Eigentlich schaue ich kein NDR. Das liegt zum einen daran, dass ich Hesse bin und der NDR eher ein anderes Klientel, nämlich die Bevölkerung aus dem hohen Norden anspricht. Zum anderen sind die “Dritten Programme” eher durch kulturelle Programme geprägt und die interessieren mich eher beiläufig. Leider verpasse ich meist auch “Extra3” oder “Zapp” zu schauen, die ein jugendlicheres Publikum ansprechen.

Nach der Lektüre der gestrigen “Süddeutschen” (SZ) im Medien-Ressort wurde ich dann jedoch aufmerksam und schaltete um 21 Uhr das NDR Fernsehen ein.

Was bewegte mich dazu? Der SZ-Artikel versprach mir Journalismus hinter den Kulissen, also etwas, das mich als Medienverliebter reizt. Dazu kam, dass der Bericht ankündigte, das ARD-Format “Panorama” versuche, inspiriert durch die BBC, die Arbeit seiner Reporter in einer gut einstündigen Sendung den Zuschauern näher zu bringen.

Als die Sendung dann zuende war, habe ich keine geschaute Sekunde bereut. Der Redaktion ist es in der Tat gelungen, was die “Tagesschau” sonst lediglich als Blog hinbekommt. Ich sah, wie ein Reporter durch Deutschland gefahren ist, um die Hintergründe des Abstieges der SPD zu erfahren. Er besuchte Steinfeld in der Pfalz und erfragte den Weg zum Haus ihres Vorsitzenden, Kurt Beck. Später interviewte der “Panorama”-Reporter Beck im Rahmen seiner Sommertour.

Eine andere Reporterin reiste mit einem Team nach Rio de Janeiro, um den ehemaligen Innensenator Hamburgs, Ronald Schill, zu suchen. Dabei gelang es “Panorama” dem NDR-Zuschauer deutlich zu machen, wie aufwändig zuweilen die Recherche ist. Nach Stunden der Warterei gelang es der Reporterin dann in der Tat, Schill zu treffen, der allerdings nicht viel mehr als “kein Kommentar” und hämische Kommentare in Richtung der Journalistin hin bekam, oder sich bewundernd darüber äußerte, dass man ihn an der Copacabana (knapp eine Mio. Bewohner) gefunden habe.

Die dritte Reporterin recherchierte “undercover”, um auf die Billiglöhne für Kinder aufmerksam zu machen, die kostenlose Anzeigeblätter verteilen. Das “Panorama” Reporter-Format zeigte nicht nur, was in den späteren Beitrag einfließt; vielmehr stand die Reporterin und die Entstehung der Recherche im Vordergrund.

Wenn der “Panorama”-Redaktion eines gelungen ist, dann dass ich die Sendung heute Abend um 21:55 Uhr sehen werde. Wohl nicht zum letzten Male.