Es ist auf einer gewissen Art und Weise amüsant, wie die Freude an der deutschen Mannschaft vor zwei Jahren zu einer nationalen Euphorie-Bewegung wurde. Trotz einem lediglich dritten Platz war Deutschland “Weltmeister der Herzen” und ein geglücktes “Sommermärchen” mündete in einem Empfang vor dem Brandenburger Tor, bei dem die Mannschaft rund einer Millionen Deutschen vor Ort und vielen weiteren an den Fernsehern “Danke” sagte.

In diesem Sommer ist es wieder soweit: Die Fähnchen können herausgeholt, Großbildleinwände aufgestellt und der Sommer herbeigesehnt werden. Österreich und die Schweiz sind Gastgeber, sodass es die Deutschen nicht sonderlich weit haben. Das spricht für volle Stadien voller “schwarz-rot-geil” (”Bild”-Zeitung). Naturgemäß sind die Gastgeberländer stets motiviert und man sollte die Alpenstaaten nicht unterschätzen. Trotz alledem hat unsere Mannschaft gezeigt, wer das Sagen auf dem Platz hat. Nach einem - zugegebenermaßen eher schlechten - 3:0 gegen die “Össis”, überzeugten Mario Gomez & Co. gestern Abend beim 4:0 in Basel gegen unsere Freunde aus der Schweiz.

Die deutsche Mannschaft wird es bei der diesjährigen Europameisterschaft vergleichsweise einfach haben. Dankenswerterweise spielen Frankreich, Italien und die Niederlande alle in der Gruppe C, aber nur zwei kommen weiter. Außerdem haben es die Engländer versäumt, sich zu qualifizieren. Wir Deutsche spielen hingegen lediglich gegen die Österreicher, Kroaten und die von der WM bekannten Polen (1:0 durch Neuville). Es sieht gut aus. Und die Euphorie könnte wieder rechtzeitig entfachen. Die Medien fangen bereits wieder an, Stimmung zu machen. In einem Ankündigungs-Video (Neudeutsch: Trailer) zum gestrigen Abend demonstrierte das ZDF die “Pizza-Boykott”-Mentalität von unseren Freunden des Boulevards. Es könnte uns ein heißer Sommer bevorstehen!

Es gehört fest zur deutschen Fernsehgeschichte und versammelt einmal im Jahr Millionen Zuschauer vor den Fernsehern: “Dinner for One”.

1963 vom NDR produziert, genießt “Dinner for One”, oder: “Der neunzigste Geburtstag”, im deutschsprachigen Raum Kultstatus. Über zehn Millionen Menschen verfolgten insgesamt den Film letztes Jahr in Deutschland.

Miss Sophie (May Warden) begeht ihren 90. Geburtstag. Sie lädt vier ihrer Freunde - Sir Toby, Admiral von Schneider, Mr. Pommeroy und Mr. Winterbottom - ein, die allesamt aber längst, der letzte vor vielen Jahren, verstorben sind. Also muss Butler James (Freddie Frinton) die Rolle des Quartettes übernehmen. Er serviert nicht nur das Essen und die Getränke, sondern trinkt auch für die vier “anwesenden” Gäste mit - stets alkoholische Getränke: Champagner, Portwein, Sherry und Weißwein.

Legendär ist die Frage von James: “The same procedure as last year, Miss Sophie?”. Sie erwidert: “The same procedure as every year, James”, wobei die Betonung auf “every”, zu Deutsch: “jedes”, liegt. Diesen Dialog gibt es vor jedem Gang. Da James jedoch durch die Alkoholika schnell angetrunken ist, wird sein Englisch von Getränk zu Getränk schlechter, später nur noch nuschelnd zu verstehen. Außerdem fällt er über einen am Boden liegenden Tigerkopf. Unvergessen ist auch sein Rülpser und das “Skall!”.

Vor dem Beginn der eigentlichen Dialoge zwischen Miss Sophie und James gibt es eine erläuternde Einleitung, gesprochen von Heinz Piper. “Dinner for One” gefällt vor allem durch die vielen kleinen und versteckten Witze, die das Publikum, im Hintergrund zu hören, stets lachen lässt.

International verbreitet

“Dinner for One” gibt es in mehreren Fassungen. Das Schweizer Fernsehen hat eine kürzere Version (11 Minuten, anstatt 18 in Deutschland) gedreht. Ferner existiert noch eine dänische Fassung, wo alle vier Gäste noch leben. Kultstatus hat der Film auch in Norwegen, Schweden, Südafrika und Österreich. In England wurde “Dinner for One” bereits ausgestrahlt, ist allerdings nicht weit verbreitet. Da die deutsche Fassung englischsprachig ist, unterscheiden sich die Versionen in beiden Ländern nicht. Seinen Ursprung soll der Film in England haben: Lauri Wylie schrieb die Geschichte dazu bereits in den 20er Jahren. Ab 1945 soll der Film im englischen Varieté-Theater Winter Gardens aufgeführt worden sein. Im deutschen Fernsehen feierte “Dinner for One” am 9. Dezember 1961 seine Premiere.

Diesjährige Sendetermine

Im Folgenden dokumentiere ich alle Sendetermine am Montag, den 31. Dezember 2007. Darunter auch interessante Formate wie “Dinner for One auf Hessisch”. (Der orginale Film ist kursiv markiert.)

  • 13:35 Uhr, Dinner for One - up Platt, NDR
  • 14 Uhr, Dinner for One auf Hessisch, HR
  • 14:05 Uhr, Dinner for One - das Dinner, NDR
  • 16:05 Uhr, Dinner for One, NDR
  • 16:30 Uhr, Dinner for Wan(ne), WDR
  • 16:35 Uhr, Dinner for One auf Hessisch, NDR
  • 17:25 Uhr, Dinner for One - die Dokumentation, NDR
  • 17:55 Uhr, Dinner for One, NDR
  • 18:50 Uhr, Dinner for One, WDR
  • 19 Uhr, Dinner for One, BR
  • 19 Uhr, Dinner for One, MDR
  • 19:05 Uhr, Dinner for One, RBB
  • 19:10 Uhr, Dinner for One, HR
  • 19:30 Uhr, Dinner for One - up Platt, EinsLive
  • 19:40 Uhr, Dinner for One, NDR
  • 22:35 Uhr, Dinner for One, HR
  • 23:40 Uhr, Dinner for One, NDR
  • 00:02 Uhr, Dinner for One, BR
  • 00:50 Uhr, Dinner for One auf Hessisch, HR
  • 04:15 Uhr, Dinner for One - up Platt, EinsLive
  • 04:30 Uhr, Dinner for One - die Dokumentation, NDR

Dieser Artikel ist eine überarbeitete Version von einem Text aus 2005, den ich bei TVBlogger schrieb. Eine weitere Zusammenfassung gibt es auf der gleichen Seite von Daniel Richter.

Leider, leider - auch beim vierten Versuch wurde Österreich die Ausrichtung der Olympischen Spiele versagt. Tränen in Salzburg, und das trotz sympatischer Bewerbung der Stadt, sowie einem Auftritt von Bundeskanzler Gusenbauer in Trachtenkleidung. Niederlage auch für Pyeongchang, die kleine Wintersportstadt in Südkorea.

Große Freude dafür in Rußland: Sotschi wird die Olympischen Winterspiele 2014 ausrichten. Ein Auftritt von Putin und viele Versprechungen waren wohl der Ausschlag für Sotschi, die Stadt am Schwarzen Meer. Als großer Geldgeber soll das umstrittene, russische Unternehmen Gazprom argieren.

“Geld regiert die Welt”, war die Reaktion des Eurosport-Reporters. Dem kann ich nur beipflichten. Klar ist: Sotschi 2014 - nein, danke!

Ärger gab es in Wien, der österreichischen Hauptstadt. Die dort ansässige SPIEGEL-Korrespondentin Marion Kraske wurde von zwei Polizisten wegen Überfährt einer roten Ampel mit ihrem Fahrrad zu einer Geldstrafe verdonnert. Da sie weder Geld noch einen Personalausweis dabei hatte, sollte die Journalisten abgeführt werden. Doch sie weigerte sich, und ihr Vorschlag, im Büro des Spiegels zwecks Klärung ihrer Identität anrufen zu dürfen, wurde abgelehnt. Als sie dann versuchte, die deutsche Botschaft mittels ihres Mobiltelefons zu kontaktieren, sei ihr es abgenommen worden. Dann kam es gar noch zu einem, wenn auch ungewollten Schlag in das Gesicht eines Polizisten, was von der Wiener Polizei als “Ohrfreige” bezeichnet wird.

Resultat der “Lappalie”: Eine Note der deutschen Botschaft an das Außenministerium von Österreich, einen bösen Brief des Spiegels an den Polizeipräsidenten und eine nette Geldstrafe in Höhe von 281 Euro für Frau Kraske. Ärzte stellten bei ihr Prellungen fest. Derweil sprachen die deutschen Diplomaten von einem “Völkerrechtsbruch”. Tja, so endet eine Geschichte, wenn man sich mit einem wichtigen, deutschem Medium anlegt.

Wie per Zufall veröffentlichte die österreichische Tageszeitung “Die Presse” pünktlich zu meinem 19. Geburtstag einen Blogeintrag vom Dienstag - mein erster Artikel im “Fangnetz”. Danke für dieses Geschenk, liebe “Die Presse”!

Die Presse
Der Anfang meines Artikels in der heutigen Ausgabe von “Die Presse”. Rechts daneben: Ein anderer Blog.

Ich muss mich jetzt selbst ein wenig lächerlich machen - und zwar für eine Wortschöpfung, die mir im Winterurlaub in der Ramsau, Österreich, plötzlich durch den Kopf ging. Und zwar geht es um den Begriff “Pinter” als Alternative zum inzwischen verbrauchten und durch die Presse zuweilen auch missbrauchten “Kampfhund”. Mal schauen, wann “Pinter” als Alternativwort im Duden steht.

Mittlerweile habe ich mir schon angewöhnt, “Pinter” zu sagen, genauso wie ein kleiner Teil meiner Familie. Bislang wurde der Begriff auf Seiten meiner Familienmitglieder lediglich als ironischer Seitenhieb auf mich benutzt. Das darf sich ab heute ändern.

Nächstes Jahr findet die Fußball-Europameisterschaft in Österreich und der Schweiz statt. Heute hat der Kartenvorverkauf begonnen: Unter www.euro2008.com können bis zum 31. März in der ersten (!) Runde Karten bestellt werden. Wie bei der WM im vergangenen Jahr in Deutschland, entscheidet das Los, wer eine bekommt - und wer Pech hat. Es ist egal, ob die Karten bereits heute, in zwei Wochen, oder erst am 31. März bestellt werden. Jedermann hat die gleichen Chance.

Mir ist aufgefallen, dass die Preise für die Euro 2008 teurer sind als bei der WM 2006 bei uns. Trotz alledem werde ich mich für Karten bewerben. Auf dass Deutschland Europameister wird!

Ach, war des en scheenes Wochenende - in Österreich! Von Freitag bis zum Brückentag am vergangene Montag war ich im Kurzurlaub im schönen Alpenland, in der Ramsau zum Wandern. Zu meiner großen Freude war parallel die Nationalratswahl, bei dieser die ÖVP der SPÖ unterlag, beide Volksparteien jedoch voraussichtlich in eine Große Koalition gehen, wie bei uns Deutschen die CDU mit der SPD - nur das bei unseren Nachbarn nicht die Christdemokraten, sondern die Sozialdemokraten die Wahl gewonnen haben.

Angetreten war auch ein Herr Hans-Peter Martin (Artikel in DER ZEIT, 31. August). 1957 in Bregenz geboren, war der promovierte Jurist Korrespondent für das deutsche Nachrichtenmagazin DER SPIEGEL. Später kanidierte Martin für die SPÖ bei der Europawahl (1999) als Spitzenkandidat; seit dem ist er Mitglied des Europaparlaments. Den Sozialdemokraten trat er jedoch nie bei.

Bei der diesjährigen Nationalratswahl in “Austria” versuchte er sich mit einer eigenen “Partei”, der so genannten “Liste Dr. Martin”. 2004 hatte er bereits Erfolg mit ihr: 13,98 Prozentpunkte der Stimmen sicherten ihm einen weiteren Platz ohne die SPÖ im Europaparlament. Bei den diesjährigen Wahlen jedoch unterlag er - deutlich. Nur 2,83 Prozentpunkte verwehren seiner Liste den Einzug nach Wien.

Und wer ist schuld an dieser Niederlage? Ja, natürlich - der ORF ist schuld! Man habe ihm nicht die Möglichkeit gegeben, die Wähler zu erreichen. Und, vor allem: Zehn Millionen Euro hat er auch nicht. Zehn Millionen! Die braucht man, um in den Nationalrat einzuziehen, so Herr Dr. Martin am Sonntagnachmittag im ORF 2-Interview, kurz nach den ersten Wahlergebnissen. Die ORF-Moderatorin, schier verzweifelt, hätte am liebsten das Gespräch wegen den Vorwürfen gegen den ORF beendet, musste versuchen, den Demokraten zu bändigen. Sie überlebte das Gespräch. Die Vorwürfe bleiben.

Ob Herr Martin bei der nächsten Wahl noch einmal Glück hat? Oder wird der böse, böse ORF (Öffentlich-Rechtlich) entlarft, dass er der Liste keine Stimme gegeben hat? Mh…?