“Linkspartei” setzt kommunistischen Trend fort
19. April 2008
Die “Linkspartei” soll nach dem Willen des linken Parteiflüges demnächst mit einer Kommunistin in der Parteispitze besetzt werden. Sahra Wagenknecht, Sprecherin der kommunistischen Plattform, soll Partei-Vize werden; derzeit gehört die Europa-Abgeordnete bereits dem Bundesvorstand an. Dies geht laut “Süddeutscher Zeitung” aus einem Brief hervor, über das die parteinahe Zeitung “Neues Deutschland” berichtete.
Ende Mai soll der neue Vorstand gewählt werden. Die Parteispitze sieht die Personalie Wagenknecht derzeit jedoch noch skeptisch, schreibt die “SZ”, da nicht der Eindruck erweckt werden solle, dass die “Linkspartei” kommunistisch ist. Dies bestätigt sich jedoch immer mehr, nicht erst seit Christel Wegner über die Liste der “Linken” in Niedersachsen antrat - und in den Landtag gewählt wurde. Erst nach viel Druck aus der Parteispitze, wurde sie aus der Fraktion ausgeschlossen.
Birma, Burma, Myanmar - was denn nun?
26. September 2007
Mönche gehen in Birma auf die Straße, in Burma und in Myanmar - huch, was ist denn hier los? Proben die Mönche einen globalen Aufstand? Nein, ganz und gar nicht: Die Proteste finden in einem Land statt. Doch das ist unter drei Namen bekannt.
ARD-aktuell Chefredakteur Dr. Kai Gniffke erklärt nun, weshalb die “Tagesschau” von Birma spricht - genauso wie die “Süddeutsche” und “Welt” -, “Spiegel Online” von Myanmar (Aktualisierung, 22:10 Uhr: Inzwischen spricht “SpOn” ebenfalls von Burma), die “FAZ” und der “SPIEGEL” hingegen von Burma. Grund: Das Land hatte in den vergangenen Jahrzehnten einige Namensänderungen hinter sich, zuletzt 1989, als die Militärherrschaft es in Myanmar umbenannt hat.
Dagegen kann man nun protestieren und es weiterhin Birma (oder eben Burma) nennen; am Ende bleibt der Zuschauer verwirrt. Dr. Gniffke beruft sich auf eine Vereinbarung von Agenturen (dpa & Co.), die sich auf Birma geeinigt haben. Das Auswärtige Amt und die Vereinte Nationen führen den Staat hingegen unter seinem aktuellen Namen, Myanmar.
Schwer, eine einheitliche Lösung zu finden, doch würde ich das Land den Militärherrschern zum Trotz als Myanmar führen.
Niggemeier: Das Alphatierchen in der Blogosphäre
26. Mai 2007
Wer auf die “Deutsche Journalistenschule” darf, hat es geschafft. Er gehört mit zur Elite des journalistischen Nachwuchses. Die Schule ist zusammen mit der Henri-Nannen-Schule in Hamburg die populärste Lehrstätte für Schreiberlinge. Günther Jauch lernte einst sein Handwerk in München, Sandra Maischberger auch, oder Ulrich Wilhelm, der derzeitige Chef des Bundespresseamtes.
Stefan Niggemeier, Jahrgang 1969, in Harderberg (Landkreis Osnabrück) geboren, darf sich mit zu den “renommierten Journalisten” zählen, die Wikipedia auflistet. Er ist vor allem ein Mensch, der lieber über Menschen schreibt, die selbst schreiben. Quasi der Kontrolleur der Kontrolleure. Medienjournalisten haben wenig zu befürchten, sie können frei schreiben, was sie von ihren Kollegen halten - und das ist meist etwas Schlechtes, Lob kommt selten. Niggemeier durfte das einst bei der Süddeutschen Zeitung praktizieren. Heute gehört ihm mit einem Kollegen das BILDblog, sein eines Standbein. Das andere: Freier Mitarbeiter für die “Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung” (FAS).
Mehr als 40.000 Menschen lesen täglich das BILDblog, lesen, welche Fehler die BILD-Zeitung während ihrer Arbeit macht. 2004 wurde die Seite dafür von der Deutschen Welle ausgezeichnet, 2005 folgte der Leuchtturm-Preis des Netzwerk Recherche, vor wenigen Woche haben Stefan Niggemeier und Konsorten den dritten Platz des “LeadAwards” belegt, für das “beste Weblog des Jahres”. Und, nicht zu vergessen: 2005 der Grimme Online Award.
Apropos Grimme: Im letzten Jahr muss es gewesen sein, als plötzlich Niggemeiers privates Blog in der Öffentlichkeitswirkung ähnlichen Zuspruch genoss wie das BILDblog. Für den diesjährigen Online Award wurde Niggemeier privat vorgeschlagen.
Sein Erfolgsrezept: Medien kritisieren, stets dran bleiben, auch mal Themen herausnehmen, die skandalträchtig sind. “Kurz korrigiert” heißt das in der Niggemeier-Sprache, der “Nachtrag, UHRZEIT” ist ebenfalls ein Markenzeichen des Medienjournalisten. Kurz: Stefan Niggemeier hat die Zeichen der Zeit erkannt, sahnt einen Preis nach dem anderen ab, sitzt plötzlich in jeder Jury - kürzlich bewertete er Brickfilme, von denen er zuvor nie etwas gehört hatte.
Nachdem er die BILD-Zeitung bearbeitet hat, folgt nun ein neues Ziel: 9Live und das gesamte System von “HotButton”-Abzockern. Erst kürzlich gab es einen Schlagabtausch via der FOP-Achse: Fernsehen-Online-Print. Niggemeier legte sich mit Max Schradin an, der live in 9Live eine Kolumne aus der FAS vorgelesen hatte. Derartige Aktionen machen Niggemeier kult - und zum ersten, wahren Gewinner der Blogosphäre in Deutschland.
ARD & Niggemeier versus 9Live & Max Schradin
15. Mai 2007
Stefan Niggemeier hat unlängst nicht nur den Kampf als BILDblog-Gründer gegen die BILD-Zeitung aufgenommen. In seinem für den Grimme Online Award nominierten Blog versucht er nun, die dunklen Seiten von Gewinnspielsendern auf zu decken. Niggemeier, 1969 in Harderberg geboren, lernte einst auf der Deutschen Journalistenschule und arbeitete für die Süddeutsche.
Heute verbringt er die Hälfte seiner Arbeitszeit mit dem BILDblog, die andere als Medienjournalist für die renommierte “Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung” (FAS). Kürzlich schrieb er eine lustige, pointenreiche Kolumne über 9Live und dessen Moderator Max Schradin.
Die Diskussion über die Schummelvorwürfe an 9Live, wegen denen ich mich schon bei der Landesmedienanstalt Bayern beschwert habe, scheint nun in eine heiße Phase zu gehen: Kürzlich berichtete die ARD-Sendung “Panorama” kritisch über 9Live, nun der Artikel von Stefan Niggemeier.
Der betroffene Max Schradin nimmt die Schelte von “Panorama” und Herrn Niggemeier jedoch - noch - sportlich und versuchte stattdessen, seine Zuschauer vom Gegenteil zu überzeugen, oder ihnen Niggemeiers Text in der FAS vor zu lesen. Lustig ist der Kerl auf alle Fälle.
Springer-Mitarbeiter rebellieren gegen die BILD
12. Mai 2007
Was lange währt, wird endlich gut: Wurde der Kampf gegen schlechten Boulevardjournalismus bislang - wenn auch erfolgreich - von wenigen Menschen geleistet, scheint in dieser Woche der Knoten geplatzt.
Am Mittwoch wetterte der Kommentarchef der WamS auf seinem Blog (welt.de) gegen Kai Diekmann, den Chefredakteur der BILD-Zeitung. Großer Aufruhr in der Medienbranche: Diekmann lies den Eintrag schnell entfernen, war jedoch langsamer als aufmerksame Leser. Auf diversen Seiten wird der komplette Kommentar von Alan Posener dokumentiert. Darüber berichteten unter anderem Spiegel Online, Süddeutsche Zeitung und taz. Das Problem bei der Sache: BILD und WELT erscheinen im gleichen Verlag.
Schien die Sache seitens Axel Springer-Verlag am Mittwochabend weitestgehend bereinigt, folgte kurz darauf eine weitere Aktion kontra Diekmann: Die welt.de-Satireseite erlaubte sich in einer Umfrage zu fragen, wer von Bundespräsident Horst Köhler noch begnadigt werden sollte. Als Abstimmungsmöglichkeit wurde zum Beispiel “Kai Diekmann” genannt. Inzwischen wurde der Name durch “Knut” ersetzt. Das BILDblog konnte die Umfrage jedoch rekonstruieren.
Dabei blieb es allerdings immer noch nicht. Gar der Nachwuchs lässt seinen Unmut über die große Schwester freien Lauf: Im JEPBlog der “Axel Springer Akademie” wurde ein Video von bild.de mit dem “JEPBlog Award der Woche” ausgezeichnet - für die schlimmste Fehlleistung der letzten sieben Tage. Peinlich, peinlich - für BILD (Online) und Diekmann.
Es scheinen uns witzige Wochen zu erwarten. Der Kampf gegen schlechten Boulevardjournalismus wird nunmehr auch Springer-intern geführt. Solle der Bessere gewinnen!
DER SPIEGEL: Entsteht ein neues Großressort?
9. Mai 2007
Der SPIEGEL plant seine beiden Ressorts “Deutsche Politik” und “Deutschland” (Bundesländer) zu einem zusammen zu fassen. Das berichtet die “Süddeutsche Zeitung” (SZ) heute in ihrer Print-Ausgabe. Ressortleiter des neuen Ressorts sollen Dirk Kurbjuweit, bislang Autor im Hauptstadtbüro des SPIEGEL, und Georg Mascolo, bislang Washington-Korrespondent, werden. Laut SZ wurde diese Personalie vom Verlag bestätigt. Ziel der Zusammenlegung ist ein effizienteres Arbeiten, heißt es. Beide Ressorts hätten bis heute miteinander konkurriert.
Dadurch wird ein neues, starkes Ressort im SPIEGEL entstehen. Vorläufiger Nachfolger von Mascolo in den Staaten wird Klaus Brinkbäumer, der bisher Reporter im Ressort Gesellschaft war. Der aktuelle Hauptstadtbüro-Leiter Gabor Steingart möchte wie berichtet ebenfalls nach Washington wechseln. Dadurch wird Washington das mit Abstand einflussreichste Korrespondentenbüro. Steingart wurde in den letzten Monaten als potentieller Nachfolger von SPIEGEL-Chefredakteur Stefan Aust gehandelt.
Die “Süddeutsche” spekuliert, Kurbjuweit und Mascolo hätten Interesse an der Nachfolge von Joachim Preuß, der zurzeit mit Dr. Martin Doerry stellvertretender Chefredakteur ist.
Die Netzeitung sucht ihre Identität - und einen Käufer
23. Februar 2007
Die Netzeitung steht mal wieder zum Verkauf. Der bisherige Inhaber - Orkla Media - möchte sich von der “ersten deutschen Tageszeitung, die ausschließlich im Internet erscheint”, trennen, schrieb heute die “Süddeutsche Zeitung” (SZ).
Autor Christoph Kappes machte sogleich die Schwächen der NZ aus: Es stehe kein Print-Verlag dahinter und mit lediglich zwölf Redakteuren in Berlin sei man ein Objekt, das schnell zu übersehen sei. Außerdem habe man den Titel des meistzitierte Online-Medium Deutschlands letztes Jahr wieder an “Spiegel Online” (SpOn) verloren, nachdem man 2005 noch der Sieger gewesen war.
Nicht gerade Friede, Freude, Eierkuchen bei der NZ, die doch ansonsten einen guten Eindruck macht, stets nach dem Motto “kurz, schnell, prägnant, witzig”. Egal, ob man auf SpOn surft, oder bei der kleinen NZ: Informiert ist man bei beiden, gleich schnell und gleich gut.
Kappes hingegen fehlen Hintergrundberichte, Reportagen und viele weitere Texte, die Arbeit machen. Aufgrund des geringen Personals seien solche Artikel jedoch nicht zu machen, so der SZ-Redakteur. Zumindest nicht so häufig. Andere Webseiten können hier hingegen punkten, zum Beispiel “Welt Online”, die erst diese Woche quasi einen Neustart hinlegten. Dank eines “Newsrooms” und der dadurch entstehenden Synenergien aus Onliner und Print`ler entstehen auf welt.de umfangreiche Berichte - sowohl top-aktuelle als auch Hintergrundberichte und Reportagen. Auch SpOn oder das renommierte Zeit Online haben hierbei eine bessere Ausgangsposition gegenüber der NZ - dank finanzstarken Geldgebern im Hintergrund und vielen Mitarbeitern.
Die NZ hingegen macht ihre Geschichten auf Basis von Agenturmeldungen: Oftmals stehen hinter dem Kürzel “(NZ)” am Ende der Artikel Meldungen von AP, dpa oder der evangelischen Nachrichtenagentur epd. Zukünftig, so einer der neuen Chefredakteure, Matthias Ehlert, könnte man mehr Lokaljournalismus betreiben, indem Themen aus der Blogosphäre “rückübersetzt ins Web 1.0″ werden. Das könne das Profil seiner Internet-Zeitung verbessern.
Zurück zum Verkauf: Zwei potentielle Verkäufer stehen bereits zur Diskussion. Darunter die Heuschrecke David Montgomery (bitte nicht!), oder aber der Verlag Holtzbrinck (Die Zeit, Handelsblatt). Sei noch zu klären, ob das Kartellamt hierbei mitspielt. Montgomery ist bereits in Berlin mit einer Publikation vertreten und die NZ ist am Radiosender 100,6 Motor FM beteiligt. Alles so eine Sache.
Währenddessen machte sich die NZ diese Woche ein wenig schöner. Die Meinungen gehen unter den Lesern zwar auseinander, trotz alledem dürften solche Neuerungen das eigene Potential bei Kaufinteressenten erhöhen. Und boulevardesque Bereiche wie den neuen “Small Talk”, der auf jeder Seite verlinkt ist, sorgen für mehr Klickzahlen. Im vergangenen Monat habe die NZ zirka 20 Millionen Page Impressions generiert, schreibt die SZ - da kann SpOn mit zirka 400 Millionen nur müde lächeln.
Die nächsten Wochen werden also wieder einmal interessante werden. Zum einen für mich als NZ-Leser und zum anderen für den deutschen Online-Journalismus, bei dem die NZ eine wichtige Rolle spielt.
(via onlinejournalismus.de)
Der 11. September 2001 war ein besonderer Tag …
29. November 2006
Es gibt Journalisten, die gibt es nicht. Hans-Jürgen Jakobs ist so einer. Jakobs verantwortet das Medien-Ressort der “Süddeutsche Zeitung”.
Am 26. November began ein Artikel von ihm folgendermaßen: “Der 31. August 2006 war ein besonderer Tag für Ulrich Wickert (…)” Ein anderer, über Nina Ruge, am gleichen Tag so: “Der 3. Februar 1997 war ein besonderer Tag für Nina Ruge (…)”
Man könnte jetzt sagen, ihm war langweilig, oder er war müde, vielleicht wollte er auch nur witzig sein. Aber nein, letztes Jahr schrieb er über den Börsengang von Premiere: “Mittwoch war ein besonderer Tag für ARD und ZDF (…)”
Und es gibt noch mehr solche Sätze. Das hört sich stark so an, als ob Jakobs gerade das Formulieren lernt. Oder so, wie es “la deutsche vita” auf der Seite von Stefan Niggemeier formulierte: “Ein Glück, dass Herr Jakobs nicht über den 11. September schreiben musste.”
Sonntag ist bald SamStag
7. November 2006
Die Zeitung liest man vom Montag bis Freitag, meistens noch am Samstag - und in den letzten Jahren immer häufiger auch am Sonntag. Da gibt es die “BILD am Sonntag” (BamS), die - ehrlichgesagt - kein Mensch braucht, die “Welt am Sonntag” (WamS), und vor fünf Jahren versuchte sich die Frankfurter Allgemeine (FAZ) mit einem Sonntagsblatt, um dem Axel Springer Verlag nicht die gesamten Sonntagsleser kampflos zu überlassen. Inzwischen ist die “Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung” (FAS) beliebter als die WamS - der Aufwärtstrend hält an.
Die gleichen Überlegungen wie vor wenigen Jahren in Frankfurt haben jetzt auch die Münchner. Der “Süddeutsche Verlag” hat kürzlich einen Entwurf einer Sonntagsausgabe vorgestellt - einem ausgewählten Publikum von Medienprofis, die beurteilen sollten, ob das Projekt Erfolg haben könnte, berichtet der “Spiegel” in seiner neusten Ausgabe. Die Experten waren begeistert. Inzwischen arbeiten rund 30 Mitarbeiter an der “Süddeutsche am Sonntag” (SamS) getauften Zeitung, um sie zu entwickeln. Zurzeit befindet sich das Projekt in der Marktforschung.
Ursprünglich wollte die Verlagsleitung langsam vorgehen und zeigt sich nun überrascht von der Euphorie in der Redaktion. Die hauseigenen Journalisten waren schon immer ein wenig traurig, der Konkurrenz aus Berlin und Frankfurt am Sonntag die ganzen
Leser zu “schenken”. Inzwischen hat es aber auch der Verlagschef eilig. Die SamS könnte bereits im kommenden Sommer starten, schreibt der “Spiegel”.
Eine gute Idee ist es allemal. Die SamS könnte den Zeitungsmarkt beleben und dürfte eine Alternative zur FAS und WamS sein. Schaun mehr mal, würde jetzt “Kaiser” Franz Beckenbauer sagen.
Klinsmann geht
11. Juli 2006
Schade - Klinsmann hört auf. Danke, Klinsi, für eine sehr schöne Zeit. Sein Nachfolger wird (hoffentlich und) wahrscheinlich der bisherige Assistenztrainer Joachim Löw.