Deutschlands Leitmedium (Platz 7 insg. in Deutschland lt. IVW) für Nachrichten, SPIEGEL ONLINE, ist stetig dabei, seine Redaktion auszubauen. Um den Platz zu behaupten, kann “SpOn” dem Bürgerjournalismus-Trend länger nicht mehr entgehen.

Wie bereits berichtet, arbeitet die Redaktion an dem Projekt “einestages”. Mit Bildern, Texten und Videos wird Zeitgeschichte aufgeschrieben, sowohl von professionellen Autoren als auch von Ihnen, dem gemeinen Bürger. Mit dabei ist unter anderem Solveig Grothe, ehemalige Projektleiterin der “Readers Edition”. Die erste Betaversion ging heute am Samstag online.

Aber auch das Korrespondenten-Netz entwickelt sich stetig weiter. Statt, wie etwa stern.de, auf die Hilfe des großen Printmagazines zurück zu greifen, beschäftigt “SpOn” inzwischen drei Korrespondenten im Aus- und neun (acht Mal Berlin, einmal München) im Inland. Neu hinzu gekommen ist Gregor Peter Schmitz, der zukünftig aus Washington berichtet. Marc Pitzke aus New York und Ulrike Putz aus Beirut waren bereits in den letzten Wochen im Impressum als Korrespondenten aufgetreten.

Damit zeichnet sich ein neuer Trend ab, der als Erfolg des Online-Journalismus gewertet werden kann. Der erste deutsche Verlag investiert in ein umfangreiches Korrespondenten-Netz im In- und Ausland. Bislang profitierten lediglich große Redaktionen aus Agenturen, Fernsehen und Print von solcher Vielfältigkeit.

Es dürfte eine Frage der Zeit sein, bis “SpOn” sein Netz nach Asien und ggf. Westeuropa (Paris, Rom, Wien et cetera) ausweitet und die ersten Konkurrenz-Portale nachziehen. Das entsprechende Kapital dürfte bei “Focus Online” und “sueddeutsche.de” vorhanden sein. Und es ist nicht lange her, da kündigte der “Stern”-Verlag an, sein Online-Ableger zum führenden Nachrichten-Magazin im Web zu machen. Wenn auch solche Phrasen trotz 16,2 Prozent Besucheranstieg etwas verblassen, sollte doch ob solcher Ankündigungen das notwendige Kapital für ein weltweites Korrespondenten-Netz vorhanden sein - oder?

Gestern war es endlich soweit: Anne Wills Debüt als Polit-Talkerin. Über den Erfolg kann man streiten, ich war zumindest mit einigen Abzügen zufrieden. Das Thema war zwar leitlos, ich will nicht sagen langweilig, aber ich hätte mir zur Premiere ein “besseres” gewünscht. Beck und Rüttgers sorgten für die Wortgefechte.

Nichtsdestotrotz: Die Reaktionen sind enorm. Alleine 286 Kommentare zählt der “Premiere”-Beitrag im offiziellen Weblog zur Sendung. Die Reaktionen gehen erwartungsgemäß von sehr schlecht bis sehr gut. Die Redaktion zeigt sich überrascht von den vielen Beiträgen im Blog - vor allem, da jeder Beitrag, mitunter sehr lang, moderiert werden muss.

Reinhard Mohr von Spiegel Online sah “Schwester Anne” zwar gestern Abend einen “Volkstrauertag” zelebrieren, zeigte sich insgesamt jedoch zufrieden. In einer Umfrage auf spiegel.de bekam die Premierensendung immerhin einen Durchschnittswert von 3,21 (Schulnoten). Auch Michael Hanfeld von der FAZ freut sich auf weitere Sendungen und bemerkt, “am Rest kann man ja noch arbeiten, vielleicht ohne Beck und Rüttgers”. Hans-Jürgen Jakobs von sueddeutsche.de sieht hingegen noch Potential nach oben und meint, Will muss noch in die Rolle hineinwachsen. Seine Kritik fällt schlechter aus als das Votum seiner Leser, die der Umfrage zu urteilen zufrieden waren.

Mit einer guten Quote von insgesamt 5,03 Millionen Zuschauer ab drei Jahren dürfte sich die ARD aber zumindest derzeit keine großen Sorgen machen.

System mit Lücken

8. Juni 2007

Die Amerikaner (bzw. der Secret Service) haben versucht, ihre deutschen Kollegen zu testen, indem sie probierten, leichten Sprengstoff nach Heiligendamm zu schmuggeln - ohne Chance. Der Verfassungsschutz verbat vor dem G8-Gipfel einem Redakteur der taz eine Presseakkreditierung, musste allerdings aufgrund des öffentlichen Druckes klein beigeben: Felix Lee war in diesen Tagen dabei.

Nur eines, das bemerkte die deutsche Gründlichkeit nicht: Dass sich Konstantin Schukman als Pressevertreter für eine deutsch-russische Zeitung akkreditierte, die es gar nicht gibt.

Angela Merkel und Wladimir Putin
Putin: Eben noch bei der Bundeskanzlerin, später vor der Weltpresse in der Kritik
Foto: Bundesregierung/Bergmann

So war es für den jungen Mann kein Problem, heute Mittag auf der vor internationaler Presse abgelaufenen Pressekonferenz mit Wladimir Putin seinen Unmut kund zu tun. Lautstark sprang Schukman (ein Deutschrusse) während der PK auf und schmiss Protestblätter um sich. Andere (wirkliche) Journalisten schnappten sich schnell die Blätter, Putin demonstrierte Gelassenheit. Seine Leibwächter wollten einschreiten, doch Putin ist Polit-Profi genug um zu wissen, dass Ruhe jetzt angebrachter wäre.

Der russische Präsident sprach Deutsch: “Jetzt lassen Sie uns in Ruhe”, sagte er. “Geben Sie mir Zeit, das zu beantworten. Einverstanden? Ist das demokratisch? Setzen Sie sich hin!” Sichtlich aufgebracht, folgte der russische Oppositionelle Schukman dem Wunsch Putins. Der argumentierte, sein Land habe viele Schwierigkeiten gehabt und er verbiete sich, dass die “Demokratie” in Russland zerstört werden würde.

Konstantin Schukman hatte sein Ziel immerhin erreicht: Die Presse spricht über ihn. Berichte darüber unter anderem auf Focus Online oder sueddeutsche.de. Das Bundespresseamt darf sich derweil fragen, wie ein “Journalist” einer nicht-existierenden Zeitung bei den ach so wichtigen Sicherheitsvorkehrungen akkreditiert werden konnte. Putin spürte unterdessen etwas, das er aus seinem Land in dieser Nähe nicht kennt: Kritik an seiner Person. Insofern hatte der Auftritt von Herrn Schukman auch etwas Positives.

Der Chef der Weltbank, Paul Wolfowitz, tritt zurück. Das meldeten als Eilmeldungen AP um 00:15 Uhr, AFP etwa genauso, die dpa war ein Tick schneller - laut focus.de gab es bereits um 00:10 Uhr eine entsprechende Kurzmeldung.

Nur kurze Zeit später machte eine “Nachtschwester” (mit dem Kürzel “van”, wer das ist - niemand weiß es) bei Spiegel Online eine Eilmeldung daraus. Welt Online aktualisierte seine Meldung von heute Nachmittag. tagesschau.de (mit 24 Std., sieben Tage/Woche Redaktion) ist ebenfalls mit einer Eilmeldung dabei. So gehört sich das.

Nichts steht hingegen bei der Netzeitung (okay, das Budget für Schichtdienst fehlt), bei stern.de (wollten das dt. Leitmedium im Internet werden), n-tv.de, bei faz.net, sueddeutsche.de und bei zeit.de. Focus Online hat immerhin einen 24-Stunden-Ticker prominent auf der Startseite implementiert - dpa-Meldungen werden unredigiert veröffentlicht. Einen redaktionellen Text gibt es jedoch nicht.

Da müssen die deutschsprachigen Online-Medien wohl noch nach ziehen. Besser informiert ist man nämlich im Fernsehen: Sowohl der ARD-Teletext als auch N24 und n-tv im Nachrichten-Laufband berichten über den Rücktritt.

Im Übrigen berichtet im Moment auch die Tagesschau darüber. Live.

Nachtrag, 01:01 Uhr: Inzwischen gibt es bei Focus Online einen redaktionellen Artikel. Da scheint wohl doch jemand zu arbeiten. Nur larm ist er. Die Tagesschau bringt in dieser Minute eine Live-Schalte nach Washington.

Nachtrag, 01:19 Uhr: Beim ZDF (sowohl TV als auch online) fehlt immer noch eine Meldung. Bei Spiegel Online steht inzwischen ein langer Text mit Foto; neben “van” hat nun auch “plö” (Textchef) am Artikel mitgearbeitet. So soll das sein: Noch nachts bestens informiert. tagesschau.de macht das ebenfalls gut. Allerdings ist die Bildunterschrift unverändert aus früheren Artikel kopiert worden.

Nachtrag, 01:26 Uhr: Marc Pitzke kommentiert auf Spiegel Online den Rücktritt. Respekt. Liest sich allerdings wie vorbereitet.

Nachtrag, 01:29 Uhr: Focus Online bringt ein Porträt über Wolfowitz, formuliert von Reuters.

Arte zeigt das Fernsehduell zwischen Ségolène Royal und Nicolas Sarkozy live - im Internet und in deutsche Sprache übersetzt. Spiegel Online bietet einen Live-Stream und Ticker an; einen Live-Ticker gibt es auch bei sueddeutsche.de. heute.de (ZDF) und tagesschau.de bedienen sich ebenfalls bei Arte. Ein prima Service, so lob’ ich mir das.

Übrigens: In der Echtzeit-Bewertung liegt Royal deutlich vorne und gewinnt momentan an Punkten (sie liegt derzeit bei 14.000, Sarkozy liegt bei schätzungsweise 2.000).

Ich mag sueddeutsche.de ja eigentlich und schaue immer wieder vorbei, aber - nein, so läuft das nicht … In einem Bericht über Max Buskohl, der freiwillig bei DSDS ausschied, kommt es zu einem fatalten Widerspruch. In der Überschrift heißt es, Max dürfe nicht bei Stefan Raab auftreten, im Bild, direkt links daneben, heißt es: “‘Superstar’ Max singt jetzt bei Stefan Raab.” Ja, was denn nun?

Screenshot von sueddeutsche.de
Darf er, oder darf er nicht? Was denn nun? - Screenshot von sueddeutsche.de

Laut einer dpa-Meldung, auf die sich die Online-SZ bezieht, hat Sender RTL Buskohl einen Auftritt in TV total zumindest verboten. Laut Vertrag dürfe Max bis acht Wochen nach dem Finale von DSDS nicht wo anders ohne RTLs Erlaubnis auftreten.

Auuufwiedersehen!

21. Dezember 2006

Morgen geht es in die Ramsau. Ich wünsche allen Lesern meines Blogs frohe Weihnachten und einen guten Rutsch in das neue Jahr. Weiter geht es mit dieser Seite Ende der ersten Januarwoche.

sueddeutsche.de ist veredelt

18. Dezember 2006

sueddeutsche.de ist jetzt (endlich?) veredelt, wie bereits am 10. Dezember vorab berichtet. Das neue Layout sieht zwar besser aus als das alte, haut mich allerdings nicht vom Hocker. Lustig ist hingegen, dass Hans-Jürgen Jakobs heute seinen besonderen Tag hatte - er ist jetzt Chefredakteur der Nachrichtenseite. Na dann: Alles Gute!

DER SPIEGEL berichtet in seiner neusten Ausgabe (50/2006) über die Bemühungen des Süddeutschen Verlags, sueddeutsche.de auf Vordermann zu bringen. So soll die Anzahl an Redakteure verdoppelt werden - auf 25. Außerdem nannte der Spiegel den Link (www.sueddeutsche.de/veredelung) zu einem neuem Layout. Hätte er das nicht machen sollen? Inzwischen ist die Seite nämlich offline gegangen. Stattdessen landet man auf der Suchfunktion von sueddeutsche.de. Glücklicherweise gibt es Menschen, die mitdenken - wie der Fontblog, auf dem ein Screenshot vom neuen sueddeutsche.de gepostet wurde. Großartiges scheint uns mit dem sueddeutsche-Redesign jedoch nicht zu erwarten.