Eigentlich sollte es so schön werden: Ariane Reimers bereitete sich ausgiebig für ihre Reise in den Himalaya vor. Da die Chinesen lediglich einen Journalisten pro Medium zulassen wollten, ist sie Korrespondentin, Kamerafrau und Technikerin in Personalunion, etwas ungewohnt für die öffentlich-rechtlichen Mitarbeiter.

Doch gleich nach der Ankunft in China wurden die elf internationalen Journalisten (ARD und ZDF für Deutschland, u. a. noch BBC und Reuters) vom Informationsfluss abgeschnitten. Die chinesischen Organisatoren haben für die Korrespondenten ein umfangreiches Programm zusammengestellt, mit ausgewählten Interview-Partnern und tollen tibetischen Klöstern, um die Berichterstatter davon abzuhalten, eigenständig zu recherchieren. Frau Reimers hat selbst diesen Eindruck, bloggte sie auf tagesschau.de. Außerdem wird sie und ihre Kollegen davon abgehalten, sich auf die ungewöhnliche Höhe von 5.200 Meter Höhe vorzubereiten (Akklimatisierung) und in das so genannte “Basis-Camp” auf dem Mount Everest zu reisen.

Stattdessen muss Frau Reimers weiterhin viele Kilometer davon entfernt haren und auf das Weiter warten. Informationen, wann es weiter geht, und wo die olympische Fakel, um die es ja ursprünglich geht, derzeit ist, wann sie am Himalaya ankommt - das wir den Journalisten vorenthalten. Doch die westlichen Medien machen keine Anstalt, öffentlich zu protestieren. Frau Reimers berichtete zwar gestern wieder kritisch über ihre Umstände, doch der eigentliche Skandal wird unzureichend publik gemacht. Das muss sich unbedingt ändern, denn eine vorgebetete Berichterstattung ist nicht das, was ich mir vorstelle.

Noch ist tagesschau.de, das Nachrichtenportal der ARD, von der chinesischen Zensur nicht blockiert. Doch Druck auf das Flagschiff seriösen deutschen Journalismus wird von der Führung in Peking indirekt ausgeübt. Nachdem die “tagesschau.de”-Redaktion eine Umfrage schaltete, ob der Fackellauf der Olympischen Spiele abgesagt werden solle (Optionen: Ja oder Nein, Ist mir egal), gab es ein übermäßiger Ansturm auf die Umfrage. Selbst, als die Redaktion, die das große Interesse bemerkte, die Abstimmung offline nahm, wurde die Adresse weiterhin deutlich häufiger aufgerufen als die Startseite von “tagesschau.de”. Eine ARD-Reporterin aus China lüftete heute Morgen das Rätsel, woher genau die Anfragen kommen: Mehrere tausend Websiten aus China haben dazu aufgerufen, sich an der Umfrage zu beteiligen - und setzten gleich Direktlinks, um für das “Nein” abzustimmen.