Umbruch bei “Zeit Online”: Gero von Randow ist nunmehr nur noch kommissarischer Chefredakteur des Online-Ablegers der renommierten Wochenzeitung “Die Zeit”. Spätestens bis Februar soll er gänzlich abtreten und durch eine neue Person ersetzt werden. In Zukunft soll von Randow nur noch über Sicherheitspolitik schreiben - sowohl für Print als auch Online. Warum das Ganze? Gründe sind nicht bekannt, es gibt nur Spekulationen: Sieht von Randow seine Arbeit als gescheitert? Zuletzt gingen die Besucherzahlen zurück und die Leser sind alles andere als mit dem Layout zufrieden - nur der Inhalt stimmt. Wollte man ihn womöglich intern nicht mehr, weil man, vor allem in Person von Giovanni di Lorenzo, eh nicht an das Internet als journalistisches Medium glaubt?

Über dieses Thema hat sich Stefan Niggemeier ausführlich Gedanken gemacht und sieht derzeit wenig Chancen, dass sich “Zeit Online” groß verbessern wird. Die Widerstände von Seiten der Print-Mutter sind zu groß, das Projekt letztendlich zu teuer und mit di Lorenzo ist ein mächtiger Internet-Feind als “Zeit”-Chefredakteur beschäftigt.

Der einzige Lichtblick, der das - so oder so - inhaltlich gute “Zeit Online” weiter aufwerten wird: Der ehemalige Bundesaußenminister, Joschka Fischer, wird zukünftig (ausschließlich) für “Zeit Online” wöchentlich Kolumnen schreiben.

Wir dürfen gespannt sein.

Zahlreiche Leser von ZEIT Online haben sich in dieser Woche wegen einer neuen Werbeform beschwert: Eine Vorschaltseite. Bevor der User also die eigentliche Seite sehen darf, muss er seine volle Aufmerksamkeit auf ein einzelnes Unternehmen (hier: O2) richten. Nach 15 Sekunden soll er weitergeleitet werden, oder er klickt (manuell) auf einen Link, der ihn weiterführt. Solche Werbeformen sind mir ansonsten nur von Spieleseiten bekannt - auf einer renomierten Seite wie ZEIT Online aber eher fehlplatziert.

Im “Meckerblog” von ZEIT Online diskutieren seitdem einige Leser der Internetseite. Eingeschaltet haben sich auch Chefredakteur Gero von Randow und der ZEIT-Geschäftsführer. Diverse ZEIT-Abonnenten kündigten an, die Online-Ausgabe nicht mehr zu besuchen. Verständlich.

Heute ist übrigens keine Vorschaltseite geschaltet.

Es war eine Nachricht, die es am Dienstag gleich zur Topmeldung schaffte - das deutsche Volk solle an seiner eigenen Regierungsform zweifeln, an der Demokratie, berichtete unter anderem Spiegel Online. Stimmt nicht, beruhigte Zeit Online-Chefredakteur Gero von Randow am nächsten Tag. Die Journalisten hätten die Umfrage von Infratest dimap falsch interpretiert. Die Frage sei gewesen, “sind Sie mit dem Funktionieren der Demokratie in Deutschland zufrieden?” - nicht mehr, nicht weniger. In der Tat: Unter diesen Umständen heißt es nicht, dass die Deutschen das System verurteilten. Vielmehr bringen sie ihren Unmut über die Große Koalition in solchen Umfragen zum Ausdruck. Vielleicht sollte uns das zu denken geben. Einmal abgesehen davon, dass manche Journalisten besser recherchieren sollten - nicht mehr, nicht weniger.