Zeit Online: Wie geht’s weiter?
7. November 2007
Umbruch bei “Zeit Online”: Gero von Randow ist nunmehr nur noch kommissarischer Chefredakteur des Online-Ablegers der renommierten Wochenzeitung “Die Zeit”. Spätestens bis Februar soll er gänzlich abtreten und durch eine neue Person ersetzt werden. In Zukunft soll von Randow nur noch über Sicherheitspolitik schreiben - sowohl für Print als auch Online. Warum das Ganze? Gründe sind nicht bekannt, es gibt nur Spekulationen: Sieht von Randow seine Arbeit als gescheitert? Zuletzt gingen die Besucherzahlen zurück und die Leser sind alles andere als mit dem Layout zufrieden - nur der Inhalt stimmt. Wollte man ihn womöglich intern nicht mehr, weil man, vor allem in Person von Giovanni di Lorenzo, eh nicht an das Internet als journalistisches Medium glaubt?
Über dieses Thema hat sich Stefan Niggemeier ausführlich Gedanken gemacht und sieht derzeit wenig Chancen, dass sich “Zeit Online” groß verbessern wird. Die Widerstände von Seiten der Print-Mutter sind zu groß, das Projekt letztendlich zu teuer und mit di Lorenzo ist ein mächtiger Internet-Feind als “Zeit”-Chefredakteur beschäftigt.
Der einzige Lichtblick, der das - so oder so - inhaltlich gute “Zeit Online” weiter aufwerten wird: Der ehemalige Bundesaußenminister, Joschka Fischer, wird zukünftig (ausschließlich) für “Zeit Online” wöchentlich Kolumnen schreiben.
Wir dürfen gespannt sein.
tagesschau.de freut sich, Niggemeier weniger
19. Juni 2007
Gratulation! Das Weblog von tagesschau.de und der ARD aktuell-Redaktion wurden mit dem “Grimme Online Award” ausgezeichnet. Damit wird erstmal ein GI-Onlinemedium dafür prämiert, mit dem Trend zu gehen und redaktionelles und nicht nur thematisches zu bloggen. Derzeit macht so etwas lediglich noch ZEIT online, wenn in der Vergangenheit auch eher schlecht als recht. Ein weiterer Preisträger ist Stefan Niggemeier, der allerdings mit dem Gedanken spielt, den populären Preis abzulehnen. Der Grund ist, dass die Gewinner durch “eine peinliche Panne und die rasche Verbreitung in verschiedenen Weblogs” bereits vor der Verleihung morgen bekannt geworden sind. Peinlich.
Eine Meldung, drei Online-Medien
18. Mai 2007
Der Chef der Weltbank, Paul Wolfowitz, tritt zurück. Das meldeten als Eilmeldungen AP um 00:15 Uhr, AFP etwa genauso, die dpa war ein Tick schneller - laut focus.de gab es bereits um 00:10 Uhr eine entsprechende Kurzmeldung.
Nur kurze Zeit später machte eine “Nachtschwester” (mit dem Kürzel “van”, wer das ist - niemand weiß es) bei Spiegel Online eine Eilmeldung daraus. Welt Online aktualisierte seine Meldung von heute Nachmittag. tagesschau.de (mit 24 Std., sieben Tage/Woche Redaktion) ist ebenfalls mit einer Eilmeldung dabei. So gehört sich das.
Nichts steht hingegen bei der Netzeitung (okay, das Budget für Schichtdienst fehlt), bei stern.de (wollten das dt. Leitmedium im Internet werden), n-tv.de, bei faz.net, sueddeutsche.de und bei zeit.de. Focus Online hat immerhin einen 24-Stunden-Ticker prominent auf der Startseite implementiert - dpa-Meldungen werden unredigiert veröffentlicht. Einen redaktionellen Text gibt es jedoch nicht.
Da müssen die deutschsprachigen Online-Medien wohl noch nach ziehen. Besser informiert ist man nämlich im Fernsehen: Sowohl der ARD-Teletext als auch N24 und n-tv im Nachrichten-Laufband berichten über den Rücktritt.
Im Übrigen berichtet im Moment auch die Tagesschau darüber. Live.
Nachtrag, 01:01 Uhr: Inzwischen gibt es bei Focus Online einen redaktionellen Artikel. Da scheint wohl doch jemand zu arbeiten. Nur larm ist er. Die Tagesschau bringt in dieser Minute eine Live-Schalte nach Washington.
Nachtrag, 01:19 Uhr: Beim ZDF (sowohl TV als auch online) fehlt immer noch eine Meldung. Bei Spiegel Online steht inzwischen ein langer Text mit Foto; neben “van” hat nun auch “plö” (Textchef) am Artikel mitgearbeitet. So soll das sein: Noch nachts bestens informiert. tagesschau.de macht das ebenfalls gut. Allerdings ist die Bildunterschrift unverändert aus früheren Artikel kopiert worden.
Nachtrag, 01:26 Uhr: Marc Pitzke kommentiert auf Spiegel Online den Rücktritt. Respekt. Liest sich allerdings wie vorbereitet.
Nachtrag, 01:29 Uhr: Focus Online bringt ein Porträt über Wolfowitz, formuliert von Reuters.
Alles neu bei ZEIT online
13. Mai 2007
Eigentlich wollte ZEIT online erst morgen sein neues Layout online stellen - auf den Unterseiten ist es aber bereits jetzt zu sehen:

zeit.de mit neuem Layout: Noch nicht auf der Startseite zu sehen.
Sieht besser aus als das alte. Wirkt jedoch weiterhin zu überladen.
Die Netzeitung sucht ihre Identität - und einen Käufer
23. Februar 2007
Die Netzeitung steht mal wieder zum Verkauf. Der bisherige Inhaber - Orkla Media - möchte sich von der “ersten deutschen Tageszeitung, die ausschließlich im Internet erscheint”, trennen, schrieb heute die “Süddeutsche Zeitung” (SZ).
Autor Christoph Kappes machte sogleich die Schwächen der NZ aus: Es stehe kein Print-Verlag dahinter und mit lediglich zwölf Redakteuren in Berlin sei man ein Objekt, das schnell zu übersehen sei. Außerdem habe man den Titel des meistzitierte Online-Medium Deutschlands letztes Jahr wieder an “Spiegel Online” (SpOn) verloren, nachdem man 2005 noch der Sieger gewesen war.
Nicht gerade Friede, Freude, Eierkuchen bei der NZ, die doch ansonsten einen guten Eindruck macht, stets nach dem Motto “kurz, schnell, prägnant, witzig”. Egal, ob man auf SpOn surft, oder bei der kleinen NZ: Informiert ist man bei beiden, gleich schnell und gleich gut.
Kappes hingegen fehlen Hintergrundberichte, Reportagen und viele weitere Texte, die Arbeit machen. Aufgrund des geringen Personals seien solche Artikel jedoch nicht zu machen, so der SZ-Redakteur. Zumindest nicht so häufig. Andere Webseiten können hier hingegen punkten, zum Beispiel “Welt Online”, die erst diese Woche quasi einen Neustart hinlegten. Dank eines “Newsrooms” und der dadurch entstehenden Synenergien aus Onliner und Print`ler entstehen auf welt.de umfangreiche Berichte - sowohl top-aktuelle als auch Hintergrundberichte und Reportagen. Auch SpOn oder das renommierte Zeit Online haben hierbei eine bessere Ausgangsposition gegenüber der NZ - dank finanzstarken Geldgebern im Hintergrund und vielen Mitarbeitern.
Die NZ hingegen macht ihre Geschichten auf Basis von Agenturmeldungen: Oftmals stehen hinter dem Kürzel “(NZ)” am Ende der Artikel Meldungen von AP, dpa oder der evangelischen Nachrichtenagentur epd. Zukünftig, so einer der neuen Chefredakteure, Matthias Ehlert, könnte man mehr Lokaljournalismus betreiben, indem Themen aus der Blogosphäre “rückübersetzt ins Web 1.0″ werden. Das könne das Profil seiner Internet-Zeitung verbessern.
Zurück zum Verkauf: Zwei potentielle Verkäufer stehen bereits zur Diskussion. Darunter die Heuschrecke David Montgomery (bitte nicht!), oder aber der Verlag Holtzbrinck (Die Zeit, Handelsblatt). Sei noch zu klären, ob das Kartellamt hierbei mitspielt. Montgomery ist bereits in Berlin mit einer Publikation vertreten und die NZ ist am Radiosender 100,6 Motor FM beteiligt. Alles so eine Sache.
Währenddessen machte sich die NZ diese Woche ein wenig schöner. Die Meinungen gehen unter den Lesern zwar auseinander, trotz alledem dürften solche Neuerungen das eigene Potential bei Kaufinteressenten erhöhen. Und boulevardesque Bereiche wie den neuen “Small Talk”, der auf jeder Seite verlinkt ist, sorgen für mehr Klickzahlen. Im vergangenen Monat habe die NZ zirka 20 Millionen Page Impressions generiert, schreibt die SZ - da kann SpOn mit zirka 400 Millionen nur müde lächeln.
Die nächsten Wochen werden also wieder einmal interessante werden. Zum einen für mich als NZ-Leser und zum anderen für den deutschen Online-Journalismus, bei dem die NZ eine wichtige Rolle spielt.
(via onlinejournalismus.de)
Vertriebenendebatte: ZEIT online-Autor fordert Schlussstrich
20. Dezember 2006
Robert Leicht hat auf ZEIT online eine interessante Kolumne zum Streit zwischen Deutschland und Polen verfasst. In seinen sieben Punkten fordert er unter anderem, die Bundesregierung solle einen juristischen Schlussstrich unter die Vertriebenendebatte ziehen. Polen forderte in den letzten Tagen unter anderem eine Neudefinierung der Grenzen - und empörte dadurch viele Deutsche.
“Killerspiele” bestimmen die Agenda
24. November 2006
Das Thema “Killerspiele” scheint die Menschen zu interessieren. Nicht nur, dass es am Montag und Dienstag (ergo: zwei Tage hintereinander), jeweils das Topthema bei den ARD “Tagesthemen” und dem ZDF “Heute Journal” war. Nein, auch viele andere Medien haben inzwischen unzähliche Beiträge gebracht - stern.de, zeit.de, vor allem Spiegel Online und die Netzeitung. Ganz zu schweigen vom Internet-Angebot der GameStar, die täglich Interviews bringen. Inzwischen findet die Spielebranche auch in den General Interest-Medien Gehör. Auch mein Kommentar “Amoklauf und Killerspiele?” ist beliebt. Er erschien neben GamePorts und diesem Weblog auch auf exalo.eu und der Readers Edition - inklusive einigen Kommentaren. Andere Meldungen von mir wurden zwischen 400 und über 1 000 Mal auf GamePorts geklickt, eine Meldung erschien darüberhinaus auf onlinezeitung24.de. Das ermuntert mich gleich, das Thema weiter zu behandeln. Leider beharren immer noch viele Politiker auf ein Verbot von so genannten “Killerspielen”.
ZEIT-Leser erheben sich gegen Werbung
12. November 2006
Zahlreiche Leser von ZEIT Online haben sich in dieser Woche wegen einer neuen Werbeform beschwert: Eine Vorschaltseite. Bevor der User also die eigentliche Seite sehen darf, muss er seine volle Aufmerksamkeit auf ein einzelnes Unternehmen (hier: O2) richten. Nach 15 Sekunden soll er weitergeleitet werden, oder er klickt (manuell) auf einen Link, der ihn weiterführt. Solche Werbeformen sind mir ansonsten nur von Spieleseiten bekannt - auf einer renomierten Seite wie ZEIT Online aber eher fehlplatziert.
Im “Meckerblog” von ZEIT Online diskutieren seitdem einige Leser der Internetseite. Eingeschaltet haben sich auch Chefredakteur Gero von Randow und der ZEIT-Geschäftsführer. Diverse ZEIT-Abonnenten kündigten an, die Online-Ausgabe nicht mehr zu besuchen. Verständlich.
Heute ist übrigens keine Vorschaltseite geschaltet.
Deutsche glauben doch an die Demokratie
5. November 2006
Es war eine Nachricht, die es am Dienstag gleich zur Topmeldung schaffte - das deutsche Volk solle an seiner eigenen Regierungsform zweifeln, an der Demokratie, berichtete unter anderem Spiegel Online. Stimmt nicht, beruhigte Zeit Online-Chefredakteur Gero von Randow am nächsten Tag. Die Journalisten hätten die Umfrage von Infratest dimap falsch interpretiert. Die Frage sei gewesen, “sind Sie mit dem Funktionieren der Demokratie in Deutschland zufrieden?” - nicht mehr, nicht weniger. In der Tat: Unter diesen Umständen heißt es nicht, dass die Deutschen das System verurteilten. Vielmehr bringen sie ihren Unmut über die Große Koalition in solchen Umfragen zum Ausdruck. Vielleicht sollte uns das zu denken geben. Einmal abgesehen davon, dass manche Journalisten besser recherchieren sollten - nicht mehr, nicht weniger.