Bundespräsident Horst Köhler schlug am Sonntag bei der letzten Sendung von Sabine Christiansen in der ARD vor, sein Amt in Zukunft direkt vom Volk wählen zu lassen. Mehr Demokratie also. Warum auch nicht? Klar: Es würde einen Wahlkampf geben. Andererseits: Warum muss das höchste Amt im Lande vom Parlament vergeben werden, sollte nicht das Volk in einer Demokratie das Recht dazu haben? Meiner Meinung nach wäre es nicht einmal notwendig, dem Bundespräsidenten mehr Möglichkeiten einzuräumen. Durch das Recht, Gesetze zu kassieren, kann er sich genügend beteiligen. Nur mehr in die Tagespolitik einschalten, so wie Köhler es letztens öfters gemacht hat, das wäre gut - quasi als die bessere Stimme der Politik, die überlegendere.

Was lange währt, wird endlich gut: Wurde der Kampf gegen schlechten Boulevardjournalismus bislang - wenn auch erfolgreich - von wenigen Menschen geleistet, scheint in dieser Woche der Knoten geplatzt.

Am Mittwoch wetterte der Kommentarchef der WamS auf seinem Blog (welt.de) gegen Kai Diekmann, den Chefredakteur der BILD-Zeitung. Großer Aufruhr in der Medienbranche: Diekmann lies den Eintrag schnell entfernen, war jedoch langsamer als aufmerksame Leser. Auf diversen Seiten wird der komplette Kommentar von Alan Posener dokumentiert. Darüber berichteten unter anderem Spiegel Online, Süddeutsche Zeitung und taz. Das Problem bei der Sache: BILD und WELT erscheinen im gleichen Verlag.

Schien die Sache seitens Axel Springer-Verlag am Mittwochabend weitestgehend bereinigt, folgte kurz darauf eine weitere Aktion kontra Diekmann: Die welt.de-Satireseite erlaubte sich in einer Umfrage zu fragen, wer von Bundespräsident Horst Köhler noch begnadigt werden sollte. Als Abstimmungsmöglichkeit wurde zum Beispiel “Kai Diekmann” genannt. Inzwischen wurde der Name durch “Knut” ersetzt. Das BILDblog konnte die Umfrage jedoch rekonstruieren.

Dabei blieb es allerdings immer noch nicht. Gar der Nachwuchs lässt seinen Unmut über die große Schwester freien Lauf: Im JEPBlog der “Axel Springer Akademie” wurde ein Video von bild.de mit dem “JEPBlog Award der Woche” ausgezeichnet - für die schlimmste Fehlleistung der letzten sieben Tage. Peinlich, peinlich - für BILD (Online) und Diekmann.

Es scheinen uns witzige Wochen zu erwarten. Der Kampf gegen schlechten Boulevardjournalismus wird nunmehr auch Springer-intern geführt. Solle der Bessere gewinnen!