StudiVZ ging für 100 Millionen weg. Andere Medien sprechen von 50 bis 85 Millionen. Eine offizielle Summe wurde nicht genannt.
Das Holtzbrinck-Tochterunternehmen “Holtzbrinck Ventures GmbH” ist bereits an der Community beteiligt gewesen, mit einem Startkapital von zwei Millionen Euro.
Eine interessante Wendung. In letzter Zeit gab es für StudiVZ nur negative Presse. Holtzbrinck macht aus dem Unternehmen sicherlich wieder ein Prestigeprojekt. Der Verlag hat genügend Erfahrungen gesammelt und kann sich als Inhaber der renomierten “Die Zeit” sicherlich keine (weiteren) Missgeschicke bei StudiVZ leisten. Übrigens: Die beiden Gründer sind weiterhin in die Community in Führungspositionen einbezogen.
“Fanmeile” ist das Wort des Jahres
15. Dezember 2006
Alle erinnern sich noch an die Fanmeilen, welche während der WM in diesem Sommer genauso dazu gehörten, wie der eigentliche Fußball. Die Gesellschaft für deutsche Sprache e. V. wählte den Begriff “Fanmeile” nun zum Wort des Jahres 2006.
Platz zwei belegt der Begriff “Generation Praktikum“. Der Begriff wurde zuerst von der Wochenzeitung “Die Zeit” geprägt. Den dritten Platz sicherte sich der umstrittene “Karikaturenstreit“. Weitere Begriffe, die es weit nach vorne geschafft haben, gibt es auf Spiegel Online. Darunter zwei weitere Begriffe, die mit der WM, vor allem aber mit den Deutschen zusammenhängen.
Der ORF und Herr Hans-Peter Martin
4. Oktober 2006
Ach, war des en scheenes Wochenende - in Österreich! Von Freitag bis zum Brückentag am vergangene Montag war ich im Kurzurlaub im schönen Alpenland, in der Ramsau zum Wandern. Zu meiner großen Freude war parallel die Nationalratswahl, bei dieser die ÖVP der SPÖ unterlag, beide Volksparteien jedoch voraussichtlich in eine Große Koalition gehen, wie bei uns Deutschen die CDU mit der SPD - nur das bei unseren Nachbarn nicht die Christdemokraten, sondern die Sozialdemokraten die Wahl gewonnen haben.
Angetreten war auch ein Herr Hans-Peter Martin (Artikel in DER ZEIT, 31. August). 1957 in Bregenz geboren, war der promovierte Jurist Korrespondent für das deutsche Nachrichtenmagazin DER SPIEGEL. Später kanidierte Martin für die SPÖ bei der Europawahl (1999) als Spitzenkandidat; seit dem ist er Mitglied des Europaparlaments. Den Sozialdemokraten trat er jedoch nie bei.
Bei der diesjährigen Nationalratswahl in “Austria” versuchte er sich mit einer eigenen “Partei”, der so genannten “Liste Dr. Martin”. 2004 hatte er bereits Erfolg mit ihr: 13,98 Prozentpunkte der Stimmen sicherten ihm einen weiteren Platz ohne die SPÖ im Europaparlament. Bei den diesjährigen Wahlen jedoch unterlag er - deutlich. Nur 2,83 Prozentpunkte verwehren seiner Liste den Einzug nach Wien.
Und wer ist schuld an dieser Niederlage? Ja, natürlich - der ORF ist schuld! Man habe ihm nicht die Möglichkeit gegeben, die Wähler zu erreichen. Und, vor allem: Zehn Millionen Euro hat er auch nicht. Zehn Millionen! Die braucht man, um in den Nationalrat einzuziehen, so Herr Dr. Martin am Sonntagnachmittag im ORF 2-Interview, kurz nach den ersten Wahlergebnissen. Die ORF-Moderatorin, schier verzweifelt, hätte am liebsten das Gespräch wegen den Vorwürfen gegen den ORF beendet, musste versuchen, den Demokraten zu bändigen. Sie überlebte das Gespräch. Die Vorwürfe bleiben.
Ob Herr Martin bei der nächsten Wahl noch einmal Glück hat? Oder wird der böse, böse ORF (Öffentlich-Rechtlich) entlarft, dass er der Liste keine Stimme gegeben hat? Mh…?