Die Handball-Euphorie beginnt zu entfachen. In einer Umfrage auf ZDF.de glauben 55 Prozent der Teilnehmer (bislang: 1 920), dass Deutschland die Weltmeisterschaft im eigenen Land gewinnt.

Traurig ist man hingegen in Berlin: In der Hauptstadt wird lediglich ein Spiel veranstaltet. Immerhin wird die Handball-WM in Berlin eröffnet - am Freitag um 17:30 Uhr Deutschland gegen Brasilien (live im ZDF und auf www.zdf.de). Das Spiel ist natürlich ausverkauft, 10 000 Sportverrückte finden in der Max-Schmeling-Halle Platz. “Wir hätten auch 20 000 Karten für das Eröffnungsspiel verkaufen können”, sagte WM-Botschafter Bob Hanning auf ZDF.de.

Erste gut besuchte General Interest-Webseiten sind bereit auf das größte Sportereignis 2007 in Deutschland. Die ARD bewirbt ihr Handball-WM-Spezial genauso auf der Startseite wie das ZDF. Auch Spiegel Online ist vorbereitet für die Meisterschaft. Focus Online sammelt seine Beiträge ebenfalls auf einer extra Seite.

Erhard Wunderlich (Handball-Weltmeister 1978) kritisierte auf der Netzeitung den deutschen Bundestrainer Heiner Brand, die Verantwortlichen hätten “definitiv zu wenig getan”, um eine Euphorie in Deutschland zu entfachen. Aber: Das dachten wir im vergangenen Jahr zum Start der Fußball-WM ja auch. Wunderlich sieht durchaus eine Chance für die deutsche Mannschaft, in den nächsten Wochen weit zu kommen - nach dem Halbfinale sei alles drinnen. “Ich glaube, dass die Mannschaft so charakterstark ist, dass sie nervlich mit dem Druck, der auf ihr lasten wird, gut umgehen kann.”

Am Wochenende verlor Deutschland das letzte offizielle Testspiel vor dem WM-Start. Ägypten gewann in München mit 30:29 gegen eine verletzungsbedingt schwache deutsche Mannschaft. Laut dem deutschen Trainer sollen die wichtigen Spieler bis zum Start am Freitag wieder fit sein.

Jetzt fehlen nur noch Siege - und Fanmeilen.

Nach der WM ist vor der WM, nach dem Sommermärchen folgt das Wintermärchen: Vom 19. Januar bis zum 4. Februar richtet Deutschland die Handball-Weltmeisterschaft aus. Austragungsorte sind u.a. Berlin, Köln und Wetzlar.

Vom letzten Jahr sind wir bereits das Feiern gewohnt - noch nie sind mir täglich so viele Menschen in Deutschland mit freundlichen Gesichtern entgegen gelaufen, wie während des Sommers 2006. Haben wir Deutschen das Zeug, auch für den Handball derartige Euphorie zu entfachen? Ich bin dazu bereit und hänge in den nächsten Tagen wieder meine Deutschland-Fahne heraus. Leider wird es keine Fanmeile geben.

Im Gegensatz zu den Fußballern ist die deutsche Handball-Nationalmannschaft allerdings recht schwach; einstige Stars wie Stefan Kretzschmar haben die Mannschaft verlassen. Dafür haben wir Jungs wie den EHF-Cup-Sieger 2006, Florian Kehrmann. Bei der letzten Handball-WM wurden wir neunter. Italien ist übrigens nicht dabei (jaa!).

Alle erinnern sich noch an die Fanmeilen, welche während der WM in diesem Sommer genauso dazu gehörten, wie der eigentliche Fußball. Die Gesellschaft für deutsche Sprache e. V. wählte den Begriff “Fanmeile” nun zum Wort des Jahres 2006.

Platz zwei belegt der Begriff “Generation Praktikum“. Der Begriff wurde zuerst von der Wochenzeitung “Die Zeit” geprägt. Den dritten Platz sicherte sich der umstrittene “Karikaturenstreit“. Weitere Begriffe, die es weit nach vorne geschafft haben, gibt es auf Spiegel Online. Darunter zwei weitere Begriffe, die mit der WM, vor allem aber mit den Deutschen zusammenhängen.