Was lange währt, wird endlich gut: Wurde der Kampf gegen schlechten Boulevardjournalismus bislang - wenn auch erfolgreich - von wenigen Menschen geleistet, scheint in dieser Woche der Knoten geplatzt.

Am Mittwoch wetterte der Kommentarchef der WamS auf seinem Blog (welt.de) gegen Kai Diekmann, den Chefredakteur der BILD-Zeitung. Großer Aufruhr in der Medienbranche: Diekmann lies den Eintrag schnell entfernen, war jedoch langsamer als aufmerksame Leser. Auf diversen Seiten wird der komplette Kommentar von Alan Posener dokumentiert. Darüber berichteten unter anderem Spiegel Online, Süddeutsche Zeitung und taz. Das Problem bei der Sache: BILD und WELT erscheinen im gleichen Verlag.

Schien die Sache seitens Axel Springer-Verlag am Mittwochabend weitestgehend bereinigt, folgte kurz darauf eine weitere Aktion kontra Diekmann: Die welt.de-Satireseite erlaubte sich in einer Umfrage zu fragen, wer von Bundespräsident Horst Köhler noch begnadigt werden sollte. Als Abstimmungsmöglichkeit wurde zum Beispiel “Kai Diekmann” genannt. Inzwischen wurde der Name durch “Knut” ersetzt. Das BILDblog konnte die Umfrage jedoch rekonstruieren.

Dabei blieb es allerdings immer noch nicht. Gar der Nachwuchs lässt seinen Unmut über die große Schwester freien Lauf: Im JEPBlog der “Axel Springer Akademie” wurde ein Video von bild.de mit dem “JEPBlog Award der Woche” ausgezeichnet - für die schlimmste Fehlleistung der letzten sieben Tage. Peinlich, peinlich - für BILD (Online) und Diekmann.

Es scheinen uns witzige Wochen zu erwarten. Der Kampf gegen schlechten Boulevardjournalismus wird nunmehr auch Springer-intern geführt. Solle der Bessere gewinnen!

Bei aller Sympathie für den Berliner Zoo dank Knut: Es gibt auch Kritik. Der Deutsche Journalistenverband (DJV) kritisiert den Umgang des Zoos mit den Journalisten. Solche, die sich für den Pressebereich akkreditieren wollen, müssen eine Erklärung per Fax unterschrieben an die Zoo-Verwaltung schicken. Mit dieser Erklärung (PDF) verpflichtet sich die Presse, “Materialien nicht für Darstellungen zu verwenden oder zu überlassen, die die Zoologischer Garten Berlin AG oder ihre Mitarbeiter in einem ungünstigen Licht erscheinen lassen”.

Der DJV wittert (zurecht) eine Beeinflussung der Pressefreiheit. “Der Berliner Zoo hat nicht das Recht, in die Freiheit der Berichterstattung einzugreifen”, kritisiert Michael Konken, DJV-Bundesvorsitzender. “Der Berliner Zoo muss künftig alle Versuche unterlassen, Berichterstattung zu steuern.”