“Europäisches Commonwealth” in Istanbul
7. Mai 2008
Die EU wird größer, immer größer und wenn es nach dem ein oder anderen Politiker geht, wird der Erweiterungsprozess zügig vorangeschritten. Der Beitritt der Türkei steht ebenfalls zur Debatte.
Einige Vordenker aus dem Europäischen Parlament machen sich deswegen Gedanken, welche Alternativen es gibt. Andreas-Renatus Hartmann, Experte für Außenpolitik bei der EVP-ED-Fraktion der Christdemokraten in Brüssel, empfiehlt in einem Beitrag für die heutige “Frankfurter Allgemeine” (FAZ) ein “europäischen Commonwealth“.
Es soll mehr als nichts sein - und weniger als ein Beitritt zur langsam überlastenden Europäischen Union, schreibt Hartmann: “Es soll die erweiterte EU mit ihren engeren östlichen Nachbarn verbinden, also mit jenen osteuropäischen Staaten, die bereits heute Mitglied der europäischen Nachbarschaftspolitik sind, sowie zusätzlich mit den anderen Staaten, der östlichen Peripherie und anschließend auch mit den Staaten der Mittelmeerkooperation.”
Kurz: Der Autor möchte eine Mitgliedschaft zweiter Klasse etablieren, ohne direkten Zugriff auf politische Entscheidungen im Bürokratie-Dschungel der EU.
Das Konzept hat einen gewissen positiven Beigeschmack, da einige Staaten vertröstet werden können. Die Europäische Union sollte sich allerdings auf ihre Kernkompetenzen, die Wirtschaftszusammenarbeit mitteleuropäischer Länder, konzentrieren und nicht asiatische sowie nordafrikanische Länder bedienen. Obendrein empfiehlt Andreas-Renatus Hartmann nämlich, “der Sitz des europäischen Commonwealth” könnte in Istanbul “festgelegt werden, dem geographischen Zentrum des neuen politischen Systems”.
Wo sich bei mir die Frage aufgetan hat: Und was hat das mit Europa zu tun?
Birma, Burma, Myanmar - was denn nun?
26. September 2007
Mönche gehen in Birma auf die Straße, in Burma und in Myanmar - huch, was ist denn hier los? Proben die Mönche einen globalen Aufstand? Nein, ganz und gar nicht: Die Proteste finden in einem Land statt. Doch das ist unter drei Namen bekannt.
ARD-aktuell Chefredakteur Dr. Kai Gniffke erklärt nun, weshalb die “Tagesschau” von Birma spricht - genauso wie die “Süddeutsche” und “Welt” -, “Spiegel Online” von Myanmar (Aktualisierung, 22:10 Uhr: Inzwischen spricht “SpOn” ebenfalls von Burma), die “FAZ” und der “SPIEGEL” hingegen von Burma. Grund: Das Land hatte in den vergangenen Jahrzehnten einige Namensänderungen hinter sich, zuletzt 1989, als die Militärherrschaft es in Myanmar umbenannt hat.
Dagegen kann man nun protestieren und es weiterhin Birma (oder eben Burma) nennen; am Ende bleibt der Zuschauer verwirrt. Dr. Gniffke beruft sich auf eine Vereinbarung von Agenturen (dpa & Co.), die sich auf Birma geeinigt haben. Das Auswärtige Amt und die Vereinte Nationen führen den Staat hingegen unter seinem aktuellen Namen, Myanmar.
Schwer, eine einheitliche Lösung zu finden, doch würde ich das Land den Militärherrschern zum Trotz als Myanmar führen.
Viele Reaktionen auf Wills Debüt
17. September 2007
Gestern war es endlich soweit: Anne Wills Debüt als Polit-Talkerin. Über den Erfolg kann man streiten, ich war zumindest mit einigen Abzügen zufrieden. Das Thema war zwar leitlos, ich will nicht sagen langweilig, aber ich hätte mir zur Premiere ein “besseres” gewünscht. Beck und Rüttgers sorgten für die Wortgefechte.
Nichtsdestotrotz: Die Reaktionen sind enorm. Alleine 286 Kommentare zählt der “Premiere”-Beitrag im offiziellen Weblog zur Sendung. Die Reaktionen gehen erwartungsgemäß von sehr schlecht bis sehr gut. Die Redaktion zeigt sich überrascht von den vielen Beiträgen im Blog - vor allem, da jeder Beitrag, mitunter sehr lang, moderiert werden muss.
Reinhard Mohr von Spiegel Online sah “Schwester Anne” zwar gestern Abend einen “Volkstrauertag” zelebrieren, zeigte sich insgesamt jedoch zufrieden. In einer Umfrage auf spiegel.de bekam die Premierensendung immerhin einen Durchschnittswert von 3,21 (Schulnoten). Auch Michael Hanfeld von der FAZ freut sich auf weitere Sendungen und bemerkt, “am Rest kann man ja noch arbeiten, vielleicht ohne Beck und Rüttgers”. Hans-Jürgen Jakobs von sueddeutsche.de sieht hingegen noch Potential nach oben und meint, Will muss noch in die Rolle hineinwachsen. Seine Kritik fällt schlechter aus als das Votum seiner Leser, die der Umfrage zu urteilen zufrieden waren.
Mit einer guten Quote von insgesamt 5,03 Millionen Zuschauer ab drei Jahren dürfte sich die ARD aber zumindest derzeit keine großen Sorgen machen.
Druckindustrie legt die Arbeit nieder
12. Mai 2007
Unsere regionale Zeitung “Frankfurter Neue Presse” (FNP; bzw. lokal “Höchster Kreisblatt”) erschien heute nur in eingeschränkter Fassung: Der überregionale Bereich ist weitesgehend wie immer; der lokale Zeitungsteil wurde jedoch sehr stark gekürzt. Das heißt: Normalerweise gibt es für jeden Ort eine eigene Seite (manchmal auch nur eine halbe Seite, für Hofheim zum Beispiel auch zwei), heute teilten sich geschätzte 50 Orte fünf Seiten.
Der Grund: Mitarbeiter der Druckindustrie streiken, wie unter anderem die Netzeitung meldet. Inszinierende Vereinigung ist Verdi. Gefordert werden 6,5 Prozent mehr Lohn in den kommenden zwölf Monaten. Die Arbeitgebervertretung bietet deutlich weniger.
Betroffen vom Streik ist unter anderem das Druckhaus in Neu-Isenburg, wo auch ein Teil der Frankfurter Allgemeine Zeitung und die FNP gedruckt wird.
Michael Maier verlässt die Netzeitung
19. Dezember 2006
Dr. Michael Maier verlässt zum Ende des Jahres die Netzeitung (NZ). Der ehemalige Chefredakteur des Stern gründete 2000 die NZ und war seit dem ihr Chefredakteur. Maier positionierte die NZ zu einem der führenden Nachrichtenportale. Im vergangenen Jahr wurde die Webseite öfters in anderen Medien erwähnt als der Markführer Spiegel Online.
Die Chefredaktion wird zukünftig von einer Doppelspitze besetzt. Michael Angele (Leiter des NZ-Feuilletons) und Matthias Ehlert (Blattmacher der FAZ) übernehmen das Erbe. Maier hingegen möchte sich zukünftig intensiv mit dem Web 2.0 beschäftigen und hat dazu die Blogform Verlags GmbH gegründet. Das erste Projekt ist bekannt: Die Readers Edition, welche Maier vom Netzeitung-Inhaber Orkla Media erworben hat.
Wie es genau mit der Readers Edition weitergehen wird, steht noch nicht fest. Allerdings soll es weiterhin eine Kooperation mit der Netzeitung geben. Maier freut sich bereits auf die Weiterentwicklung des Projekts - genauso wie ich.