System mit Lücken
8. Juni 2007
Die Amerikaner (bzw. der Secret Service) haben versucht, ihre deutschen Kollegen zu testen, indem sie probierten, leichten Sprengstoff nach Heiligendamm zu schmuggeln - ohne Chance. Der Verfassungsschutz verbat vor dem G8-Gipfel einem Redakteur der taz eine Presseakkreditierung, musste allerdings aufgrund des öffentlichen Druckes klein beigeben: Felix Lee war in diesen Tagen dabei.
Nur eines, das bemerkte die deutsche Gründlichkeit nicht: Dass sich Konstantin Schukman als Pressevertreter für eine deutsch-russische Zeitung akkreditierte, die es gar nicht gibt.

Putin: Eben noch bei der Bundeskanzlerin, später vor der Weltpresse in der Kritik
Foto: Bundesregierung/Bergmann
So war es für den jungen Mann kein Problem, heute Mittag auf der vor internationaler Presse abgelaufenen Pressekonferenz mit Wladimir Putin seinen Unmut kund zu tun. Lautstark sprang Schukman (ein Deutschrusse) während der PK auf und schmiss Protestblätter um sich. Andere (wirkliche) Journalisten schnappten sich schnell die Blätter, Putin demonstrierte Gelassenheit. Seine Leibwächter wollten einschreiten, doch Putin ist Polit-Profi genug um zu wissen, dass Ruhe jetzt angebrachter wäre.
Der russische Präsident sprach Deutsch: “Jetzt lassen Sie uns in Ruhe”, sagte er. “Geben Sie mir Zeit, das zu beantworten. Einverstanden? Ist das demokratisch? Setzen Sie sich hin!” Sichtlich aufgebracht, folgte der russische Oppositionelle Schukman dem Wunsch Putins. Der argumentierte, sein Land habe viele Schwierigkeiten gehabt und er verbiete sich, dass die “Demokratie” in Russland zerstört werden würde.
Konstantin Schukman hatte sein Ziel immerhin erreicht: Die Presse spricht über ihn. Berichte darüber unter anderem auf Focus Online oder sueddeutsche.de. Das Bundespresseamt darf sich derweil fragen, wie ein “Journalist” einer nicht-existierenden Zeitung bei den ach so wichtigen Sicherheitsvorkehrungen akkreditiert werden konnte. Putin spürte unterdessen etwas, das er aus seinem Land in dieser Nähe nicht kennt: Kritik an seiner Person. Insofern hatte der Auftritt von Herrn Schukman auch etwas Positives.
Bekannt und gefragt für einen Tag
8. Juni 2007

Die 16-jährige Schülerin neben ihrer Bundeskanzlerin Merkel
Foto: Bundesregierung/Plambeck
Lisa Marie Ullrich ist bekannt und gefragt. Zumindest war sie das gestern, urplötzlich - und das Ganze nur, weil sie als eine von acht Deutschen in Heiligendamm vorbeischauen durfte. Sie traf Bush, Merkel, Blair, Putin, Sarkozy und Co., kritisierte und forderte; lief gemütlich links neben Bush, hinter Merkel, umrungen von lauter Presse aus der ganzen Welt. Und dann noch vorhin im Live-Interview mit Anne Will in den ARD-Tagesthemen. Was ein Tag!
Das macht die 16-jährige Schülerin vom Internatsschloss Hansenberg sexy, irgendwie. Nicht anders lässt sich erklären, dass in ihrem Profil auf dem SchülerVZ bislang lediglich Jungs gratuliert haben. Wohlgemerkt: Es ist gut, ihr zu gratulieren. Den Tag wird das Mädchen womöglich nicht mehr vergessen. Doch ist es seltsam, dass sich alleine Jungs an den Glückwünschen beteiligen, wie Alexander erkannt hat. Frauen, wo seid ihr?

Mitglieder von der “Gruppe der Acht” mit den J8-Teilnehmern auf dem Familienfoto
Foto: Bundesregierung/Kühler
Lisa Marie hat mit 74 Mädchen und Jungen aus der ganzen Welt im Rahmen des so genannten “J8-Gipfels” getagt und durfte am Donnerstag stellvertretend für die deutschen Teilnehmer in die “verbotene Zone” reisen.
Live aus dem Wald
6. Juni 2007
Berichterstattung live aus den Wäldern um Heiligendamm - das gibt es im tagesschau.de-Weblog, den ganzen Tag über. So lobe ich mir eine Vor Ort-Berichterstattung. Derweil berichtet Spiegel Online von Einschränkungen im Medienzentrum. Auf der gleichen Seite wird bildhaft das “wahre Kräfteverhältnis” beim G8-Gipfel dargestellt: Eine große Gruppe von Journalisten steht vor einem Haufen Polizisten, die auf dem Weg sind, die Massen an Demonstranten aufzuhalten.