Die kommerziellen Medien möchten die Offensive der Öffentlich-Rechtlichen (ÖR) im Internet gerne verhindern und kämpfen seit Monaten energisch in ihren Publikationen und vor der Politik gegen einen Ausbau. Jetzt schlägt die ARD zurück - mit einem 45-minütigen Film, der heute Abend ausgestrahlt wurde. Zwar kamen auch die Privaten ausgiebig zu Wort, doch wurde vor allem dem Sender RTL Propaganda kontra ÖR vorgeworfen.

“Spiegel”-Chefredakteur Mathias Müller von Blumencron zeigte sich hingegen kompromissbereit und nannte etwa tagesschau.de einen “fairen Wettbewerber”, man beobachte sich gegenseitig. Allerdings verwäre er sich einer Erweiterung. Andere Gesprächspartner nannten die Finanzkraft der ÖR als eine Gefahr, die Privaten könnten nicht mithalten.

Der Film beschäftigte sich alleine zehn Minuten lang dann auch mit den Gefahren der Privatsender. Der Autor des Filmes, Thomas Leif (SWR), demonstrierte die Schattenseiten von RTL, Sat.1, ProSieben & Co. und kritisierte zugleich die laschen Kontrollen der Landesmedienanstalten. Eine Kernaussage des Filmes war, dass es bei den Privaten an Qualität fehle. Um dies zu untermauern, sprach ein “Insider” über die Rationalisierung bei Sat.1, die vom Unternehmen “McKinsey” gesteuert wurde, welche in der Konsequenz das Informationsprogramm verringte.

Sehenswert war der Film sicherlich, doch spannend wird die Reaktion der kommerziellen Sender. Möge der Bessere gewinnen …

Noch ist tagesschau.de, das Nachrichtenportal der ARD, von der chinesischen Zensur nicht blockiert. Doch Druck auf das Flagschiff seriösen deutschen Journalismus wird von der Führung in Peking indirekt ausgeübt. Nachdem die “tagesschau.de”-Redaktion eine Umfrage schaltete, ob der Fackellauf der Olympischen Spiele abgesagt werden solle (Optionen: Ja oder Nein, Ist mir egal), gab es ein übermäßiger Ansturm auf die Umfrage. Selbst, als die Redaktion, die das große Interesse bemerkte, die Abstimmung offline nahm, wurde die Adresse weiterhin deutlich häufiger aufgerufen als die Startseite von “tagesschau.de”. Eine ARD-Reporterin aus China lüftete heute Morgen das Rätsel, woher genau die Anfragen kommen: Mehrere tausend Websiten aus China haben dazu aufgerufen, sich an der Umfrage zu beteiligen - und setzten gleich Direktlinks, um für das “Nein” abzustimmen.

Wie entsteht ein ARD-Beitrag?

24. September 2007

Im Weblog der Tagesschau zeigt der Videojournalist Ulrich Bentele, wie ein Beitrag in der ARD entsteht. Thema der Premiere ist ein Film von Christian Thiels über die Bundeswehr, der gestern in “Bericht aus Berlin” gezeigt wurde.

Gerade solche Beiträge wünsche ich mir in einem Redaktionsblog. Applaus!

Die Blogosphäre ist um ein Weblog reicher: Wie Michael Timm berichtet, ist das erste Blog auf hr-online.de kürzlich gestartet, basierend auf Wordpress. Es handelt sich um ein Projekt für das Format “Nightline” beim hessischen Jugendsender youfm. Analog zum prämierten Blog von tagesschau.de wäre der nächste, logische Schritt bei hr-online.de doch ein Redaktionsweblog - oder?

Gratulation! Das Weblog von tagesschau.de und der ARD aktuell-Redaktion wurden mit dem “Grimme Online Award” ausgezeichnet. Damit wird erstmal ein GI-Onlinemedium dafür prämiert, mit dem Trend zu gehen und redaktionelles und nicht nur thematisches zu bloggen. Derzeit macht so etwas lediglich noch ZEIT online, wenn in der Vergangenheit auch eher schlecht als recht. Ein weiterer Preisträger ist Stefan Niggemeier, der allerdings mit dem Gedanken spielt, den populären Preis abzulehnen. Der Grund ist, dass die Gewinner durch “eine peinliche Panne und die rasche Verbreitung in verschiedenen Weblogs” bereits vor der Verleihung morgen bekannt geworden sind. Peinlich.

Live aus dem Wald

6. Juni 2007

Berichterstattung live aus den Wäldern um Heiligendamm - das gibt es im tagesschau.de-Weblog, den ganzen Tag über. So lobe ich mir eine Vor Ort-Berichterstattung. Derweil berichtet Spiegel Online von Einschränkungen im Medienzentrum. Auf der gleichen Seite wird bildhaft das “wahre Kräfteverhältnis” beim G8-Gipfel dargestellt: Eine große Gruppe von Journalisten steht vor einem Haufen Polizisten, die auf dem Weg sind, die Massen an Demonstranten aufzuhalten.

“In unserem Haus ist gar nichts los”, sagte heute Dirk Inger, Sprecher des Bundesverkehrsministerium von Wolfgang Tiefensee (SPD). Eine Journalistin der Bundespressekonferenz daraufhin ironisch hörbar murmelnd: “Na, dann ist ja alles wie immer.” (Via tagesschau.de-Blog)

Der Chef der Weltbank, Paul Wolfowitz, tritt zurück. Das meldeten als Eilmeldungen AP um 00:15 Uhr, AFP etwa genauso, die dpa war ein Tick schneller - laut focus.de gab es bereits um 00:10 Uhr eine entsprechende Kurzmeldung.

Nur kurze Zeit später machte eine “Nachtschwester” (mit dem Kürzel “van”, wer das ist - niemand weiß es) bei Spiegel Online eine Eilmeldung daraus. Welt Online aktualisierte seine Meldung von heute Nachmittag. tagesschau.de (mit 24 Std., sieben Tage/Woche Redaktion) ist ebenfalls mit einer Eilmeldung dabei. So gehört sich das.

Nichts steht hingegen bei der Netzeitung (okay, das Budget für Schichtdienst fehlt), bei stern.de (wollten das dt. Leitmedium im Internet werden), n-tv.de, bei faz.net, sueddeutsche.de und bei zeit.de. Focus Online hat immerhin einen 24-Stunden-Ticker prominent auf der Startseite implementiert - dpa-Meldungen werden unredigiert veröffentlicht. Einen redaktionellen Text gibt es jedoch nicht.

Da müssen die deutschsprachigen Online-Medien wohl noch nach ziehen. Besser informiert ist man nämlich im Fernsehen: Sowohl der ARD-Teletext als auch N24 und n-tv im Nachrichten-Laufband berichten über den Rücktritt.

Im Übrigen berichtet im Moment auch die Tagesschau darüber. Live.

Nachtrag, 01:01 Uhr: Inzwischen gibt es bei Focus Online einen redaktionellen Artikel. Da scheint wohl doch jemand zu arbeiten. Nur larm ist er. Die Tagesschau bringt in dieser Minute eine Live-Schalte nach Washington.

Nachtrag, 01:19 Uhr: Beim ZDF (sowohl TV als auch online) fehlt immer noch eine Meldung. Bei Spiegel Online steht inzwischen ein langer Text mit Foto; neben “van” hat nun auch “plö” (Textchef) am Artikel mitgearbeitet. So soll das sein: Noch nachts bestens informiert. tagesschau.de macht das ebenfalls gut. Allerdings ist die Bildunterschrift unverändert aus früheren Artikel kopiert worden.

Nachtrag, 01:26 Uhr: Marc Pitzke kommentiert auf Spiegel Online den Rücktritt. Respekt. Liest sich allerdings wie vorbereitet.

Nachtrag, 01:29 Uhr: Focus Online bringt ein Porträt über Wolfowitz, formuliert von Reuters.

Arte zeigt das Fernsehduell zwischen Ségolène Royal und Nicolas Sarkozy live - im Internet und in deutsche Sprache übersetzt. Spiegel Online bietet einen Live-Stream und Ticker an; einen Live-Ticker gibt es auch bei sueddeutsche.de. heute.de (ZDF) und tagesschau.de bedienen sich ebenfalls bei Arte. Ein prima Service, so lob’ ich mir das.

Übrigens: In der Echtzeit-Bewertung liegt Royal deutlich vorne und gewinnt momentan an Punkten (sie liegt derzeit bei 14.000, Sarkozy liegt bei schätzungsweise 2.000).

Nette Idee: Seit Donnerstag, stets werktags präsentiert Tom Buhrow oder Anne Will um 18 Uhr eine Vorschau der ARD-Tagesthemen gegen 22:15 Uhr. Das kündigte der erste Chefredakteur von “ARD-aktuell”, Dr. Kai Gniffke, kürzlich im tagesschau.de-Weblog an. Nett gemacht, und der erste Versuch ist gelungen. Das macht Lust, die volle Sendung zu sehen.