Europe Music Awards 2007: MTVs großer Reinfall
1. November 2007
Was war heute los mit den MTV Europe Music Awards in München? Ich habe mich so auf den heutigen Abend gefreut - und wurde doch so enttäuscht. Die Musikakts waren eher enttäuschend. Amy Winehouse stand auf der Bühne als wäre sie nicht bei vollem Bewusstsein, lediglich ihre grandiose Stimme konnte mich entzücken.
Snoop Dogg war ein großer Reinfall und erreichte längst nicht die Stärke eines Sacha Noam Baron Cohen alias Borat. Zu allem Überdruss kam die Stimmung in der Halle mies rüber. Sonst ist man großes Geschreie und eine bombastische Stimmung gewohnt - nichts davon habe ich gehört. Statt bis Mitternacht, ging die Show zudem nur bis 23:20 Uhr.
Woran lag es, dass die EMA’s 2007 so schlecht waren? Lag es daran, dass in Bayern heute Allerheiligen war und die Behörden die Veranstaltung mit viel Bauchschmerzen genehmigten? War MTV mit München nicht zufrieden und wollte das mit einer schlechten Show demonstrieren?
So werde ich mir 2008 zweimal überlegen, ob ich mir die EMA’s in Liverpool ansehen werde.
“Spiegel Online” baut seine Redaktion weiter aus
8. Oktober 2007
Deutschlands Leitmedium (Platz 7 insg. in Deutschland lt. IVW) für Nachrichten, SPIEGEL ONLINE, ist stetig dabei, seine Redaktion auszubauen. Um den Platz zu behaupten, kann “SpOn” dem Bürgerjournalismus-Trend länger nicht mehr entgehen.
Wie bereits berichtet, arbeitet die Redaktion an dem Projekt “einestages”. Mit Bildern, Texten und Videos wird Zeitgeschichte aufgeschrieben, sowohl von professionellen Autoren als auch von Ihnen, dem gemeinen Bürger. Mit dabei ist unter anderem Solveig Grothe, ehemalige Projektleiterin der “Readers Edition”. Die erste Betaversion ging heute am Samstag online.
Aber auch das Korrespondenten-Netz entwickelt sich stetig weiter. Statt, wie etwa stern.de, auf die Hilfe des großen Printmagazines zurück zu greifen, beschäftigt “SpOn” inzwischen drei Korrespondenten im Aus- und neun (acht Mal Berlin, einmal München) im Inland. Neu hinzu gekommen ist Gregor Peter Schmitz, der zukünftig aus Washington berichtet. Marc Pitzke aus New York und Ulrike Putz aus Beirut waren bereits in den letzten Wochen im Impressum als Korrespondenten aufgetreten.
Damit zeichnet sich ein neuer Trend ab, der als Erfolg des Online-Journalismus gewertet werden kann. Der erste deutsche Verlag investiert in ein umfangreiches Korrespondenten-Netz im In- und Ausland. Bislang profitierten lediglich große Redaktionen aus Agenturen, Fernsehen und Print von solcher Vielfältigkeit.
Es dürfte eine Frage der Zeit sein, bis “SpOn” sein Netz nach Asien und ggf. Westeuropa (Paris, Rom, Wien et cetera) ausweitet und die ersten Konkurrenz-Portale nachziehen. Das entsprechende Kapital dürfte bei “Focus Online” und “sueddeutsche.de” vorhanden sein. Und es ist nicht lange her, da kündigte der “Stern”-Verlag an, sein Online-Ableger zum führenden Nachrichten-Magazin im Web zu machen. Wenn auch solche Phrasen trotz 16,2 Prozent Besucheranstieg etwas verblassen, sollte doch ob solcher Ankündigungen das notwendige Kapital für ein weltweites Korrespondenten-Netz vorhanden sein - oder?
Niggemeier: Das Alphatierchen in der Blogosphäre
26. Mai 2007
Wer auf die “Deutsche Journalistenschule” darf, hat es geschafft. Er gehört mit zur Elite des journalistischen Nachwuchses. Die Schule ist zusammen mit der Henri-Nannen-Schule in Hamburg die populärste Lehrstätte für Schreiberlinge. Günther Jauch lernte einst sein Handwerk in München, Sandra Maischberger auch, oder Ulrich Wilhelm, der derzeitige Chef des Bundespresseamtes.
Stefan Niggemeier, Jahrgang 1969, in Harderberg (Landkreis Osnabrück) geboren, darf sich mit zu den “renommierten Journalisten” zählen, die Wikipedia auflistet. Er ist vor allem ein Mensch, der lieber über Menschen schreibt, die selbst schreiben. Quasi der Kontrolleur der Kontrolleure. Medienjournalisten haben wenig zu befürchten, sie können frei schreiben, was sie von ihren Kollegen halten - und das ist meist etwas Schlechtes, Lob kommt selten. Niggemeier durfte das einst bei der Süddeutschen Zeitung praktizieren. Heute gehört ihm mit einem Kollegen das BILDblog, sein eines Standbein. Das andere: Freier Mitarbeiter für die “Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung” (FAS).
Mehr als 40.000 Menschen lesen täglich das BILDblog, lesen, welche Fehler die BILD-Zeitung während ihrer Arbeit macht. 2004 wurde die Seite dafür von der Deutschen Welle ausgezeichnet, 2005 folgte der Leuchtturm-Preis des Netzwerk Recherche, vor wenigen Woche haben Stefan Niggemeier und Konsorten den dritten Platz des “LeadAwards” belegt, für das “beste Weblog des Jahres”. Und, nicht zu vergessen: 2005 der Grimme Online Award.
Apropos Grimme: Im letzten Jahr muss es gewesen sein, als plötzlich Niggemeiers privates Blog in der Öffentlichkeitswirkung ähnlichen Zuspruch genoss wie das BILDblog. Für den diesjährigen Online Award wurde Niggemeier privat vorgeschlagen.
Sein Erfolgsrezept: Medien kritisieren, stets dran bleiben, auch mal Themen herausnehmen, die skandalträchtig sind. “Kurz korrigiert” heißt das in der Niggemeier-Sprache, der “Nachtrag, UHRZEIT” ist ebenfalls ein Markenzeichen des Medienjournalisten. Kurz: Stefan Niggemeier hat die Zeichen der Zeit erkannt, sahnt einen Preis nach dem anderen ab, sitzt plötzlich in jeder Jury - kürzlich bewertete er Brickfilme, von denen er zuvor nie etwas gehört hatte.
Nachdem er die BILD-Zeitung bearbeitet hat, folgt nun ein neues Ziel: 9Live und das gesamte System von “HotButton”-Abzockern. Erst kürzlich gab es einen Schlagabtausch via der FOP-Achse: Fernsehen-Online-Print. Niggemeier legte sich mit Max Schradin an, der live in 9Live eine Kolumne aus der FAS vorgelesen hatte. Derartige Aktionen machen Niggemeier kult - und zum ersten, wahren Gewinner der Blogosphäre in Deutschland.
Die Medien sind bereit - ist es auch die Mannschaft?
15. Januar 2007
Die Handball-Euphorie beginnt zu entfachen. In einer Umfrage auf ZDF.de glauben 55 Prozent der Teilnehmer (bislang: 1 920), dass Deutschland die Weltmeisterschaft im eigenen Land gewinnt.
Traurig ist man hingegen in Berlin: In der Hauptstadt wird lediglich ein Spiel veranstaltet. Immerhin wird die Handball-WM in Berlin eröffnet - am Freitag um 17:30 Uhr Deutschland gegen Brasilien (live im ZDF und auf www.zdf.de). Das Spiel ist natürlich ausverkauft, 10 000 Sportverrückte finden in der Max-Schmeling-Halle Platz. “Wir hätten auch 20 000 Karten für das Eröffnungsspiel verkaufen können”, sagte WM-Botschafter Bob Hanning auf ZDF.de.
Erste gut besuchte General Interest-Webseiten sind bereit auf das größte Sportereignis 2007 in Deutschland. Die ARD bewirbt ihr Handball-WM-Spezial genauso auf der Startseite wie das ZDF. Auch Spiegel Online ist vorbereitet für die Meisterschaft. Focus Online sammelt seine Beiträge ebenfalls auf einer extra Seite.
Erhard Wunderlich (Handball-Weltmeister 1978) kritisierte auf der Netzeitung den deutschen Bundestrainer Heiner Brand, die Verantwortlichen hätten “definitiv zu wenig getan”, um eine Euphorie in Deutschland zu entfachen. Aber: Das dachten wir im vergangenen Jahr zum Start der Fußball-WM ja auch. Wunderlich sieht durchaus eine Chance für die deutsche Mannschaft, in den nächsten Wochen weit zu kommen - nach dem Halbfinale sei alles drinnen. “Ich glaube, dass die Mannschaft so charakterstark ist, dass sie nervlich mit dem Druck, der auf ihr lasten wird, gut umgehen kann.”
Am Wochenende verlor Deutschland das letzte offizielle Testspiel vor dem WM-Start. Ägypten gewann in München mit 30:29 gegen eine verletzungsbedingt schwache deutsche Mannschaft. Laut dem deutschen Trainer sollen die wichtigen Spieler bis zum Start am Freitag wieder fit sein.
Jetzt fehlen nur noch Siege - und Fanmeilen.