Die kommerziellen Medien möchten die Offensive der Öffentlich-Rechtlichen (ÖR) im Internet gerne verhindern und kämpfen seit Monaten energisch in ihren Publikationen und vor der Politik gegen einen Ausbau. Jetzt schlägt die ARD zurück - mit einem 45-minütigen Film, der heute Abend ausgestrahlt wurde. Zwar kamen auch die Privaten ausgiebig zu Wort, doch wurde vor allem dem Sender RTL Propaganda kontra ÖR vorgeworfen.

“Spiegel”-Chefredakteur Mathias Müller von Blumencron zeigte sich hingegen kompromissbereit und nannte etwa tagesschau.de einen “fairen Wettbewerber”, man beobachte sich gegenseitig. Allerdings verwäre er sich einer Erweiterung. Andere Gesprächspartner nannten die Finanzkraft der ÖR als eine Gefahr, die Privaten könnten nicht mithalten.

Der Film beschäftigte sich alleine zehn Minuten lang dann auch mit den Gefahren der Privatsender. Der Autor des Filmes, Thomas Leif (SWR), demonstrierte die Schattenseiten von RTL, Sat.1, ProSieben & Co. und kritisierte zugleich die laschen Kontrollen der Landesmedienanstalten. Eine Kernaussage des Filmes war, dass es bei den Privaten an Qualität fehle. Um dies zu untermauern, sprach ein “Insider” über die Rationalisierung bei Sat.1, die vom Unternehmen “McKinsey” gesteuert wurde, welche in der Konsequenz das Informationsprogramm verringte.

Sehenswert war der Film sicherlich, doch spannend wird die Reaktion der kommerziellen Sender. Möge der Bessere gewinnen …

Stefan Niggemeier meldete sich wieder einmal zu Wort - in einem Artikel in der “FAS”, die den Titel “Freier Hass für freie Bürger” trägt. Darin berichtet er über das Weblog “Politically Incorrect” (PI), das kürzlich erst aus “Google News” entfernt wurde. Laut Niggemeier sei es nicht mehr als der “unautorisierte, über die Stränge schlagende Fanklub von Broder und seinen Kollegen aus dem Netzwerk ‘Die Achse des Guten’”. Gewagt, gewagt. Henryk M. Broder ist Autor beim SPIEGEL und schrieb das Buch “Hurra, wir kapitulieren!”, über das Einknicken vor dem Islamismus. Aus einem ähnlichen Schlag ist Udo Ulfkotte, wohl nur noch etwas stärker. Beide beschreiben in ihren, wie ich finde lesenswerten, wenn auch nicht unumstrittenen Büchern, wie die Muslime versuchen, den Islam nach Deutschland zu bringen und ein Kalifat zu errichten.

Das Blog PI betreibt die gleiche Arbeit und berichtet regelmäßig über die “Machenschaften” der Islamisten, stellt dabei jedoch jeden Muslim unter Generalverdacht - ganz nach dem Motto: “Eine Kuh, die im Pferdestall geboren wird, bleibt eine Kuh.” Das geht ein wenig zu weit, wie ich finde. Doch sollte gleichzeitig Niggemeier nicht auch auf den Anti-Anti-Islam-Zug springen und PI, trotz ihrer extremen Art, eine falsche Islamophobie unterstellen. Entsprechende Reaktionen bekam er, die auf seinem Weblog in Auszügen zitiert sind.

In letzter Zeit nimmt das Thema an Fahrt zu und Ulfkotte und Konsorten erhalten stetigen Zuspruch.

Mönche gehen in Birma auf die Straße, in Burma und in Myanmar - huch, was ist denn hier los? Proben die Mönche einen globalen Aufstand? Nein, ganz und gar nicht: Die Proteste finden in einem Land statt. Doch das ist unter drei Namen bekannt.

ARD-aktuell Chefredakteur Dr. Kai Gniffke erklärt nun, weshalb die “Tagesschau” von Birma spricht - genauso wie die “Süddeutsche” und “Welt” -, “Spiegel Online” von Myanmar (Aktualisierung, 22:10 Uhr: Inzwischen spricht “SpOn” ebenfalls von Burma), die “FAZ” und der “SPIEGEL” hingegen von Burma. Grund: Das Land hatte in den vergangenen Jahrzehnten einige Namensänderungen hinter sich, zuletzt 1989, als die Militärherrschaft es in Myanmar umbenannt hat.

Dagegen kann man nun protestieren und es weiterhin Birma (oder eben Burma) nennen; am Ende bleibt der Zuschauer verwirrt. Dr. Gniffke beruft sich auf eine Vereinbarung von Agenturen (dpa & Co.), die sich auf Birma geeinigt haben. Das Auswärtige Amt und die Vereinte Nationen führen den Staat hingegen unter seinem aktuellen Namen, Myanmar.

Schwer, eine einheitliche Lösung zu finden, doch würde ich das Land den Militärherrschern zum Trotz als Myanmar führen.

Ärger gab es in Wien, der österreichischen Hauptstadt. Die dort ansässige SPIEGEL-Korrespondentin Marion Kraske wurde von zwei Polizisten wegen Überfährt einer roten Ampel mit ihrem Fahrrad zu einer Geldstrafe verdonnert. Da sie weder Geld noch einen Personalausweis dabei hatte, sollte die Journalisten abgeführt werden. Doch sie weigerte sich, und ihr Vorschlag, im Büro des Spiegels zwecks Klärung ihrer Identität anrufen zu dürfen, wurde abgelehnt. Als sie dann versuchte, die deutsche Botschaft mittels ihres Mobiltelefons zu kontaktieren, sei ihr es abgenommen worden. Dann kam es gar noch zu einem, wenn auch ungewollten Schlag in das Gesicht eines Polizisten, was von der Wiener Polizei als “Ohrfreige” bezeichnet wird.

Resultat der “Lappalie”: Eine Note der deutschen Botschaft an das Außenministerium von Österreich, einen bösen Brief des Spiegels an den Polizeipräsidenten und eine nette Geldstrafe in Höhe von 281 Euro für Frau Kraske. Ärzte stellten bei ihr Prellungen fest. Derweil sprachen die deutschen Diplomaten von einem “Völkerrechtsbruch”. Tja, so endet eine Geschichte, wenn man sich mit einem wichtigen, deutschem Medium anlegt.

Zurzeit sitzt der 17-jährige Marco Weiss in der Türkei in Haft. Grund: Die Mutter eines 13-jährigen Mädchens aus England hat den Deutschen angezeigt - sexuelle Belästigung, so der Vorwurf. Empörung überall: Das Mädchen hat sich als 15-Jährige ausgegeben und zu Geschlechtsverkehr soll es nicht gekommen sein, wie beide sagen. Auch eine Untersuchung bei der kleinen Charlotte war ergebnislos - sie ist Jungfrau. Trotzdem hat die türkische Polizei Marco festgenommen, seit dem sitzt er mit rund 30 anderen Häftlingen in einem Gefängnis - unter menschenunwürdigen Bedingungen, wie es heißt.

Steinmeier & Co. setzen sich seit dem für Marcos Freilassung ein, doch bleibt die türkische Justiz bislang hart. Ich kann mich den deutschen Forderungen nur anschließen. Ein höchstwahrscheinlich unschuldiger, junge Mann sollte nicht kriminalisiert werden, nur weil er mit einem Mädchen rumgemacht hat - ein normales Verhalten. Die Türkei scheint immer noch nicht in Europa angekommen sein, wie auch der aktuelle SPIEGEL (Seite 48/49, von Carsten Holm) schreibt.

Der SPIEGEL plant seine beiden Ressorts “Deutsche Politik” und “Deutschland” (Bundesländer) zu einem zusammen zu fassen. Das berichtet die “Süddeutsche Zeitung” (SZ) heute in ihrer Print-Ausgabe. Ressortleiter des neuen Ressorts sollen Dirk Kurbjuweit, bislang Autor im Hauptstadtbüro des SPIEGEL, und Georg Mascolo, bislang Washington-Korrespondent, werden. Laut SZ wurde diese Personalie vom Verlag bestätigt. Ziel der Zusammenlegung ist ein effizienteres Arbeiten, heißt es. Beide Ressorts hätten bis heute miteinander konkurriert.

Dadurch wird ein neues, starkes Ressort im SPIEGEL entstehen. Vorläufiger Nachfolger von Mascolo in den Staaten wird Klaus Brinkbäumer, der bisher Reporter im Ressort Gesellschaft war. Der aktuelle Hauptstadtbüro-Leiter Gabor Steingart möchte wie berichtet ebenfalls nach Washington wechseln. Dadurch wird Washington das mit Abstand einflussreichste Korrespondentenbüro. Steingart wurde in den letzten Monaten als potentieller Nachfolger von SPIEGEL-Chefredakteur Stefan Aust gehandelt.

Die “Süddeutsche” spekuliert, Kurbjuweit und Mascolo hätten Interesse an der Nachfolge von Joachim Preuß, der zurzeit mit Dr. Martin Doerry stellvertretender Chefredakteur ist.

Mein “Lieblings”-Hauptstadtchef Gabor Steingart vom SPIEGEL wechselt nach Washington D.C., wo er zuerst eine Teilzeitstelle übernimmt. Ab 2009 löst er dann Georg Mascolo (ein brillianter Journalist) ab; wohin Mascolo in anderthalb Jahren geht, ist offen. Das berichtet die Netzeitung. Was mit der freigewordenen Stelle im Berliner Hauptstadtbüro des SPIEGEL wird, ist unklar. Möglicherweise wird der Platz als Büroleiter intern besetzt.

Großes hat der neue “Koordinierungssrat der Muslime” vor. Vier Prozent der Bevölkerung war 2005 muslimischen Glaubens in der Bundesrepublik Deutschland. Jetzt werden schwere Geschütze aufgefahren: Es soll zur nächsten Islamkonferenz mit Bundesinnenminister Dr. Wolfgang Schäuble ein “verbindlicher Fahrplan festgelegt” werden, um “möglichst schnell eine rechtliche Gleichstellung des Islam” mit den anderen Religionen (namentlich: Christentum) erreicht werden kann. Ziel sei es, “endlich flächendeckend Islamunterricht in Schulen anzubieten”. Das berichtet der SPIEGEL in seiner neuesten Ausgabe.

Die Frage ist: Wer will das? Mal abgesehen von den vier Prozent? Ich nicht… Dies würde meiner Meinung nach nur noch weiter zu einer Isolation der islamisch geprägten Bevölkerung führen, wenn sie mit der christlichen Mentalität der Deutschen nicht einmal in der Schule zu tun haben, sondern sogar muslimische Werte vermittelt bekommen.

Richtig hat entsprechend eine Sprecherin von Schäuble auf den seltsamen Vorschlag reagiert: “Mit Vorrang” solle eher auf der Konferenz diskutiert werden, weshalb immer mehr muslimische Mädchen dem Biologie- und Schwimmunterricht fern bleiben. Eine gute Frage!

Da zielt die Idee des “Koordinierungsrats” wohl doch nicht dazu, ein “zentraler Ansprechpartner für die Bundesregierung” zu sein. Viel mehr scheint sich dort eine Art Lobbyismus aufzubauen.

DER SPIEGEL berichtet in seiner neusten Ausgabe (50/2006) über die Bemühungen des Süddeutschen Verlags, sueddeutsche.de auf Vordermann zu bringen. So soll die Anzahl an Redakteure verdoppelt werden - auf 25. Außerdem nannte der Spiegel den Link (www.sueddeutsche.de/veredelung) zu einem neuem Layout. Hätte er das nicht machen sollen? Inzwischen ist die Seite nämlich offline gegangen. Stattdessen landet man auf der Suchfunktion von sueddeutsche.de. Glücklicherweise gibt es Menschen, die mitdenken - wie der Fontblog, auf dem ein Screenshot vom neuen sueddeutsche.de gepostet wurde. Großartiges scheint uns mit dem sueddeutsche-Redesign jedoch nicht zu erwarten.

Sonntag ist bald SamStag

7. November 2006

Die Zeitung liest man vom Montag bis Freitag, meistens noch am Samstag - und in den letzten Jahren immer häufiger auch am Sonntag. Da gibt es die “BILD am Sonntag” (BamS), die - ehrlichgesagt - kein Mensch braucht, die “Welt am Sonntag” (WamS), und vor fünf Jahren versuchte sich die Frankfurter Allgemeine (FAZ) mit einem Sonntagsblatt, um dem Axel Springer Verlag nicht die gesamten Sonntagsleser kampflos zu überlassen. Inzwischen ist die “Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung” (FAS) beliebter als die WamS - der Aufwärtstrend hält an.

Die gleichen Überlegungen wie vor wenigen Jahren in Frankfurt haben jetzt auch die Münchner. Der “Süddeutsche Verlag” hat kürzlich einen Entwurf einer Sonntagsausgabe vorgestellt - einem ausgewählten Publikum von Medienprofis, die beurteilen sollten, ob das Projekt Erfolg haben könnte, berichtet der “Spiegel” in seiner neusten Ausgabe. Die Experten waren begeistert. Inzwischen arbeiten rund 30 Mitarbeiter an der “Süddeutsche am Sonntag” (SamS) getauften Zeitung, um sie zu entwickeln. Zurzeit befindet sich das Projekt in der Marktforschung.

Ursprünglich wollte die Verlagsleitung langsam vorgehen und zeigt sich nun überrascht von der Euphorie in der Redaktion. Die hauseigenen Journalisten waren schon immer ein wenig traurig, der Konkurrenz aus Berlin und Frankfurt am Sonntag die ganzen
Leser zu “schenken”. Inzwischen hat es aber auch der Verlagschef eilig. Die SamS könnte bereits im kommenden Sommer starten, schreibt der “Spiegel”.

Eine gute Idee ist es allemal. Die SamS könnte den Zeitungsmarkt beleben und dürfte eine Alternative zur FAS und WamS sein. Schaun mehr mal, würde jetzt “Kaiser” Franz Beckenbauer sagen.