Demokrat - oder doch wieder ein Republikaner?
7. Mai 2008
Die US-Vorwahlen sind gelaufen, spätestens seit heute Nacht - das schreiben zumindest zahlreiche Kommentatoren. Das US-amerikanische Webmagazin “Huffington Post” titelt: “Die mutmaßliche Nominierung” - und zeigt ein Foto von Senator Barack Obama und seiner Frau. Wenn überhaupt noch jemand Einfluss nehmen könne, so seien das die so genannten “Superdelegierten“. Doch, ehrlichgesagt: Niemand mehr glaubt an einen Sieg von Senatorin Hillary Clinton. Die einstige Favoritin kann damit ihren Traum, US-Präsidentin zu werden, aufgeben.
Eine monatelange Tortur der demokratischen Partei nimmt somit ihr Ende. Während die Republikaner nämlich mit Senator McCain längst ihren Kandidaten gewählt haben, streiten sich Clinton und Obama seit mehreren Wochen, was naturgemäß ihre Chancen verringerten: Statt den Kandidaten der Republikaner politisch zu bekämpfen, attackierten sich beide gegenseitig. Innerhalb der Demokraten ist dadurch ein Graben entstanden, mit zwei Fronten.
Obama und McCain - die Amerikaner haben Ende diesen Jahres zwei potentiellte Präsidenten zur Wahl, die nicht unterschiedlicher sein könnten: Einmal der noch relativ unerfahrene, dafür rhetorisch sehr begabte Obama, der der erste schwarze Präsident in den USA werden könnte. Und einmal McCain, der für sein Land in den Krieg ziehte, und dessen Status als “Natural Born Citizen”, also ein geborener Amerikaner, umstritten ist - letzteres ist Voraussetzung dafür, Präsident werden zu können. McCain kam auf einem Stützpunkt des US-Militärs außerhalb der Vereinigten Staaten auf die Welt. Heißt es zumindest.
Für viele ist Obama die Hoffnung, er prägte den Begriff “We Can”. McCain ist der typische amerikanische Patriot, der Kämpfer.
Nun, wo wir die Frage Clinton oder Obama geklärt haben, ist endlich die Zeit gekommen, wo die Frage erlaubt ist: Wird der nächste US-Präsident ein Demokrat sein - oder doch wieder ein Republikaner?
Das ZDF-Wahlblog zur US-Wahl
5. Mai 2008
Ja, das ZDF existiert - auch online. heute.de erfreut sich einer immer größeren Beliebtheit und nicht erst seit der Farce um die Mount Everest-Berichterstattung wird für die Nachrichten-Seite des Zweiten Deutschen Fernsehens auch exklusiv produziert. Doch im Gegensatz zum Angebot der ARD - tagesschau.de - tut sich das ZDF, zumindest bei mir, online noch etwas schwer.
Erst zögerlich und eigentlich zuerst am heutigen Tage habe ich das ZDF-Weblog zur US-Wahl entdeckt. Dort schreiben Korrespondenten aus Washington D. C. von ihren Eindrücken beim Kampf um den Einzug in das Weiße Haus. Sogar das so genannte Video-Bloggen hat das Studio in der US-Hauptstadt entdeckt - Klaus Peter Siegloch höchstpersönlich kommentierte kürzlich die Vorwahl in Pennsylvania.
Ein Grund, in Zukunft öfters auf heute.de vorbeizuschauen.
Chinesen rüsten Marine auf
5. Mai 2008
Schlechte Nachrichten für Indien und die gesamte asiatische Umgebung: Wie die englische Zeitung “Daily Telegraph” berichtet hatte, rüstet die chinesische Marine zurzeit intensiv auf. Statt nur ihr gutes Recht wahrzunehmen, die heimische Küste zu überwachen, können die chinesischen Militärs zukünftig auch auf die hohe See hinausfahren. Zum einen, um die eigenen Öl-Tanker - auch vor etwaigen Blockaden - zu schützen, aber auch um etwa bei der Taiwan-Frage zu intervenieren: Seit langem hat China Angst davor, Japan sowie die Vereinigten Staaten könnten auf Bitten der Taiwanesen die Insel beschützen.
Der Artikel des “Daily Telegraph” ist umso erstaunlicher, als dass die Chinesen versteckte Basen errichten, die durch Radar-Störer vor der Entdeckung geschützt werden sollten. Nun ist es dem Westen trotz alledem gelungen, die im Aufbau befindliche Basis vor Hainan bei Sanya zu identifizieren. Demnach entstehen dort moderne U-Boote des Types 094 (“Jin”-Klasse), außerdem gibt es Gerüchte, die Marine hätte Interesse an einem Flugzeugträger. Dies wird gleichwohl - zumindest derzeit noch - von den chinesischen Admiralen abgestritten.
“Multipolare Welt” statt “Globalisierung”
2. Mai 2008
Der internationale IT-Konzern Accenture prägt einen neuen Begriff: die multipolare Welt. Bereits der ehemalige französische Präsident Chirac sprach 2006 von diesem Wort, das den Nachfolger der Globalisierung darstellen soll. Statt wie bislang, wird die Weltwirtschaft demnach durch Ländergruppen wie die EU dominiert, oder durch einzelne Staaten, die heute eine untergeordnete Rolle spielen: Brasilien oder die baltischen Staaten, zum Beispiel.
Accenture-Chef Stephan Scholtissek empfahl in einem n-tv.de-Interview Deutschland daher, in die High-Tech-Industrie zu investieren. “Wir wissen, dass in drei Jahren mehr Mittelklasse-Haushalte in Indien und China da sein werden, als zum gleichen Zeitpunkt in den USA”, so der Manager. “Dort entsteht ein Mittelstand, dem man deutsche Produkte gut verkaufen kann.”
Mehr Informationen: accenture.com
Mahler: “Heil Hitler, Herr Friedman”
1. November 2007
Michel Friedman, deutscher Journalist jüdischer Herkunft, hat sich in einem Interview (Teil I, Teil II) dem bekennenden NPD-Anwalt und ehemaligen RAF-Kämpfer Horst Mahler gestellt. Das ursprüngliche Ziel des Gespräches für die Vanity Fair war die RAF, doch kam Friedman nur selten dazu.
Mahler begrüßte Friedman stattdessen zu Beginn mit “Heil Hitler, Herr Friedman” und leugnete den Holocaust. Nach seiner Auffassung streben die Juden die Weltherrschaft an und ziehen im Hintergrund die Strippen der USA und Deutschlands. Gott wolle, dass das Deutsche Reich wieder aufersteht und dafür kämpfe er. “Die jüdische Macht ist am Ende, und das wird sich auch rumsprechen”, so Mahler. Juden bräuchten “Gewalt, um sich als Opfer wieder darzustellen”, denn dies sei ihre Masche, um ihre Ziele zu erreichen.
Friedman hat als Privatperson Anzeige gegen Mahler nach dem Interview Anfang Oktober erstattet.
Ein trauriges, doch in einer gewissen Art und Weise bildendes Gespräch, um verstehen zu können, wie Neo-Nazis ticken.
Finaaale, ohoo!
26. September 2007
Es ist in diesen Monaten teils lustig und einfach, über die Deutschen im nationalen (Sport-) Vergleich zu schreiben. Beim “Sommermärchen” wurden wir WM-Dritter, im darauffolgenden “Wintermärchen” sogar Weltmeister. Einmal abgesehen vom Disaster kürzlich beim Basketball, sind die Deutschen erneut auf dem Weg, ganz groß zu werden.
Zurzeit spielen die Fußball-Frauen in China um die Titelverteidigung. Erstmals könnte es in der WM-Geschichte der Frauen dazu kommen, dass eine Mannschaft hintereinander Weltmeister wird. Deutschland, übrigens auch Europameister, ist auf dem besten Weg. Heute besiegte die Mannschaft von Trainerin Silvia Neid “Angstgegner” Norwegen mit 3:0 (1:0) und stehen damit im Finale.
Am Sonntag trifft die DFB-Elf in Shanghai entweder auf Brasilien oder Olympiasieger USA.
System mit Lücken
8. Juni 2007
Die Amerikaner (bzw. der Secret Service) haben versucht, ihre deutschen Kollegen zu testen, indem sie probierten, leichten Sprengstoff nach Heiligendamm zu schmuggeln - ohne Chance. Der Verfassungsschutz verbat vor dem G8-Gipfel einem Redakteur der taz eine Presseakkreditierung, musste allerdings aufgrund des öffentlichen Druckes klein beigeben: Felix Lee war in diesen Tagen dabei.
Nur eines, das bemerkte die deutsche Gründlichkeit nicht: Dass sich Konstantin Schukman als Pressevertreter für eine deutsch-russische Zeitung akkreditierte, die es gar nicht gibt.

Putin: Eben noch bei der Bundeskanzlerin, später vor der Weltpresse in der Kritik
Foto: Bundesregierung/Bergmann
So war es für den jungen Mann kein Problem, heute Mittag auf der vor internationaler Presse abgelaufenen Pressekonferenz mit Wladimir Putin seinen Unmut kund zu tun. Lautstark sprang Schukman (ein Deutschrusse) während der PK auf und schmiss Protestblätter um sich. Andere (wirkliche) Journalisten schnappten sich schnell die Blätter, Putin demonstrierte Gelassenheit. Seine Leibwächter wollten einschreiten, doch Putin ist Polit-Profi genug um zu wissen, dass Ruhe jetzt angebrachter wäre.
Der russische Präsident sprach Deutsch: “Jetzt lassen Sie uns in Ruhe”, sagte er. “Geben Sie mir Zeit, das zu beantworten. Einverstanden? Ist das demokratisch? Setzen Sie sich hin!” Sichtlich aufgebracht, folgte der russische Oppositionelle Schukman dem Wunsch Putins. Der argumentierte, sein Land habe viele Schwierigkeiten gehabt und er verbiete sich, dass die “Demokratie” in Russland zerstört werden würde.
Konstantin Schukman hatte sein Ziel immerhin erreicht: Die Presse spricht über ihn. Berichte darüber unter anderem auf Focus Online oder sueddeutsche.de. Das Bundespresseamt darf sich derweil fragen, wie ein “Journalist” einer nicht-existierenden Zeitung bei den ach so wichtigen Sicherheitsvorkehrungen akkreditiert werden konnte. Putin spürte unterdessen etwas, das er aus seinem Land in dieser Nähe nicht kennt: Kritik an seiner Person. Insofern hatte der Auftritt von Herrn Schukman auch etwas Positives.
Millionen Amerikaner strafen Bush ab
8. November 2006
US-Präsident George W. Bush hat zwar noch zwei Jahre Zeit im Weißen Haus, bis er definitiv gehen muss - seine zwei Amtsperioden sind dann zuende. Er wurde aber schon heute abgestraft. Durch die Wahlen zum Repräsentantenhaus verlor Bushs Partei, die Republikaner, die Mehrheit. Jetzt haben die Demokraten das Sagen. Danke, Amerikaner!
Wie die (neue) Al-Qaida tickt
27. September 2006
Es ist sicherlich nicht verborgen geblieben, welches Thema mich derzeitig am häufigsten beschäftigt: Der Islam, vor allem aber die Al-Qaida und alles, was dadurch mit uns Westeuropäern zusammenhängt. Soeben habe ich auch das sehr informationsreiche Buch von Yassin Musharbash fertiggelesen, das “Die neue Al-Qaida” heißt; der Untertitel lautet: “Innenansichten eines lernenden Terrornetzwerks”.
Musharbarsh ist Redakteur im Berliner Büro von Spiegel Online. 1975 als Sohn einer deutschen Mutter und eines jordanischen Vaters geboren, studierte er Arabistik und Politikwissenschaften in Göttingen und in den Palästinensischen Gebieten. Sein Buch skizziert die Struktur der islamistischen Organisation respektive Bewegung Al-Qaida, die er als offen für alle Sympathisanten des Dschihads bezeichnet. Vor allem Dank des Internets haben sich, so Musharbash, für die radikalen Muslime neue Möglichkeiten eröffnet, untereinander zu korrespondieren. So gebe es bekannte Foren, auf denen täglich über tagesaktuelle Themen, über Gesinnungen gesprochen wird; aber auch Bekennerschreiben werden über das Internet veröffentlicht und haben so die Geheimdienste bewogen, mitzulesen. Gleichzeitig sei es heute in der dritten Qaida-Generation so, dass Anschläge, bis auf sehr wenige Ausnahmen, nicht von der Führung geplant und/oder genehmigt werden, sondern unscheinbare Sympathisanten des radikalen Islams solche in Eigenregie organisieren und ausführen.
Interessant ist auch die Einschätzung Musharbashs und seiner Gesprächspartner (u.a. auch bekennende Dschihadisten), wie die Al-Qaida sich weiterentwickeln könnte. Besonders aber, was ihre eigentliche Ziele sind. Es geht Bin Laden primär darum, die (angeblich) vom Glauben abgefallenen Herrscher orientalischer Staaten zu bekämpfen. Die gleichzeitige Vernichtung der Ungläubigen (ergo: der Juden und des Westens) spielt dabei eine zwar insgesamt wichtige Rolle, ist für die ursprünglichen Ziele der Al-Qaida jedoch nur zweitrangig. Die “Kreuzritter” unter Federführung der USA nehmen Einfluss auf die islamisch geprägten Staaten, sodass sie sich selbst zum Ziel der fanatischen Muslime machen.
Yassin Musharbash spricht auch die so genannte “Agenda 2020″ an. Darin geht es um sieben Phasen, die im Jahre 2020 zum Sieg des Islams gegen die Ungläubigen führen sollen. Von anderthalb Milliarden Muslimen ist da die Rede, die den Westen zur Kapitulation zwingen. Zuvor wird schrittweise versucht, ein Kalifat zu errichten, und die vom Glauben abgefallenen Herrscher zu stürzen. Wir befinden uns nach diesem “Masterplan” derzeit am Ende der zweiten Phase, welche als “das Augenöffnen” bezeichnet wird. Von 2007 bis 2010 soll demnach “das Aufstehen und Auf-zwei-Beine-Stellen” folgen. Vor allem wird sich ein Fokus auf Syrien ergeben. Autor dieser Agenda ist der jordanische Autor und Journalist Fuad Hussein. Der Text ist, so Musharbash, kein offizielles Dokument der Al-Qaida, sondern das Ergebnis von den Korrespondenzen Husseins mit Kadern der Terrorismusorganisation.
Sein Buch beendet Yassin Musharbash mit dem Fazit, dass die Al-Qaida möglicherweise noch stärker werden, aber den Westen und große Teile der islamisch geprägten Staaten nicht übernehmen wird. Er schließt jedoch nicht die Ausrufung kleinerer Länder unter der Kontrolle von Dschihadisten aus.
Insgesamt ist “Die neue Al-Qaida” ein sehr lesenswertes Buch, das ich jedem ans Herz lege, der sich für die Struktur, also die Arbeitsweise und die Ziele der weltweit bekanntesten Terrororganisation interessiert.
Die neue Al-Qaida, Yassin Musharbash, Kiepenheuer & Witsch, 8,95 Euro
Ahmadinedschad und Bush im TV-Duell
29. August 2006
Der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad schlägt ein Live-TV-Duell mit dem US-amerikanischen Präsidenten George Bush vor. Voraussetzung dafür sei, dass es keine Zensur geben wird. Lustig, auf welche Ideen der Präsident kommt(, um zu provozieren). Aber, irgendwie - wäre doch auch lustig, so ein Duell im Fernsehen, nicht?